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Eintracht Frankfurt Kopfsache in Hannover

Beim 0:0 in Hannover arbeitet Eintracht Frankfurt defensiv gut, erzielt aber wieder keinen Treffer.

Wieder kein Tor: Takashi Inui gegen Hannovers Ron Robert Zieler. Foto: imago sportfotodienst

Beim 0:0 in Hannover arbeitet Eintracht Frankfurt defensiv gut, erzielt aber wieder keinen Treffer.

Es war eine letzte Minute zu spielen, da holte Takashi Inui noch einmal aus. Der Winkel war nicht schlecht, 13, 14 Meter halblinks vor dem Tor, dann kam der Ball, Inui schoss – und heraus kommt ein Kullerbällchen. Keine Aufgabe für Ron-Robert Zieler. Der Torwart von Hannover 96 nahm die Kugel mühelos in die Arme, Sekunden später war die gepflegte Langeweile im Schneetreiben beendet. 0:0 zwischen Hannover und Eintracht Frankfurt, ein besseres 0:0 zwar, aber dennoch mal wieder ein torloses Remis.

In Frankfurt hat die Torflaute fast schon Tradition: Seit 504 Minuten hat die Eintracht schon nicht mehr getroffen, das sind elf Halbzeiten oder genau: acht Stunden und 24 Minuten ohne Tor. In dieser Rückrunde haben die Frankfurter in den acht Partien lediglich fünf Tore erzielt, nur der weit abgeschlagene Tabellenletzte, die Spielvereinigung Greuther Fürth, hat noch seltener getroffen, dreimal bislang. In der Rückrundentabelle liegt die Eintracht auf Platz 13. Das ist die Statistik, sie klingt nicht gut.

Dann sagte Klubchef Heribert Bruchhagen: „Wir sind punkt- und torgleich mit Schalke 04, das ist schon in Ordnung.“ Schalke ist Vierter, die Eintracht Fünfter, und der Vorstandsvorsitzender der Hessen war alles andere als sauer über das Unentschieden an der Leine. „Ich bin sehr zufrieden.“ Es habe in der Vergangenheit oft Spiele gegen Hannover 96 mit einem ähnlichen Spielverlauf gegeben wie dieses Mal, am Ende „hatten wir meist verloren“. Die Niedersachsen liegen den Hessen nicht, der letzte Sieg liegt rund 25 Jahre zurück, insofern „können wir mit dem Punkt sehr gut leben“, sagte Bruchhagen.

"Das war ein gutes und ordentliches Spiel"

Der Eintracht-Boss sagte in etwa dasselbe, was später auch der Trainer Armin Veh sagen sollte: „Das war ein gutes und ordentliches Spiel. Wir haben ziemlich reif gespielt“, so der Eintracht-Coach. Tatsächlich dominierten die Frankfurter über sehr weite Strecken dieses Spiel, vor allem in der ersten Halbzeit waren sie Herr im fremden Haus. Da ließen sie im Grunde überhaupt nichts zu, die Gastgeber liefen hilflos dem Ball hinterher, der auf Frankfurter Seite wie auf Schienen lief. Allein: Es war brotlose Kunst.

Das war alles sehr nett anzusehen, die vielen Kurzpässe, die Kombinationen über viele, viele Stationen, doch am Ende verpuffte das ewige Ballgeschiebe im Nirgendwo. Armin Veh brachte es hinterher mit einem Bonmot auf den Punkt: „In letzter Konsequenz waren wir nicht konsequent genug.“ Was den Frankfurtern komplett fehlte war so etwas wie ein Spieler mit Killerinstinkt, einer, der den Sack auch mal zugemacht hätte, der mit einem herzhaften Schuss auch mal den Abschluss gesucht hätte.

Die beiden nominellen Stürmer Stefan Aigner und Karim Matmour strahlten gemeinsam in etwa die Gefährlichkeit von Kuschelbärchen aus. Hannovers Keeper Zieler hatte in den 90 Minuten keinen einzigen schweren Ball zu halten (Kevin Trapp auf Frankfurter Seite aber auch nicht). Srdjan Lakic, der wenige Minuten vor Schluss kam, ist noch immer wegen seiner Rückenprobleme nicht 100-prozentig fit, Olivier Occean im Augenblick nicht gut genug für den 18-Mann-Kader.

Und andere Optionen hat Veh nicht, ihm bleibt nichts anderes übrig, als es mit „schwimmenden Stürmern“ zu versuchen. So hat vor zwei Wochen der Freiburger Trainer Christian Streich das Angriffs-System plastisch umschreiben, das auf gelernte Angreifer verzichtet. Und als dann endlich einmal die Kugel im Netz lag, in der 50. Minute, als Alexander Meier die Ball ins Netz geschoben hatte, entschied Schiedsrichter Bastian Dankert auf Abseits – zu Unrecht, wie sich herausstellte „Ich dachte selbst, es wäre Abseits gewesen“, zeigte sich der verbesserte Meier überrascht. Und weil es dann doch eine Fehlentscheidung war, erklärte Veh die Torflaute kurzerhand für beendet. „Wir haben ein reguläres Tor erzielt, darüber bin ich froh.“

"Schalke schwebt, wir tun uns schwer"

Natürlich hat Veh das auch deshalb gesagt, weil er weiß, dass die fehlende Tore ganz schnell eine Eigendynamik entwickeln können, dass die Mannschaft dann vor dem Tor noch mehr verkrampft. Es ist noch nicht lange her, da begann der schleichende Abstieg der Eintracht mit vielen, vielen Spielen ohne eigenen Treffer.

„Nach vorne hat uns das Quäntchen gefehlt. Uns fehlt ein Tor oder zwei“, sagte Veh denn auch mit Blick auf die Tabelle. „Schalke schwebt, wir tun uns schwer.“ Dabei findet der Trainer nicht, dass „wir schlechter Fußball spielen als in der Vorrunde“, nur sei die Leichtigkeit und der Elan ein bisschen raus.

Auch Pirmin Schwegler, der Kapitän, spürte, dass in der Spitze nicht alles rund läuft. „Es fehlt ein bisschen was nach vorn, auf den letzten Metern stimmt es nicht.“ Logisch dann auch, dass Schwegler seine beste Aktion in der Defensive hatte: Da rettete er gegen Ya Konan spektakulär auf der Linie (48.). Klar, man spiele einen Tick defensiver, um nicht ausgekontert zu werden, räumte Veh ein. „Aber solche Phasen gibt es“, ergänzte Schwegler.

Und Eintracht Frankfurt spielt ja auch nicht immer gegen solch abwehr- und heimstarke Gegner wie Hannover 96. „In den nächsten beiden Spielen gegen den VfB Stuttgart und Greuther Fürth rechne ich mir was aus“, sagte Bruchhagen. Es sollte zuversichtlich klingen. Tore sollen dann fallen, endlich wieder Tore.

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