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Eintracht Frankfurt Henni Nachtsheim hat Spaß

Eintracht Frankfurt macht dem Comedian Henni Nachtsheim von Badesalz im Augenblick richtig Freude. Auch weil die Zementierungstheorie von Klubchef Bruchhagen vielleicht doch nicht stimmt.

Kritischer Beobachter mit rotschwarz gestreiftem Herz: Henni Nachtsheim. Foto: Pressefotografie Storch, Bad Hg.

Neulich, es war im Spiel gegen Borussia Dortmund, ist Hendrik Nachtsheim daheim völlig durchgedreht. Er konnte es kaum fassen, was sich da abspielte im Stadion, nicht nur in den fünf, sechs verrückten Minuten nach der Pause, als die Eintracht aufdrehte und zwei blitzsaubere Tore schoss gegen den deutschen Meister. Tränen in den Augen hatte Nachtsheim, bildlich gesprochen, logisch, aber es war ja auch zu schön, und dann flogen die SMS nur so hin und her. Ein paar Tage später hat der Mann mit dem besonderen Humor eine Karte eines befreundeten Musikers erhalten, „herzlichen Glückwunsch zu Eurem Trainer Armin Veh“, stand da drauf.

Da war der Henni richtig stolz auf seinen Verein. Sein Verein. Das ist die Eintracht ? und die macht Spaßmacher Henni Nachtsheim richtig Spaß.

Henni Nachtsheim ist ja nicht nur ein in Deutschland weltbekannter Comedian und die eine Hälfte des Duos Badesalz. Henni Nachtsheim ist ja auch bekennender, glühender, kompromissloser, beinharter Eintracht-Fan. Schon immer (obwohl er einst ins Waldstadion pilgerte, um Wolfgang Overath spielen zu sehen).

"Ein scheißgutes Gefühl"

Er hat einen Song geschrieben, nämlich Herz rotschwarz gestreift („he Greeschor“), und mit Gerd Knebel den berühmten Sketch über Anthony Sabini („Weißte, wenn man erstma so 'n Zebra mit de Hand gefange hat, ne, da biste fit, ne“), und er hat zwei Bücher mit eigenen Kolumnen über die Eintracht veröffentlicht.

Nachtsheim, der gebürtige Wuppertaler, weiß also, von was er spricht. Er sagt: „Vielleicht erleben wir gerade den Beginn einer Epoche.“ Der 55-Jährige ist richtig, richtig angetan von seiner Mannschaft. „Ich bin total begeistert vom Team.“ Und das von Anfang an, schon als die meisten Fachleute noch warnend den Finger hoben, und an der Qualität der geholten Spieler sachte zweifelten. „Ich habe ein scheißgutes Gefühl, selbst nach dem Pokal-Aus in Aue. Ich habe ein Ur-Vertrauen in Armin Veh“, sagt die andere Badesalz-Hälfte.

Es herrsche jetzt eine schöne Stimmung in der Stadt. „Und wenn wir jetzt noch Hannover 96 schlagen, übrigens eine der stärksten Mannschaften in der Liga, dann wäre das ein Meilenstein für diese Saison.“ Dann bliebe der Verein seines Herzens erst einmal eine lange Weile oben. So eine Aussicht genießt der prominente Eintracht-Fan.

Was Nachtsheim auch diebisch freut: Vielleicht hat ja Heribert Bruchhagen doch nicht recht. Der Vorstandsvorsitzende ist ja in die Annalen eingegangen durch seine These, wonach alles zementiert sei in der Bundesliga, man müsse sich lediglich die Etats anschauen, dann wisse man im Groben, wie die Saison verlaufe. Ein Aufbrechen dieser quasi von Gott gegebenen Ordnung sei schlechterdings unmöglich.

Vorbild: Klopp und der BVB

Wer weiß, sagt der Rödermarker, vielleicht „ist ja doch nicht alles in Stein gemeißelt.“ Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach, zumindest in der letzten Runde, seien doch gute Beispiele, dass es doch einen anderen Weg gibt. „Vielleicht ist das der Trick dabei: unbekannte Spieler entdecken und fördern.“ So wie das Jürgen Klopp in Dortmund mit Kagawa, Götze und Großkreutz gemacht habe. „Wer kannte die denn vorher?“

Henni Nachtsheim, der Lothar Matthäus wegen seines Tritts gegen den Knöchel von Jürgen Grabowski und die ausbleibende Entschuldigung einst öffentlich als „Arsch“ bezeichnete, wünscht sich auch eine Mannschaft, die mal über eine längeren Zeitraum zusammenbleibt, also „ich will, dass Rode verlängert und Jung bleibt und dass die Eintracht endlich eine ordentliche Rolle spielt. Denn mal ehrlich: Mich hat die letzte Zweitliga-Saison genervt. Mich hat dieser endlose Fünfkampf genervt. Ohnehin glaube ich, dass die Geduld der Fans mit Eintracht Frankfurt in der zweiten Liga aufgebraucht ist.“

So furchtbar viel Zeit, die Eintracht live zu erleben hat der beliebte Comedian im Augenblick nicht. Derzeit arbeitet Hendrik Nachtsheim an den letzten Seiten seines neuen Buches „Dollbohrer“. Darin geht es um „unveröffentlichte Kapitel der Weltliteratur“, Nachtheims „Herr der Ringe“ spielt etwa in einem Baumarkt, die „Lolita“ ist ein zänkisches Frankforder Mädsche, das einem uralten Häuptling die Ohren blutig babbelt. Daneben probt er derzeit mit Rick Kavanian (Bully Parade, Schuh des Manitu), beide gehen demnächst auf eine vierwöchige Tournee. Dazu wird auch ein Hörbuch herausgebracht. Schließlich kommt am 26. Oktober die neue DVD von Badesalz auf den Markt, aufgezeichnet im Bürgerhaus Sprendlingen, „unserem Wohnzimmer“.

Auszeit von Badesalz

Zwei Jahre waren Gerd Knebel und Nachtsheim mit „Bindannda“ auf Tour, fast immer vor ausverkauften Häusern. Jetzt legt das Komiker-Duo erst einmal eine schöpferische Pause ein, ein knappes Jahr wollen sich die beiden rar machen. „Wir wollen nicht überreizen.“ Nachtsheim braucht immer mal wieder Auszeiten von Badesalz, da widmet er sich etwa Soloprojekten und veröffentlicht eigene Songs („Es wird Zeiten geben“ und „dann tanzt die Omma mit George Clooney“).

Immerhin gibt es Badesalz seit beinahe 30 Jahren, solange ist es her, dass Nachtsheim, einst Sänger und Saxofonist bei den Rodgau Monotones, und Gerd Knebel, Sänger bei der Gruppe Flatsch, zusammenfanden. Damals, in den frühen 80-er Jahren, wollte der junge Henni noch Sportjournalist werden. Bei der Frankfurter Neuen Presse stand er kurz vor dem Volontariat, dann aber ging die andere Karriere los. Doch so ganz vom Artikel-Schreiben hat Henni Nachtsheim nicht lassen können. Für die Gießener Allgemeinen Zeitung veröffentlicht er regelmäßige Kolumnen über die Eintracht, die bislang in zwei Büchern veröffentlicht wurden. Ein drittes, womöglich über die Rückkehr der Eintracht ins internationale Geschäft, wäre keine große Aufgabe für ihn.

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