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Eintracht Frankfurt Kahlschlag im Stadtwald

Eintracht-Trainer Hütter sortiert auch Fabian, Falette und Cavar aus und kann die Bedenkenträger gut verstehen.

Marco Fabian
Ausgemustert: Marco Fabian. Foto: Imago

Irgendwann während des ausführlichen Pressegesprächs lächelte Adi Hütter hintergründig und stellte der Runde eine rhetorische Frage: „Haben Sie das Gefühl, dass ich Sorgen habe?“ Leichterdings hätte man ihm ein kräftiges „Ja“ entgegenschmettern können, doch der Eintracht-Trainer beantwortete seine Frage schließlich selbst: „Sorgen habe ich keine, aber ich schaue der Realität ins Auge.“ Und die ist nicht mehr, wie einst im Mai, rosarot, sondern eher trist und grau.

Am Mittwoch zur Mittagszeit hat Adi Hütter, seit ein paar Wochen verantwortlich für den Pokalsieger vom Main, vielleicht nicht unbedingt die große Alarmglocke schrillen lassen, aber doch eine sehr nüchterne und ehrliche Bestandsaufnahme vorgenommen, den Ist-Zustand schonungslos dargelegt. Er weiß, er spürt und liest, dass seiner Mannschaft zurzeit nicht viel zugetraut wird, und nach der peinlichen Vorstellung im Supercup gegen die Bayern (0:5) könne er die Befürchtungen nachvollziehen. „Die Bedenken sind da, das ist klar und berechtigt“, sagte er. Und er habe auch wahrgenommen, dass die Eintracht sogar „als Abstiegskandidat Nummer eins“ gehandelt werde. „Aber unsere Aufgabe ist, das Gegenteil zu beweisen.“ Es dürfte nicht leicht werden.

Marco Fabian gegen die Bayern noch in der ersten Elf

Hütter jedenfalls hat am Mittwochmorgen die nächste Maßnahmen getroffen, um sein Team bestmöglich auf die bevorstehende Saison vorzubereiten, er sortierte drei weitere Spieler aus: Marco Fabian, Simon Falette und Marijan Cavar. Sie werden der auf sieben Akteure angewachsenen Trainingsgruppe zwei um Marc Stendera, Branimir Hrgota, Daichi Kamada und Nelson Mandela angehören. Ein Paukenschlag. Gerade die Versetzung von Marco Fabian verwundert, zumindest auf den ersten Blick.

Der Mexikaner stand am Sonntag gegen die Bayern noch in der ersten Elf. Binnen drei Tagen von der Startformation hinüber aufs Abstellgleis – das dürfte ein Novum sein. Zumal Hütter dem Spielmacher ein gutes Zeugnis ausstellt: „Toller Spieler, super Typ.“ Fabians Vertrag läuft aber in einem Jahr aus, für die Eintracht ist das nun die letzte Chance, mit dem Nationalspieler Geld zu verdienen. Vier, fünf Millionen Euro sollten für den im Ausland begehrten Spieler drin sein.

Und: Auch für Fabian, 29, ist es die vielleicht letzte Gelegenheit, einen hoch dotierten Vertrag zu ergattern. Er selbst trug Abwanderungsgedanken in sich. „Es geht auch um Marcos Zukunft“, bekundete der Coach. Die Sportliche Leitung war ohnehin nicht überzeugt, dass Fabian dem Team in dem Maße helfen könnte, wie es notwendig ist. Für sie stand fest, dass man ihn gehen lassen würde, wenn ein entsprechendes Angebot reinflattert. Die Frage ist, wie weit der neue Fußballlehrer in diesen Entscheidungsprozess eingebunden war. Hütter hatte den Mittelamerikaner stets gelobt und ihn ja auch gegen die Bayern aufgestellt.

Klarer ist die Situation etwa bei Cavar, dem signalisiert und mitgeteilt wurde, dass er sich besser verändern sollte. Ein Leihgeschäft wäre denkbar. Hütter hält den Bosnier, 20, für durchaus talentiert, aber seine Einsatzchancen für gering. „Im Mittelfeld haben wir sieben Spieler für drei Positionen“, sagte er. Ein junger Spieler müsse auf seine Einsätze kommen. „Es bringt ihm zehnmal mehr, wenn er spielen kann und dann vielleicht gestärkt zurückkommt.“

Auch für Falette, der in der zurückliegenden Saison immerhin 28 Pflichtspiele absolvierte, sei die Situation quasi ausweglos, weil ihm zu viele Innenverteidiger den Weg versperrten. Hütter betonte, dass er die aussortierten Profis für gute Akteure halte. „Aber wir wollen auf die Zukunft setzen“, also auf die neuen Spieler, die aber, das betonte selbst die Sportliche Führung und das sieht man ohne geschultes Auge, noch Eingewöhnungszeit benötigen. Das räumte auch der Trainer ein: „Fragen Sie mal Mijat Gacinovic, wie schwierig das erste Jahr war, bis man sich adaptiert hat.“ Der Haken an der Sache: Zeit gestattet die Bundesliga eigentlich nicht. Das weiß der Coach nur zu gut. Aber er sieht das als Herausforderung. Und doch: Der Weg der Eintracht wird steinig, es ist ein gefährliches Spiel, ein Spiel mit dem Feuer.

In der abermaligen Ausmusterung einiger Spieler sieht Hütter zwar „keinen Neuanfang“ kurz vor dem Pflichtspielstart am Samstag im Pokal in Ulm, aber „der Cut“ sei notwendig gewesen, um „eine Mannschaft zu finden, der wir vertrauen, der ich mich widme und in die ich meine Energie reinstecke.“

Dass die aufgeblähte Gruppe verkleinert werden musste, lag auf der Hand, „sonst ist kein hochwertiges Training möglich.“ Die Frage, die sich aufdrängt, ist dennoch, ob einige der abgeschobenen Spieler nicht besser sind als die, die dem Stamm oder dem erweiterten Kader angehören. Zumal die Neuzugänge bisher keinen berauschenden Eindruck hinterließen. Über den Portugiesen Chico Geraldes sagte der Coach am Mittwoch etwa, dass dieser „ein ordentliches Niveau“ habe, sich aber schnell an das Tempo und das Zweikampfverhalten gewöhnen müsse – „sonst könnte es unangenehm werden“.

Klar ist, dass die Eintracht noch mal nachbessern wird, wünschenswert wäre ein schneller Rechtsaußen. Doch plötzlich sucht der Klub auch noch einen Rechtsverteidiger, denn Timothy Chandler wird der Eintracht bis auf weiteres fehlen. Er leidet unter einer noch nicht näher bestimmten Knieverletzung und wird sehr lange ausfallen. „Dann müssen wir handeln“, befand Hütter, dem nur noch Danny da Costa für diese Position zur Verfügung steht. Ein weiterer Rechtsverteidiger mindert hingegen den Spielraum, um auf anderen Positionen tätig zu werden. Zu allem Überfluss laboriert Shootingstar Ante Rebic unter Adduktorenproblemen und musste das Training abbrechen.

Hütter gibt sich dennoch tapfer, will nicht jammern, auch wenn er auf die Frage, ob er  sich das Projekt so schwer vorgestellt habe, erst einmal durchpustete und einige Sekunden nach den richtigen Worten suchen musste. „Ich habe das Gefühl, dass wir konkurrenzfähig sind“, sagte er. Er habe gewusst, dass „wir Substanz verlieren“, nur der Abgang von Kevin-Prince Boateng sei ihm nicht bewusst gewesen.

Die Partie in Ulm werde „aufdecken, wo wir wirklich stehen“, betonte Hütter. „Ich möchte eine Reaktion sehen.“ Denn eines fehlt ihm in seinem Team, ein starker Anführer, der Widerständen trotzt: „Du brauchst Typen, die auch nach einem Gegentor immer weitermachen.“ Die „Körpersprache und Mentalität“ sei nach dem Treffer zum 0:2 gegen die Bayern nicht okay gewesen, „das hat mich gestört“. Und eines stellte Hütter klar: „Wir dürfen keinen Angsthasenfußball spielen.“ Ein guter, aber mutiger Ansatz inmitten vieler Unwägbarkeiten.

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