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Eintracht Frankfurt Kurskorrektur auf Zeit

Es deutet sich an, dass Eintracht-Trainer Adi Hütter vom bevorzugten Dauerpressing vorerst abrückt.

Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Gais
Suchen nach der richtigen Strategie: Eintracht-Sportvorstand Bobic (l.) und Trainer Hütter. Foto: Jan Huebner

Wenn Adi Hütter zum Trainingsspiel bittet, dann wird es laut bei Eintracht Frankfurt. „Go, go, go“, „Jeeetzt“, „Druuuck“. Und das quasi durchgehend. Sowohl die Spieler untereinander als auch der Trainer an der Seitenlinie schreien sich die Anweisungen nur so in die Gehörgänge. Das primäre Ziel: Das von Trainer Hütter bevorzugte Pressing, das hohe Anlaufen des Gegners, in die Köpfe der Spieler zu bekommen. 

Vier Wochen lang baute fast jede noch so kleine Spielform darauf auf, Stress für das kickende Personal zu erzeugen. Viele Spieler auf wenig Raum, ständiges Druckmachen auf die Kollegen, Ballverluste provozieren, Umschaltsituationen erzeugen. Immer wieder und wieder und wieder. Bis zum vergangenen Mittwoch. Da verlor die Eintracht im ersten von zwei Testspielen des Trainingslagers in Südtirol gegen den FC Empoli. Sie machte es 20 Minuten lang ziemlich gut, ergatterte viele Bälle in der gegnerischen Hälfte, belohnte sich aber nicht für die Mühen. Mit fatalen Folgen. Je länger das Spiel dauerte, umso größer wurden die Räume zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen. Es entstand kaum noch Druck auf den Gegner, der letztlich fast mühelos zum 2:0 kam. Das Hütter’sche Dauerpressing war krachend gescheitert, der Trainer zum Umdenken gezwungen.

„Es geht ja nicht darum, nur vorne draufzugehen“, sagte er drei Tage später, nachdem die Eintracht am Samstag zwar ebenfalls ein Testspiel verloren hatte – 1:2 gegen Spal Ferrara –, dieses Mal aber wesentlich besser spielte. Die Frankfurter waren zwar wieder in einem 3-4-2-1-System aufgereiht, sie griffen aber erst knapp 20 Meter weiter hinten an. Die Räume im Mittelfeld waren enger, das Pressing nur noch in einzelnen Momenten das angewandte Mittel. „Man muss Pressing dann einsetzen, wenn es notwendig ist“, sagte Hütter. 

Die Qualität der Mannschaft reicht noch nicht aus

Nun wird sich die Spielidee des Trainers nicht wegen eines einzelnen versemmelten Testspiels grundlegend geändert haben. Das wäre auch nicht ratsam, schließlich wurde er gerade deswegen von den Verantwortlichen verpflichtet. Zudem wird das frühe Attackieren im Saisonverlauf sicher noch eine gewichtige Rolle spielen, für die nächsten Wochen aber scheint es so, als habe der Österreicher für seine Mannschaft, aber auch für seine eigene Denke, vorerst eine Kurskorrektur angeordnet. „Es ist ein Prozess, der dauern kann“, sagte er über das Pressing. Das sei auch bei seinen vorherigen Stationen in Salzburg und Bern nicht anders gewesen. Hütter hat offenbar erkannt, dass die Qualität seiner Mannschaft (noch) nicht ausreicht, um die Gegner wie ein Spitzenteam fast durchweg weit vorne anzulaufen und dadurch das erhöhte Risiko in der Defensive in Kauf nehmen zu können. 

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