Lade Inhalte...

Eintracht Frankfurt In der eigenen Hilflosigkeit gefangen

Weshalb Trainer Veh immer stärker in der Kritik steht und die Eintracht immer tiefer in die Bredouille gerät. Manager Hübner spricht dem Coach das Vertrauen aus.

Trainer Armin Veh gerät immer stärker in die Kritik. Foto: dpa

Am frühen Sonntagmorgen ist Bruno Hübner an der Seite von Pressechef Markus Jestaedt in Frankfurt in den Flieger mit Ziel München gestiegen. Der Eintracht-Sportdirektor war zu Gast in der Fernsehsendung „Doppelpass“, und es gibt sicherlich angenehmere Situationen, als sich den Fragen von Ex-Profi Thomas Helmer und den sehr plakativ formulierten Einlassungen von „Experten“ wie dem früheren Eintracht-Spieler Thomas Berthold zu stellen. Hübner hatte keinen leichten Stand, zog sich aber, alles in allem, halbwegs achtbar aus der Affäre, auch wenn sich seine vielen Antworten doch ziemlich an der Oberfläche bewegten.

Eine Kernbotschaft ließ sich nur schwer ableiten: Viele Verletzte, befand Hübner, führten zur Schieflage, und auch die vielen Umstellungen etwa in der Viererkette. Das greift natürlich zu kurz. Trainer Armin Veh, sagte der Manager, genieße das Vertrauen der Verantwortlichen. „Wir glauben an ihn.“

Bruchhagen ist gefragt

Veh hat mit seiner Mannschaft auch am zurückliegenden Bundesligaspieltag keinen verloren gegangenen Kredit zurückgewinnen können, im Gegenteil. Nach dem 0:0 gegen den Hamburger SV treten die Hessen weiterhin auf der Stelle, die Stimmung ist noch schlechter geworden. Für die Anhänger steht der Schuldige an der Misere ohnehin fest: Armin Veh. „Die Stimmung ist ganz massiv gegen ihn“, sagte Hübner am Sonntag. Und doch, beteuerte er, hätte er die Entscheidung noch einmal so getroffen, den 55-Jährigen zurückzuholen. Das sehen nicht mehr alle so.

Für den Fußballlehrer wird die Luft dünner, das ist bei diesem Abschneiden, diesen tumben Leistungen und den vor der Saison aufgekommenen Erwartungen nur allzu logisch. Die Frage wird sein, ob die Verantwortlichen dem Coach bei weiteren Misserfolgen die Stange halten. Was bei einer Niederlage im folgenden Heimspiel gegen Schalke 04 am Sonntag (zur ungewohnten Anstoßzeit um 19.30 Uhr) passiert, ist offen. „Der Trainer wackelt nicht“, stellte Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing in der „FAZ“ klar. Genauso klar ist aber auch: Diese Entscheidung, und das haben die Gremien explizit abgesprochen, obliegt einzig und alleine Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportchef Hübner. Bruchhagen wich der Frage aus, ob nun eine Trainerdiskussion einsetze. „Der HSV ist keine Laufkundschaft“, antwortete er nur. Das muss nichts bedeuten, Bruchhagen ist keiner, der sich demonstrativ hinter einen Trainer stellt. Diese Usancen der Branche sind ihm zuwider.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Der 67-Jährige wird allerdings in seinen letzten Monaten als Klubchef keinen weiteren Abstieg verantworten wollen. Bruchhagen und Hübner müssen sich also bei anhaltendem Misserfolg die Frage stellen, ob sie es Armin Veh zutrauen, die Kurve noch einmal zu bekommen. Bisher stehen sie zu ihrem Trainer.

Die Lage der Hessen spitzt sich weiterhin zu, durch den Erfolg der TSG Hoffenheim gegen Mainz 05 ist der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz auf vier Punkte geschmolzen. Das ist nicht mehr viel, und der Trend spricht ebenfalls klar gegen die Frankfurter. Von den letzten drei Partien gegen die nicht als Schwergewichte bekannten Mannschaften aus Stuttgart, Köln und Hamburg holten sie genau einen Punkt. Das ist eine lausige Ausbeute. Gegen wen wollen die Hessen denn überhaupt noch gewinnen?

Das wirklich Alarmierende aber ist: Es ist gar keine Entwicklung zu sehen, es ist kein Aufbäumen erkennbar, die Mannschaft läuft in der Regel weniger als der Gegner, hat keinen Plan und keine Galligkeit, die Angst ist ihr steter Wegbegleiter, die Eintracht ist in ihrer eigenen Hilflosigkeit und ihrer Versagensangst gefangen. Und Trainer Veh hat nicht den richtigen Ansatz gefunden, die Blockaden zu lösen. Fußballerisch ist das einfach viel zu dünn und bieder. Es ist gar keine Idee vorhanden, wie man eigentlich zum Erfolg kommen will. Das hat gewiss mit der kollektiven Verunsicherung zu tun, doch das ist nicht die ganze Wahrheit.

Veh in der Falle

Die Angriffsbemühungen der Eintracht sind von erschreckender Harmlosigkeit, im Spiel nach vorne ist gar keine Bewegung,  da regiert nur die Statik. Erst Haris Seferovic konnte im zweiten Abschnitt gegen den HSV in diesen Einheitsbrei ein wenig in Bewegung bringen.

Es ist auch kaum mehr zu verstehen, weshalb Veh auf dasselbe System mit dem (fast immer) gleichen Personal setzt. Szabolcs Huszti kann mit seinem Alibi-Spiel keinen Gegner schrecken, Marc Stendera ist zurzeit nicht in Form. Alexander Meier spielt nicht mit, wenn er keine Tore schießt. Marco Fabian bemüht sich sehr, ist aber auch oft zu umständlich und Stefan Aigner, ja, er hat den vielen schlechten Spielen ein weiteres folgen lassen. „Unsere Leistungsträger spielen unter ihren Möglichkeiten“, sagte Hübner. Dafür trägt der Trainer die Verantwortung.

Veh ist in der Falle: Sein Vertrauen in die Reservisten wie Mijat Gacinovic, Luca Waldschmidt oder auch Constant Djakpa, Slobodan Medojevic oder Aleksandar Ignjovski ist begrenzt. Gacinovic etwa hat er nach der Vorbereitung explizit gelobt – und ihn dann noch 18 Minuten spielen lassen. Und so bleibt der fromme Wunsch, dass der Knoten doch irgendwann platzen wird und die Spieler wieder an das Leistungsvermögen heranreichen, das sie schon einmal nachgewiesen haben. Das ist zum Teil nachvollziehbar, doch ob das Prinzip Hoffnung im Abstiegskampf weiterhilft, ist die andere Frage.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum