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Eintracht Frankfurt Hoffnung auf ein bisschen Kredit

Eintracht Frankfurt spürt noch immer die Folgen der miserablen Vorrunde. Eine Woche vor dem Rückrundenauftakt ist klar: Die Mannschaft braucht Stabilität und ein Fundament, auf das sie sich zurückziehen kann.

Alles im Griff, oder nicht? Kaan Ayhan muss sich steigern. Foto: Jan Huebner

Ab und an erinnert sich der alte Fahrensmann Heribert Bruchhagen selbst heute noch an die Vorbereitung vor ein paar Jahren in Kärnten. Das liegt eine halbe Ewigkeit zurück, es war 2009, der Trainer hieß Michael Skibbe, doch die Zeit in Hermagor ist dem Vorstandschef der Frankfurter Eintracht deshalb so präsent, weil es eine Vorbereitung zum Fürchten war und weil er die Berichterstattung der Zeitungen bis heute nicht aus seinem Gedächtnis verbannen kann. „Sie“, sagte er im Lauf der Jahre mehrfach an die FR-Reporter gewandt, „Sie haben damals die Apokalypse ausgerufen.“

Das vielleicht nicht, aber in Frankfurt herrschte seinerzeit sehr wohl „Alarmstufe rot“, wie die FR schrieb. Die Hessen stolperten lausig durch die präsaisonale Phase, blamierten sich in den Testspielen bis auf die Knochen, verloren gegen NK Osijek aus Kroatien und FCU Timisoara aus Rumänien jeweils mit 0:3. Doch als die Spielzeit zwei Wochen später begann, da lief es plötzlich wie am Schnürchen: Nach fünf Spielen rangierte die Eintracht auf Rang vier mit neun Punkten, erst im siebten Spiel setzte es die erste Niederlage. Ein Auftakt nach Maß.

Vernichtendes Urteil

Nun weiß ein jeder seit Jahr und Tag (und nicht erst seit dieser Episode), dass Freundschaftskicks kaum Rückschlüsse auf die Bundesliga zulassen, ein Privatspiel ist kein Punktspiel, selbst ein Härtetest kein Ernstfall. Es sind Muster ohne Wert. Und genau deshalb hat sich Trainer Armin Veh nun über die Berichterstattung und die generelle Stimmung mokiert, ihn ärgert es maßlos, dass die bisherige „sehr gute Vorbereitung“ seiner Mannschaft quasi ad absurdum geführt werde, weil sein Team vor ein paar Tagen in Dubai mit 0:4 gegen Borussia Dortmund unterlag. Das mag sein, und doch ist es normal, dass eine solch schlappe Leistung die Vorbereitung in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Das Dortmund-Spiel führte aber in erster Linie recht eindrucksvoll vor Augen, dass die Mannschaft und das Trainerteam nach der miserablen Vorrunde kaum Kredit haben – vor allem im sogenannten Umfeld. Daran haben auch der Neustart nach den kurzen Winterferien und drei neue Spieler nichts geändert. Dieser eine, fürwahr schwache Auftritt reichte, um das gedeihende Pflänzchen Hoffnung auf eine bessere Zeit, auf eine kleine Renaissance zu zertreten. Wer sich in den sozialen Netzwerken umschaut, der meint, die Eintracht sei nur noch durch ein mittelgroßes Wunder zu retten. Da wird ein ziemlich vernichtendes Urteil gefällt.

Man muss festhalten, dass der Gegner Borussia Dortmund sicherlich nicht klug gewählt war, die Wahrscheinlichkeit, ordentlich auf die Mütze zu bekommen, war sehr groß, weil der BVB neben den Bayern in einer anderen Liga spielt und der Spielstil der Borussia der Eintracht überhaupt nicht behagt. Dieser Testkick war ein Stimmungskiller. Sportliche Aussagekraft hat er indessen kaum, zumindest nicht für den Abstiegskampf. Die Kellerkinder haben nämlich eine andere Kragenweite, eher die der Eintracht. Das Veh-Ensemble kann es am Ende auch erwischen, weil es keinesfalls so gut ist, um locker dort unten herauszuspazieren, aber es ist auch nicht schlechter als die anderen Konkurrenten.

Die Frankfurter müssen vielmehr schauen, dass sie ihre verschüttgegangenen Stärken wieder ausgraben, sie müssen kompakt stehen, ohne die Durchschlagskraft nach vorne zu verlieren. Die Mannschaft braucht Stabilität und ein Fundament, auf das sie sich zurückziehen kann. Hört sich einfach an, ist es aber eher nicht. Danach haben die Hessen fast die gesamte Vorrunde gesucht.

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Das Team benötigt vor allem eine klare Linie, eine Idee, wie es Angriffe initiieren will und ein Offensivspiel aufgezogen werden soll. Es braucht ein einheitliches Spielsystem, jeder Spieler muss wissen, was von ihm in welcher Situation verlangt wird. In Krisenzeiten ist eine feste Grundordnung mehr wert als die oftmals so gepriesene taktische Flexibilität. Veh hat sich auf ein 4-2-3-1-System festgelegt. Das ist keine schlechte Idee, mit diesem System sind die Frankfurter quasi groß geworden, mit ihm waren sie am erfolgreichsten.

Und die Eintracht muss, das ist nicht neu, ihre Leistungsträger ins Laufen bekommen. Stefan Aigner auf Rechtsaußen ist da auf einem ganz guten Weg. Auch Makoto Hasebe und Alexander Meier sind auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Andere wie Carlos Zambrano und Haris Seferovic kämpfen sich nach Verletzungen erst wieder ans Team heran. Stefan Reinartz, einst von Veh als Quarterback gepriesen, ist außen vor, bei ihm besteht der Verdacht einer Schambeinentzündung. Wann er zurückkehrt, ist offen. In Vehs Planungen spielt er erst mal keine Rolle. Bastian Oczipka oder Timothy Chandler stecken weiterhin in einem Formtief. Es sind gerade die beiden Außenverteidigerpositionen, die Kopfzerbrechen bereiten.

Links und rechts hapert es

Rechts hinten ist noch immer keine Lösung gefunden. Chandler hat große Probleme im Stellungsspiel, auch seine Abspiele und Flanken sind schlampig. Aleksandar Ignjovski ist einen Schritt weiter, aber er verhaspelt sich vor lauter Übereifer nicht selten. Auf der anderen Seite könnte Oczipka mal eine Verschnaufpause gebrauchen, doch sein Backup drängt nicht wirklich ins Team: Constant Djakpa hat in kaum einem Spiel und auch nur selten im Training nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht.

Und die Neuen? Da bleibt es dabei: Szabolcs Huszti dürfte eine Verstärkung werden, auch seine Standards könnten so manch wichtigen Punkt bringen. Marco Fabian und Kaan Ayhan haben indes kaum Eindruck hinterlassen, für sie wird zunächst die Ersatzbank bleiben.

Die Arrivierten müssen also erst einmal die Kastanien aus dem Feuer holen und Kredit zurückgewinnen. Ein Sieg zum Rückrundenauftakt gegen Wolfsburg wäre kein schlechter Anfang.

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