Lade Inhalte...

Eintracht Frankfurt Höhere Dichte in Breite und Spitze

Eintracht Frankfurt verfügt über einen qualitativ höherwertigen Kader, was unweigerlich zu einigen Härtefällen führt.

Hasebe, da Costa, Russ
Weißes Bollwerk: Makoto Hasebe, Danny da Costa und Marco Russ stehen ihren Mann. Foto: Heiko Rhode

Der fleißige und druckvolle Frankfurter Rechtsverteidiger Danny da Costa dient für Niko Kovac als eine Art Sinnbild, als lebendes Beispiel dafür, wie viel man mit Beharrlichkeit, Willen und Einstellung herausholen kann. Vor einigen Wochen galt der 24-Jährige nämlich noch als Hinterbänkler mit wenigen Chancen, sich in den Fokus zu spielen. Da Costa saß meistens auf der Tribüne, ab und an mal auf der Ersatzbank. Er hat sich nie hängen oder runterziehen lassen, auch von einem Sehnenriss im Oberschenkel nicht, er hat einfach weiter gemacht, hart gearbeitet und den Glauben nie sinken lassen. 

Kurz vor Weihnachten machte der von Bayer Leverkusen gekommene Abwehrspieler schon einmal zaghaft auf sich aufmerksam, als er im Pokalspiel in Heidenheim eingewechselt wurde und das Goldene Tor durch Sebastien Haller wunderbar vorbereitet hat. Und am Samstag nach dem 4:2-Erfolg gegen den 1.FC Köln lobte Trainer Kovac seinen einstigen Backup: „Danny war für viele gar nicht mehr richtig da, jetzt ist er voll da. Er hat eine Top-Leistung gezeigt.“ 

„Keiner wird fallen gelassen“

Genauso wie Marco Russ, den kaum einer mehr auf der Rechnung hatte und der jetzt gegen Mainz und Köln zwei bärenstarke und in dieser Qualität vielleicht nicht unbedingt zu erwartende Leistungen zeigte. „Es wird niemand fallen gelassen“, sagte Coach Kovac grundsätzlich. „Wir haben jeden auf dem Plan.“ Die Spieler dürften sich nur nicht zurückziehen oder dauerhaft Frust schieben. Wenn sie am Ball blieben, im Training an sich arbeiteten, zeigten, dass sie in die Mannschaft wollen und um ihren Einsatz kämpften, „dann werden sie irgendwann ihre Chance bekommen, und dann müssen sie da sein.“ 

Man kann aber auch recht schnell einiges verspielen: Marc Stendera hat zum Rückrundenauftakt gegen den SC Freiburg einen eher unglücklichen Kurzauftritt gehabt – und es seitdem nicht einmal mehr in den Kader geschafft. Ähnliche Erfahrungen haben auch Aymen Barkok und Danny Blum gemacht. Alle drei standen gegen Köln nicht im Aufgebot, genauso wie Branimir Hrgota, Taleb Tawatha und Daichi Kamada. „Ich weiß, wie schwer das für die Jungs ist“, sagte Kovac. „Ich bin ja in erster Linie Mensch, habe durchaus Empathie und Gefühle. Doch leider ist das Geschäft wie es ist.“ Auf Einzelschicksale kann der 46-Jährige keine Rücksicht nehmen, er muss das große Ganze im Blick haben. Es ist seine Aufgabe, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Sie gehören einfach dazu. „Es ist eine Qualität, dass wir Spieler mit dieser Qualität zu Hause lassen müssen“, urteilte Kovac. 

Für die betreffenden Spieler, gerade für Stendera, Barkok oder Hrgota, ist so eine Nichtberücksichtigung sicherlich hart und aus ihrer Binnensicht wahrscheinlich nicht immer zu verstehen. Doch sie sollten nicht den Fehler machen, sich ins Schneckenhaus zurückziehen, denn sonst würden sie sich beim gestrengen Trainer ein klassisches Eigentor schießen. 

Kovac steht Woche für Woche vor kniffligen Entscheidungen, das betrifft auch die erste Elf und die Besetzung der Bank. In der vergangenen Woche mit drei Spielen in sechs Tagen hat der Fußballlehrer ordentlich rotiert, das kann er sich sogar erlauben, ohne einen signifikanten Qualitätsabfall befürchten zu müssen. 

Hochkaräter sitzen draußen

Am Samstag konnte er es sich sogar leisten, fünf Nationalspieler, nämlich Marco Fabian, Carlos Salcedo (beide Mexiko), Mijat Gacinovic (Serbien), Gelson Fernandes (Schweiz) und Jetro Willems (Niederlande) sowie den mit Abstand besten Torschützen, Sebastien Haller (acht Tore), auf der Ersatzbank zu lassen – trotzdem stand da eine richtig gute Mannschaft auf dem Platz. Selbst Mijat Gacinovic, der eigentlich immer gespielt hat, schaffte es nicht in die Startformation. Und Marco Fabian, bei dem viele mit einem Startelf-Comeback rechneten, durfte nicht eine einzige Minute mitspielen. 

Das hat eben auch damit zu tun, dass die Fußballer, die vor einiger Zeit noch weit weg vom Team waren, mächtig aufgeholt und sich verbessert haben. „Wenn man sich anschaut, wer da auf der Bank saß, dann sieht man, wie wichtig es ist, eine gute Breite zu haben“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. Jeder Spieler kämpfe in jedem Training um seinen Platz, und nur so könne man sich gegenseitig zu Höchstleistungen pushen. „Alle, die reinkamen, haben ihre Sache sehr gut gemacht.“ 

 

Neben Marco Russ und Danny da Costa erwähnte Bobic auch noch Luka Jovic, der im Sturm eine echte Alternative zu Sebastien Haller geworden ist. „Die Vorbereitung zum 1:0 war überragend“, lobte der Sportchef. Jovic trauen nicht wenige zu, den Franzosen Haller zu ersetzen, falls dieser den Verein für viel Geld verlassen sollte. Das sagte Sportdirektor Bruno Hübner erst vor wenigen Tagen im FR-Interview. „Klar ist, dass Luka außergewöhnliche Fähigkeiten hat.“ Für ihn müsste die Eintracht in eineinhalb Jahren rund zwölf Millionen Euro an Benfica Lissabon überwiesen. 

Nach der Erfahrung aus der Vorsaison und dem Einbruch in der Rückrunde war es das erklärte Ziel, sich breiter aufzustellen, damit man Formschwankungen und Verletzungen besser wegstecken könne. Dieser Plan ist aufgegangen, die Dichte in der Breite hat zugenommen – und auch in der Spitzer ist sie höher geworden. Da die Eintracht kaum Verletzte zu beklagen hat, führt das zu einer Qualitätssteigerung – und unweigerlich zu einigen Härtefällen. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen