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Eintracht Frankfurt Leinen los

Wie Eintracht Frankfurt versuchen sollte, zum Erfolg zu kommen: mehr Freiheit, weniger Fesseln.

Muss vorangehen: Kapitän Alex Meier. Foto: Jan Huebner

Die Frankfurter Tormaschine Alexander Meier hält Vorbereitungsspiele nicht unbedingt für sinnlos, aber er sieht in den Privatpartien eigentlich nur diese eine Bestimmung: „Es geht darum, Kraft zu sammeln und fit zu werden. Wie die Form dann ist, das werden wir erst am Sonntag sehen.“ Da ist der VfL Wolfsburg in Frankfurt zu Gast, eine Mannschaft, die der Musik ordentlich hinterherläuft und die mit ihrer Bilanz in dieser Saison gewiss nicht zufrieden sein kann. Ein siebter Platz mit 26 Punkten ist in etwa so wie für die Eintracht ein 14. Rang mit 17 Zählern. Einfach enttäuschend. Es fühlt sich nicht gut an. Mit dem Unterschied, dass es in Wolfsburg nicht gegen den Abstieg geht und das öffentliche Interesse sich in engen Grenzen hält – selbst regional und lokal.

Überregional kommt dem VfL trotz aller Bemühungen ohnehin eine kaum beachtete Nebenrolle zu, der Klub ist nicht gewachsen, er interessiert nach wie vor nur wenige Menschen. Auch in diesem Jahr werden sich in Frankfurt nicht mal 40 000 Zuschauer in die ansonsten so prächtig besetzte Arena begeben. Und das liegt nicht an den Temperaturen. Spiele mit Wolfsburger Beteiligung gehören in Frankfurt traditionell zu den Partien, die auf wenig Interesse stoßen. Auch jetzt sind weit weniger als 40 000 Eintrittskarten verkauft, obwohl es das erste Rückrundenspiel ist, die Menschen hungrig nach Fußball sind und für die Eintracht viel auf dem Spiel steht. Doch die Niedersachsen sind keine Zugnummer, und sie werden auch keine mehr werden.

Zurück zur Raute?

Sportlich hat Alexander Meier aber Respekt vor den Wolfsburgern. „Das ist eine super Mannschaft, viele Schwächen hat sie nicht.“ Die Eintracht wird versuchen, ihren Heimvorteil zu nutzen und ihre Stärke auf eigenem Terrain wieder aufleben zu lassen. „Zu Hause spielen wir eigentlich ganz gut“, bekundet Meier. Aber wie will man den Wölfen beikommen? Was ist der Masterplan?

Eine Lehre aus der Hinrunde und den Vorbereitungsspielen muss sein, dass das Eintracht-Offensivspiel nicht mehr nach Schema F abläuft. Das sieht offenbar auch Trainer Armin Veh so, der am Mittwoch damit überraschte, die von ihm selbst eingemottete Raute wieder aus der Kiste zu holen. Und das nur wenige Tage vor dem Wiederanpfiff. Das ist zumindest mutig – ungeachtet der Frage, ob er sie letztlich auch im Ernstfall beibehält. Veh war das Angriffsspiel zu statisch, mit zu wenigen kreativen und überraschenden Elementen.

Die Mannschaft muss sich von ihrer Statik befreien, es darf nicht mehr so schablonenhaft sein. Da müssen die Fesseln fallen und die Leinen gelöst werden. Es ist, zum Beispiel, nicht notwendig, fast jeden Ball reflexartig prallen zu lassen, quer oder zurückzuspielen, aus Angst, einen Fehler zu machen. Das zerstört die Leichtigkeit und jede Spielfreude. Es muss mehr Würze und Leidenschaft ins Spiel. Das Team darf nicht mehr so berechenbar sein.

Das steht und fällt nicht nur mit dem System, die Spieler müssen der Ausrichtung Leben und Dynamik einhauchen, sie müssen auch mal ausbrechen aus ihren Positionen, den immergleichen Laufwegen. Das ist auch das, was Trainer Veh meint, wenn er sagt, dass es nichts bringe, wenn alle Spieler stets hinter dem Ball seien. Wahrscheinlich hat er auch deshalb jetzt die Raute getestet. Da erhofft er sich mehr Bewegung und Flexibilität.

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Und er schafft es nur so, all die Spieler unterzubringen, die er spielen lassen möchte. Von den sechs, sieben Offensiven können nur fünf spielen – am Status von Alex Meier und Haris Seferovic wird natürlich nicht gekratzt, auch Marc Stendera genießt beim Trainer höchste Wertschätzung. Bleiben noch Szabolcs Huszti, der eine gute Vorbereitung spielte, und Marco Fabian, der zuletzt zeigte, was er kann. In diesem Fall würde der nach wie vor formschwache Stefan Aigner (und sein Ersatzmann Mijat Gacinovic) auf der Strecke bleiben.
Die Raute kommt auch deshalb in Betracht, weil sich der mexikanische Neuzugang Marco Fabian in der Zentrale sehr viel wohler fühlt als auf dem Flügel, wie der Trainer schnell erkannt hat. „Da bekommt er viel mehr Bälle, und das braucht er für sein Spiel.“

Zudem brauchen die Kreativspieler wie Marc Stendera, Szabolcs Huszti oder Marco Fabian Anspielstationen; Spieler, die sich nicht nur kurz anbieten und den Ball dann prallen lassen, sondern auch mal in hohem Tempo in die Schnittstellen der Abwehrreihen stoßen. Oder Spieler, die selbst mal neue Situationen schaffen, vielleicht mal durch ein Dribbling oder einen schnellen Lauf, der für andere Räume schafft. Da könnte Mijat Gacinovic eine Option sein, aber er könnte auch als Joker stechen. Der 20-Jährige hat keine Anlaufschwierigkeiten und ist gleich auf Betriebstemperatur. Er könnte ein fest gefahrenes Spiel neu auflösen.

Das viele Quergeschiebe und die vielen Rückpässe in den Testspielen sind ein Indiz dafür, dass vorne zu wenig Variabilität herrschte. Die Mannschaft muss den Mut haben, von hinten heraus zu kombinieren, aber nicht nur durch Fünfmeterpässe, sondern durch kluge, harte Zuspiele ins Mittelfeld oder in die Spitze. Das verfängt jedoch nur, wenn die entsprechende Bewegung und die nötigen Anspielstationen vorhanden sind.

Selbst die Verteidiger oder die defensiven Mittelfeldspieler können sehr wohl mal versuchen, durch einen Antritt einen Angriff zu initiieren. Auch so werden neue Spielsituationen geschaffen, auch so kann man den Gegner vor Aufgaben stellen, die er erst einmal lösen muss.
Das erfordert von den Defensivspielern allerdings eine gewisse Fertigkeit am Ball. Marco Russ ist einer, der durchaus mal die Chuzpe hat, den Ball nach vorne zu treiben – er verzettelt sich indes noch zu oft. Was bei Ballverlust dann wieder zur Folge haben kann, dass es hinten lichterloh brennt. „Wir haben es hinten nicht zubekommen“, sagte Veh jetzt. In den Testspielen war das nicht so schlimm, im Ernstfall wäre es das sehr wohl.

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