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Eintracht Frankfurt Jetzt wird´s haarig

Eintracht Frankfurt verliert in Köln erneut ein enges Spiel und steckt richtig tief im Abstiegssumpf.

15.02.2016 05:57
Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz
Restlos bedient: Eintracht-Trainer Armin Veh. Foto: dpa

Das Auslaufen am Sonntagmorgen begann mit gut halbstündiger Verspätung, es gab reichlich Redebedarf in der Arena im Stadtwald. Im Besprechungszimmer analysierte der Frankfurter Trainer Armin Veh die ernüchternde 1:3 (1:1)-Niederlage vom Vortag beim 1. FC Köln, er ließ Videosequenzen über die Leinwand flimmern, sprach die Fehler schonungslos an. Und er muss deutliche Worte gefunden haben, Makoto Hasebe, der so unglücklich agierende Japaner, war hinterher sichtlich beeindruckt: „Es war ein bisschen härter als sonst.“ Man kann sich denken, warum.

Denn diese Niederlage beim 1.FC Köln, bei einer Mannschaft, die von Eintracht Frankfurt vom Potenzial her nicht meilenweit enteilt ist, die zweite hintereinander, hat Spuren hinterlassen. Diese Schlappe hat Eintracht Frankfurt ins Mark getroffen, hat die ohnehin angespannte Situation noch ein Stück „prekärer“ werden lassen, wie Vorstandschef Heribert Bruchhagen sagte. Diese Niederlage war ein herber Rückschlag. Das kleine Pflänzchen Hoffnung, das nach den vier Punkten aus den ersten beiden Spielen in der Rückrunde zart zu sprießen schien, ist fürs Erste zertreten.

Vorentscheidendes Spiel gegen den HSV

Am Sonntag morgen schlichen die Profis dann sichtlich geknickt und gebeutelt zum Auslaufen, dieses 1:3 hatte gesessen. Alex Meier, mal wieder einziger Torschütze (24.), brachte es auf den Punkt: „Die Lage wird immer gefährlicher, weil die Spiele weniger werden und wir wenig Punkte holen.“ 13 Spiele sind es noch, und die Hessen können es sich immer seltener erlauben, Spiele, besonders Heimspiele, in den Sand zu setzen. Der Druck wird größer. Auch wenn es niemand so deutlich ausspricht: Die Partie am kommenden Freitag (20.30 Uhr) zu Hause gegen den Hamburger SV, einen unmittelbaren Konkurrenten um den Klassenerhalt, besitzt vorentscheidenden Charakter. Das würde der Frankfurter Trainer Veh so natürlich niemals öffentlich sagen. Er sagt statt dessen: „Wir dürfen nicht verrückt spielen.“ Man müsse die Ruhe bewahren. „Die, die Theater machen, steigen am Ende ab.“

Aber wird es ruhig bleiben in Frankfurt?

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Vieles wird davon abhängen, wie sich die Eintracht in den nächsten vier Spielen aus der Affäre zieht, von denen drei vor heimischem Publikum ausgetragen werden. „Wir müssen uns gegen diese Abwärtsspirale wehren. Dazu müssen wir für bessere Ergebnisse sorgen, dazu geben uns die beiden Heimspiele gegen Hamburg und Schalke die Gelegenheit“, sagte Heribert Bruchhagen. „Die Qualität der Mannschaft ist so, dass wir positive Ergebnisse erreichen können.“

So klang der Chef auch lange Zeit in der „Rückrunde der Schande“ im Jahre 2011, als er ebenfalls davon sprach, dass die Mannschaft doch über genügend Klasse verfüge, um drinzubleiben. Tatsächlich ist es derzeit so, dass Eintracht Frankfurt genauso spielt wie Mannschaften, die absteigen können.

Es stimmt auch, dass Schiedsrichter Felix Zwayer mit seinen Pfiffen oft daneben lag. Meier fand, er sei „wirklich schlecht“ gewesen, selbst Bruchhagen zeigte sich „erstaunt über die Vielzahl an Entscheidungen, die uns nicht gefallen haben“. In Köln, aber auch vorher schon.
Immerhin trafen die Fehlentscheidungen am Samstag beide Teams. Aber auch das trifft im Keller stehende Mannschaften öfter. Ungeachtet dessen verlor die Eintracht ein enges Spiel, ein Spiel, das sie nicht unbedingt hätte verlieren müssen. Das sah in der ersten, deutlich besseren Halbzeit ganz ordentlich aus. Doch am Ende standen die Hessen wieder mit leeren Händen da. Es stimmt ja, was Veh sagte, dass man im ersten Abschnitt „gut im Spiel“ war, hohen Aufwand betrieben habe, dass man Köln unter Druck gesetzt und zu Fehlern gezwungen habe. Und man konnte den Frankfurtern nicht den Willen absprechen, auch die Führung entsprach dem Spielverlauf.

Noch hat man es selbst in der Hand

Doch viel zu schnell und vor allem viel zu leicht kassierten die Frankfurter den Ausgleich. „Ein Tor aus dem Nichts“ (Sportdirektor Bruno Hübner), weil der an sich ganz gute Marco Fabian einen abgewehrten Ball nicht unter Kontrolle bekam und Yannik Gerhardt ausglich (29.). „Du kannst hier was mitnehmen, wenn du mit einem 1:0 in die Pause gehst“, sagte Armin Veh.

Doch nach dem Wiederanpfiff war alles anders. Dass das 1:2 (57., Dominique Heintz) nach einem umstrittenen Freistoß fiel, war sicherlich eine Vorentscheidung. Doch viel gravierender war, dass die Eintracht danach viel zu offensiv agierte, viel zu früh öffnete und die Defensive vernachlässigte. Für den rotgefährdeten Hasebe brachte Veh den Angreifer Haris Seferovic. Und plötzlich rannten alle fast schon kopflos nach vorne. Genau das wollte Veh nicht: Dass sein Team den Ausgleich sofort mit allen Mitteln erzwingen wollte. „Wir haben viel zu offen gespielt und Köln zu Kontern eingeladen. Wir haben mit Leidenschaft gespielt, aber nicht klug, sondern dumm. Wir wollten zu viel, aber zu wenig mit dem Kopf. Wir standen teilweise mit sechs Mann am gegnerischen Strafraum. So kann man in der Bundesliga nicht spielen. “, referierte der Coach. Das 1:3 (73.) durch Anthony Modeste war die Entscheidung.

„Das einzig Gute ist“, sagte Torhüter Lukas Hradecky, „dass wir nicht auf dem Relegationsplatz stehen.“ Und dass die Eintracht alles noch selbst in der Hand hat. Ein schwacher Trost.

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