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Eintracht Frankfurt Jetzt wackelt die letzte Säule

Torwart Lukas Hradecky, dem eigentlich zuverlässigsten Frankfurter Spieler, unterlaufen amateurhafte Patzer. Der bisherige Leistungsträger der Eintracht spricht von seinem „schlechtesten Spiel“.

Hradecky auf Abwegen. Der Frankfurter Torwart stürmt aus dem Strafraum und verfehlt den Ball. Der springt zu Raffael, der sich nicht lange bitten lässt und zum 2:0 trifft. Foto: Team2

Der Frankfurter Torwart Lukas Hradecky ist wie selbstverständlich stehengeblieben bei den Reportern und hat sich gestellt. „Ich halte den Kopf trotzdem hoch“, sagte er mit einem schiefen Lächeln. Der Mann zeigt klare Kante, er drückt sich nicht, selbst an Tagen wie diesen nicht, da ihm nicht wirklich zum Reden zumute war.

Denn es war ja nicht nur diese niederschmetternde 0:3-Schlappe gegen Borussia Mönchengladbach: Ausgerechnet der einzige Frankfurter, auf den in dieser so missratenen Saison immer Verlass war, patzte in dieser Begegnung mindestens zweimal entscheidend. Ausgerechnet dem großen, vielleicht sogar dem einzigen Rückhalt, der dieser Mannschaft geblieben ist, unterliefen Fehler. „Das war mein schlechtestes Spiel“, sagte er hinterher offen und ehrlich. „Das war ein Scheißtag von mir.“

Dabei fing es an wie immer: Lukas Hradecky, der stoische finnische Nationalkeeper, hielt sein Team im Spiel. Zweimal parierte er in der Anfangsphase hervorragend gegen Lars Stindl (10., 28.); ohne ihn wären die Frankfurter schon viel früher heillos in Rückstand geraten. Und dann segelte diese Freistoßflanke von Raffael in den Strafraum, Hradecky wollte die Kugel wegfausten, wurde aber vom eignen Mann, von Haris Seferovic, behindert. Der Ball landete direkt vor den Füßen von Stindl, der – mit ein wenig Glück – zur Führung traf. Eine bessere interne Abstimmung hätte diesen Treffer sicher verhindert.

Richtig schlecht sah der Schlussmann vor dem 0:2 aus, als er weit außerhalb seines Strafraums den Ball wegschlagen wollte, die Kugel aber nicht richtig traf. Und Raffael dann aus 34 Metern keine Mühe hatte, den Ball ins leere Tor zu heben. Auch beim dritten Gegentreffer sah der Ballfänger nicht glücklich aus, da schob Mahmoud Dahoud die Kugel an ihm vorbei ins kurze Eck. „Das war nicht das beste Timing von mir. Wir kamen hierher, um was zu holen“, sagte Hradecky.

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Vielleicht aber irrt er: Auch mit einem Hradecky in Hochform hätte die hasenfüßig auftretende Eintracht im Borussia-Park nichts Zählbares mitgenommen, dann wären die Treffer für die Gladbacher eben aus anderen Situationen heraus gefallen. Womöglich war es genau der richtige Zeitpunkt – wenn es den überhaupt gibt –, um Fehler zu machen. Nicht auszudenken, was passierte, würde der Schlussmann gegen Hannover 96 derart daneben greifen. „Vielleicht“, sagte er, „habe ich jetzt alle meine Fehler in diesem einen Spiel gemacht.“

Ohne ihn wäre es duster

Vorwürfe gab es aus der Mannschaft keine an den ansonsten tadellos haltenden Torhüter. Das wäre auch noch schöner. „Ich bin 1000-prozentig sicher, dass er im nächsten Spiel wieder der Alte ist“, sagte Kapitän Marco Russ. Und es spricht für Hradecky, dass er die Fehler nicht damit zu entschuldigen suchte, nach einem Hexenschuss in der vergangenen Woche nicht voll auf der Höhe gewesen zu sein. „Ich war fit.“

Ohne seine Paraden wäre Eintracht Frankfurt schon längst weit abgeschlagen. Ex-Trainer Armin Veh hat über ihn einmal gesagt, er sei einer der ganz wenigen Eintracht-Profis, der über eine Siegermentalität verfüge.

Und in den bisherigen Spielen hat sich Hradecky so gut wie keinen Wackler erlaubt. Dass der Torwart ausgerechnet in der entscheidenden Phase der Saison danebengreift, ist symptomatisch. Er war bislang als einziger praktisch ohne Fehler geblieben.

Aber Hradecky wäre nicht Hradecky, wenn er nicht schon nach vorne schauen würde. Die Partie am Samstag gegen den Tabellenletzten Hannover 96 sei „eine der wichtigsten der Saison. Da wird man eine andere Eintracht erleben und einen anderen Lukas.“ Da nimmt sich einer in die Pflicht. Andere könnten sich daran ein Beispiel nehmen. kil/dur

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