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Eintracht Frankfurt Gerangel zum Wohle der Eintracht

Der Frankfurter Bundesligist hat eine neuen Konkurrenzsituation geschaffen – das muss nicht schlecht sein.

Gute Haltungsnoten für den Stammspieler a. D.: Haris Seferovic zeigt im Training den nötigen Einsatz. Foto: Stefan Krieger

Es ist nicht zu erwarten, dass Eintracht Frankfurt in den kommenden Tagen einen weiteren Spieler präsentieren wird. Vereins- und vertragslose Fußballer ließen sich zwar noch immer schnell mal einfangen und binden, aber das scheint doch etwas unrealistisch. Das muss an dieser Stelle mal erwähnt werden, weil der Bundesligist aus dem Hessischen seinen Kader mit fünf Mann ja doch mächtig aufgepumpt hat in der Transferperiode. Nur Hannover 96 hat noch mehr neue Profis geholt, deren sechs.

Nicht alle Zugänge waren wirklich so geplant, die letzten beiden aus Berlin (Yanni Regäsel und Änis Ben-Hatira) fielen den Frankfurtern irgendwie zu. Die Eintracht hat sich, das muss man jetzt, da die Aktivitäten abgeschlossen sind, konstatieren, neu aufgestellt im Winter. Der viel besungene Reset-Knopf ist tatsächlich gedrückt worden. Durch die fünf Neuen hat Trainer Armin Veh eine neue Konkurrenzsituation in seinem Kader geschaffen.

Der Druck auf die einzelnen Spieler wird höher, bis auf wenige Ausnahmen (Alexander Meier, Marc Stendera, Carlos Zambrano) hat keiner seinen Platz sicher. Kein Akteur sollte meinen, automatisch zur ersten Elf zu zählen, nur weil das vorher so war. Es kann ein Vorteil sein, ein bisschen mehr Reibung erzeugt zu haben, etwas mehr Kampf um die Positionen sollte nicht schaden. Das Geschacher kann Höchstleistungen fördern.

Gerade in der Offensive sind die Karten neu gemischt worden, dort herrscht die höchste Dichte an Spielern, die um einen begehrten Startplatz kämpfen. Mit dem jetzt hinzugekommenen Änis Ben-Hatira hat das Gerangel noch einmal zugenommen. Für die fünf offensiven Stellen bewerben sich acht, neun Spieler, da bleiben Härtefälle nicht aus.

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Ein prominentes Opfer ist Haris Seferovic, der nicht nur wegen seines Egotrips ins Hintertreffen geraten ist. Bis vor wenigen Wochen galt es als undenkbar, dass ausgerechnet der Schweizer Nationalstürmer durch den Rost fällt. Doch so ist es gekommen, und man muss erkennen: In der Mannschaft scheint für den 23-Jährigen momentan kein Platz zu sein – zumindest nicht auf seiner angestammten Position im Sturmzentrum.

Vehs Spagat

Zwei Spitzen wird Armin Veh erst einmal nicht mehr aufbieten, und weil an Alex Meier ganz vorne und Marco Fabian dahinter (wo ansonsten Meier spielen würde) kein Weg vorbeiführt, muss Seferovic auf seine Chance warten. Die könnte jedoch schneller kommen als gedacht.
Für die morgigen Partie gegen den VfB Stuttgart (15.30 Uhr), für die bisher lediglich 40 000 Eintrittskarten abgesetzt wurden, könnte gar noch ein zusätzlicher Offensiver auf dem linken Flügel zum Einsatz kommen, dann nämlich, wenn sich Veh dazu entscheidet, Szabolcs Huszti als zweiten „Sechser“ neben Marc Stendera zu installieren. Und da könnte Seferovic ins Spiel kommen. Zwar nicht auf seiner Lieblingsposition, doch auch links müsste er nach den Vorkommnissen zuletzt und der öffentlichen Rüge eine Reaktion zeigen. Im Training ist er fleißig, lässt sich nicht hängen, nach den Einheiten feilt er neuerdings sogar noch an seinem Torschuss.

Ob schon die Stunde des erst am Montag geholten Änis Ben-Hatira schlagen wird? Eher unwahrscheinlich scheint nach den Trainingseindrücken, dass Mijat Gacinovic eine Bewährungschance erhält. Der Serbe war der Gewinner der Vorbereitung, spielte zuletzt aber keine große Rolle, weil sich Stefan Aigner auf dem rechten Flügel berappelt hat und auf dem Weg zu alter Stärke ist.

Auch Aigner ist so ein Beispiel für die verschärfte Situation im Aufgebot. Vor dem Rückrundenauftakt schien es so, als würde er seinen Platz an den jungen Herausforderer verlieren. „Gacinovic ist zehnmal agiler“, hatte Veh nach dem Test gegen Braunschweig gestichelt. Aigner hatte kapiert. Gegen Wolfsburg bereitete er zwei Tore vor, in Augsburg gehörte er gerade im zweiten Abschnitt zu den absoluten Aktivposten. Angriff der Konkurrenz abgewehrt.

Trainer Veh hat die Zügel angezogen, er spürte schon im alten Jahr, dass die Mannschaft eine andere Ansprache braucht, eine kürzere Leine, ab und an auch mal einen Schuss vor den Bug. Den kann es dann, wenn es intern nicht fruchtet, auch schon mal öffentlich setzen. Veh hat den Spagat geschafft, seine Spieler härter anzupacken, die Mannschaft aber nicht zu verlieren. Das ist gar nicht so einfach.

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Die Eintracht scheint, bei aller Vorsicht, stabiler als in der Vorrunde, da ist mehr Zug und Dampf drin. Der Wille, sich zu behaupten und aufzulehnen, scheint größer als zuvor – zumindest, wenn man die beiden zweiten Halbzeiten gegen Wolfsburg und Augsburg zum Maßstab nimmt. Zudem ist mehr spielerische Klasse im Team, gerade durch Fabian und auch Huszti; etablierte Spieler wie Meier, Aigner und Zambrano sind außerdem klar formverbessert.

Ungeheuer eng

Das ist wichtig, denn im Abstiegskampf geht es ungeheuer eng zu. Die Eintracht liegt mit 21 Punkten (genauso wie drei weitere Teams) zwei Zähler vor dem Relegationsplatz, auf dem Werder Bremen mit 19 Punkten rangiert. Der Vorsprung zum ersten Abstiegsrang (TSG Hoffenheim) beträgt indes schon satte sieben Zähler, der Rückstand zum VfL Wolfsburg auf Rang sieben deren sechs. Die Liga liegt in der Mitte eng beisammen. Da tummeln sich viele Teams mit ähnlicher Qualität. Kleinigkeiten entscheiden dann über Sieg und Niederlage, Klassenerhalt und Abstieg, Europa-League-Träumerei oder Niemandsland: Tagesform, Selbstvertrauen, Spielglück, Ruhe im Verein, auch die Nachkäufe.

Für die Eintracht haben die Wochen der Wahrheit begonnen, in denen sich der weitere Weg entscheiden kann: In den nächsten vier Spielen treten die Frankfurter dreimal zu Hause an, gegen Stuttgart, Hamburg und Schalke. Dazwischen liegt die Partie in Köln. Lösbare Aufgaben, aber ebenso schwierige Aufgaben. Da wird sich beweisen, wie stabil die Hessen in Wahrheit sind.

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