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Eintracht Frankfurt Grandiose Rückkehr zu alter Stärke

Nach vielen Wochen im Tief trumpft Sebastian Rode groß auf und führt die Eintracht mit einer famosen Leistung Richtung Europa.

Sebastian Rode: Gegen Düsseldorf immer einen Schritt voraus. Foto: S. Krieger

Nach der fußballerischen Wiederauferstehung sollte Sebastian Rode möglichst plausibel erklären, wie er nun, da die lange Saison auf die Zielgerade einbiegt, noch solch eine Energieleistung aus seinem schmächtigen Körper kitzeln könne. Rode, das Powerbündel im Mittelfeld der Frankfurter Eintracht, lächelte, wie er so oft lächelt, wenn er seine Sätze einleitet, und folgerte schließlich knochentrocken: „Es ist immer noch eine Steigerung möglich.“ Das mag stimmen, auf diesen Auftritt am Samstag traf die Aussage jedoch nicht zu: Denn an jenem Nachmittag ging nicht mehr: mehr Wille, mehr Power, mehr Bereitschaft und mehr Intensität ist kaum mehr möglich. Da waren alle Parameter der Skala auf Anschlag gestellt. „Fürs Ende der Saison war es ganz okay“, schmunzelte der 22-Jährige. Das war natürlich maßlos untertrieben.

Rode bot gegen die schwachen Fortunen eine famose Vorstellung, in fast allen statistischen Erhebungen rangierte der Südhesse vorne: Er gewann die meisten Zweikämpfe (15), hatte die meisten Ballkontakte (beeindruckende 110), er spielte die mit Abstand meisten Pässe (83, bei nur sieben Fehlpässen), er war an jeder Ecke und an jedem Ende des Spielfelds zu finden, obwohl er „nur“ 11,2 Kilometer lief. Das ist ein guter, aber kein Spitzenwert. Aber es ist die Intensität, mit der Rode seine Kilometer abreißt, die den Unterschied macht. Fast jeder Sprint, fast jeder seiner 65 intensiven Läufe (auch hier Spitze) mündete in einem Zweikampf, einer Rettungstat oder einem Pass zum Mitspieler. Rode war omnipräsent, überall zu finden, manchmal schien es, als flitzten da zwei, drei Semmelblonde mit der Nummer 20 auf dem Rücken über das Feld. Der Antreiber initiierte auch fast alle Angriffe, holte sich hinten die Bälle ab und eröffnete das Spiel.

Er machte das nicht eindimensional, streute in seine kurzen Flachpässe auch immer wieder mal lange Diagonalbälle, auch seine Pässe in die Schnittstelle der Abwehrkette kamen mit erstaunlicher Präzision. Rode war Abräumer, Taktgeber und Spielmacher in einem. Im FR-Klassenbuch schaffte er es in die Kategorie Primus, in dieser Rubrik werden nur Spieler geführt, die Außergewöhnliches geleistet haben. Dass der Mann aus Alsbach-Hähnlein gegen Düsseldorf zum Primus gekürt wurde, ohne ein Tor geschossen oder vorbereitet zu haben, sagt alles über seine phänomenale Darbietung. Von einem eigenen Torerfolg ist er weiterhin ein gutes Stück weit entfernt, an Schusstechnik und Abschlussstärke wird er noch gewaltig arbeiten müssen.

Lob vom Trainer

„Das war richtig gut, richtig stark“, lobte Trainer Armin Veh seinen Musterschüler. Rode, das ist das vielleicht größte Kompliment, spielte so wie in der glorreichen Hinrunde, als sein Bundesliga-Stern am Fußball-Firmament aufging. „Wir haben endlich wieder so Fußball gespielt, wie wir es können“, sagte er. Er meinte natürlich die Mannschaftsleistung, hätte aber genauso gut nur für sich sprechen können.

Die Rückkehr zu alter Stärke ist kein Zufall, langsam, ganz langsam war Sebastian Rode in den vergangenen Wochen aus seinem fast schon monatelang andauernden Tief geklettert, gegen Schalke schon zeigte seine Formkurve nach oben, auch gegen Mainz zählte er zu den besseren Spielern ? nun krönte er seinen Aufwärtstrend. Für Trainer Veh ist Rodes Fahrt durchs Wellental ein Teil eines Entwicklungsprozesses: „Was ja oft vergessen wird: Seppl ist ja noch ein junger Spieler, gerade mal 22. Da ist es klar, dass er mal in ein Loch fällt.“ Aber gerade in solchen Schwächephasen zeigt sich der Charakter eines Spielers, Rode hat nicht locker gelassen und sich am eigenen Schopf aus der persönlichen Misere gezogen. „Von seinem Können hat er es drauf. Und Willen hat er ja sowieso“, urteilte Veh.

Der neuerliche Aufschwung der Eintracht hängt nicht nur, aber auch mit dem stark verbesserten Sebastian Rode zusammen. Das ist so simpel wie logisch: Je mehr Spieler in die Nähe ihrer Bestform kommen, desto besser wird die Gesamtleistung. Gegen Düsseldorf spielten auch Alexander Meier, Sebastian Jung, Stefan Aigner oder Srdjan Lakic gut oder zumindest sehr ordentlich. Es scheint, als bekomme die Eintracht auf den letzten Metern die zweite Luft.

Unklarheit über die Höhe von Schweglers Ausstiegsklausel

Und speziell Rode profitiert natürlich auch von der guten Form seines Nebenmannes Marco Russ, der am Samstag noch ein paar 100 Meter mehr abspulte als Rode und ein verlässlicher, hart rackernder Partner im defensiven Mittelfeld ist. Russ macht den verletzten Kapitän Pirmin Schwegler zurzeit vergessen. Die Gerüchte, wonach der Schweizer nach Wolfsburg wechseln soll, halten sich hartnäckig. Wie jetzt zu vernehmen war, liegt die festgeschriebene Ablösesumme für Schwegler nicht bei sieben Millionen Euro, sondern lediglich bei 2,5 Millionen. Das zahlt der VfL aus der Portokasse.

Womöglich ist Rode auch deshalb wieder auf dem aufsteigenden Ast, weil er im Kopf befreiter ist, nachdem vor gut zwei Wochen herauskam, dass er der Eintracht mitgeteilt hat, ab 2014 andere Pläne zu haben. Alle Insider gehen davon aus, dass Rode mit dem FC Bayern München bereits handelseinig ist. Das wiederum bedeutet auch, dass er entweder noch ein Jahr in Frankfurt spielen oder schon im Sommer gegen die Zahlung einer moderaten Ablösesumme (zwischen drei und Millionen) zu den Bayern wechseln wird. Alle anderen Interessenten, und davon gab es einige, haben aufgrund dieser Konstellation von einem möglichen Transfer Abstand genommen. Rode schafft es momentan, sich nur auf das Erreichen des großen Ziels, der Qualifikation für den Europapokal, zu konzentrieren. „Wir können das jetzt erst mal genießen“, sagte er nach dem Erfolg über Düsseldorf. An dem hatte der erstarkte Sebastian Rode ziemlich großen Anteil.

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