Lade Inhalte...

Eintracht Frankfurt Frustrierter Rönnow, glücklicher Trapp

Eintracht Frankfurt holt im letzten Moment Kevin Trapp zurück, weil es am Vertrauen in den eigentlichen Stammtorhüter Frederik Rönnow mangelt.

Kevin Trapp
Kevin Trapp kehrt ins Frankfurter Tor zurück. Foto: dpa

An dieser Stelle hätte eigentlich, wie gewohnt, ein ausführliches Interview mit dem Frankfurter Torwart Frederik Rönnow stehen sollen. Es war fix und fertig, transkribiert, autorisiert, ellenlang, eine ganze Doppelseite füllte es, mehr als 300 Zeilen. Der dänische Nationaltorwart lachte oft während des Gesprächs mit der FR, entpuppte sich als freundlicher, offener, intelligenter Mann mit hintergründigem Humor.

Rönnow, 26, sprach über seine Kniebeschwerden, die ihm am Anfang zu schaffen gemacht und zurückgeworfen haben, über seinen denkbar trüben Start gegen die Bayern und seine Nehmer- und Steherqualitäten. „Klar, es war ein harter Start für mich gegen Bayern, aber da muss man halt wieder aufstehen. Das habe ich, denke ich, auch getan. Es geht halt auch darum, dass man dann zeigt, wer man ist und dass man sich davon nicht aus der Bahn werfen lässt“, sagte der Keeper. Und weiter: „Fußball ist für mich eine Herausforderung. Man muss sich gerade dann zeigen, wenn die Zeiten schwierig sind. Mir war gleich klar, dass ich beweisen muss, auch mir selbst, dass ich es besser kann.“ 

Das hat er. Beim 2:0-Sieg in Freiburg zeigte er eine rundweg solide Leistung. „Danach hatte ich ein gutes Gefühl. Das hat mich ungemein gefreut.“ Das war am Mittwoch, und Frederik Rönnow strahlte Optimismus und Zuversicht aus, er werde seinen Weg schon gehen und das Abenteuer Bundesliga bewältigen können. Nur einen Tag später war alles anders. 

Misstrauensvotum gegen Rönnow

Denn da wurde bekannt, dass die Eintracht seiner Gesundheit nicht in dem Maße vertraut, wie es sein müsste, um ihn als unangefochtene Nummer eins in die schwierige und lange Saison zu schicken. Am Donnerstag finalisierte der Verein nämlich die Verhandlungen mit dem alten und neuen Frankfurter Torwächter Kevin Trapp. Das kann man nicht nur, das muss man als Misstrauensvotum gegen den für nicht eben wenig Geld aus Kopenhagen zur Eintracht gekommenen Rönnow interpretieren. Für den netten Mann aus Horsens ist das natürlich der ultimative Tiefschlag. Das kann einem schon mal vorübergehend den Boden unter den Füßen wegziehen. 

Zumal Rönnow ein reflektierter, ruhiger Zeitgenosse ist, kein Dampfplauderer oder Hansdampf in allen Gassen. „Ich bin ein Mensch, der eher nachdenkt, bevor er handelt“, betonte er. Dass das in der Branche nicht immer von Vorteil ist, das weiß der Schlussmann nur zu gut. „Im Fußball ist es manchmal besser, weniger nachzudenken. Aber ich bin nicht der Typ, der irgendwo hinkommt, die Tür aufschlägt und sagt: ,Okay, hier bin ich.‘ Ich halte mich anfangs eher zurück, beobachte viel und schaue, wie die Dinge laufen.“

Umso bitterer ist die spektakuläre Wendung, die er nun erleben muss. Zumal er den Schritt ins Ausland lange vorbereitet hat. Schon vor einem Jahr hatte die Eintracht Interesse, „weil nicht ganz klar war, ob Lukas Hradecky bleiben oder gehen würde“, sagte Rönnow. Zwölf Monate später hat es geklappt. „Ich wusste, dass ich die Chance wahrnehmen möchte.“

Und er hatte sich akribisch vorbereitet. „Alle bürokratischen Dinge, die nichts mit Fußball zu tun hatten, habe ich schon vorher erledigt. Ich wollte mich vom ersten Tag an voll auf den Fußball konzentrieren können.“ Sogar deutsche Lehrbücher hatte der Nationalspieler zur WM nach Russland genommen. Und dann das. 

Das Knie ist Rönnows Schwachpunkt

Die Zweifel an seiner körperlichen Unversehrtheit sind zu groß, das Knie ist sein Schwachpunkt. Schon im Trainingslager in Gais vor gut vier Wochen musste er eine Pause einlegen, die auf zwei Wochen anwuchs. Eine Entzündung im Knie hatte ihn auf Eis gelegt. Ob er anschließend gänzlich beschwerdefrei war, darf bezweifelt werden, seine Leistungen waren anfangs dünn, ab und an zwickte das Knie. Erst am Dienstag konnte er das Training wegen leichter Beschwerden im Gelenk nicht regulär beenden. 

Die Eintracht-Verantwortlichen machen kein Hehl daraus, dass ihre Befürchtungen zu groß waren. „Die aktuellen Knieprobleme von Frederik Rönnow haben uns zum Nachdenken veranlasst. Leider hatte sich unser Stammtorhüter in der Vorbereitung eine Knieverletzung zugezogen, die noch nicht ganz verheilt ist und ihm immer wieder zu schaffen macht“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner. Er machte dem Dänen aber auch Mut: „Wir glauben an seine Qualitäten und sind davon überzeugt, dass er in die Rolle als Nummer eins hineinwachsen wird.“

Die Probleme sind für Rönnow nichts Neues. Schon im Jahr 2014 hatte er eine hartnäckige Entzündung im Knie, die ihn ein ganzes Jahr gekostet hat. Kein einziges Pflichtspiel konnte der Torwächter in dieser Zeit bestreiten. 

Rönnow muss seinen Frust erst einmal verarbeiten

Es drängt sich daher unweigerlich die Frage auf, ob die Eintracht-Ärzte beim Medizincheck diese Problematik nicht erkannt haben oder eben nicht erkennen konnten. Günstig war der 26-Jährige jedenfalls nicht, er hat mehr als drei Millionen Euro gekostet – um sich nun auf die Bank setzen zu müssen. Das war nicht das, was sich die Nummer zwei Dänemarks vorgestellt hat. 

Andererseits sollte er jetzt nicht die Flinte ins Korn werfen, sondern hart an sich arbeiten, um womöglich in einem Jahr einen neuen Anlauf als Nummer eins zu nehmen; Kevin Trapp ist ja erst einmal nur für ein Jahr ausgeliehen. Seine Knie, das ist die Grundvoraussetzung, müssen dazu natürlich halten. Klar ist auch, dass Rönnow seinen Frust erst einmal verarbeiten muss. Vielleicht gewährt ihm Trainer Adi Hütter ja auch das eine oder andere Spiel in der Europa League. 

Die Entscheidung der Sportlichen Leitung, Kevin Trapp zurückzuholen, ist unter diesen Umständen aber absolut nachzuvollziehen. Wenn man Zweifel an der grundsätzlichen Leistungsfähigkeit oder der Unversehrtheit Rönnows hat, ist es nur logisch, zu handeln und nicht zu hoffen, dass irgendwie alles gut geht. Das wäre fahrlässig. Und wenn man die Chance hat, einen hochkarätigen Torwart wie Kevin Trapp verpflichten und ihn auch finanzieren zu können, muss man diese Gelegenheit beim Schopfe packen. Insofern hat die Eintracht richtig gehandelt. 

„Uns hat sich die Chance geboten, mit Kevin einen Torhüter zu verpflichten, der nicht nur sofort spielbereit, sondern auch eine absolute Identifikationsfigur mit großem Führungspotential ist“, befand Manager Hübner. „Es zeigt die Wertigkeit unseres Vereins, dass sich ein aktueller Nationalspieler gegen andere Topklubs entscheidet und zu uns kommt.“ 

Trapp erhält wieder das Trikot mit der Nummer 31

Trapp selbst, 28 Jahre alt und in Paris nur noch Nummer drei, ist glücklich, wieder den Adler auf der Brust tragen zu dürfen. „Ich freue mich wahnsinnig, dass es geklappt hat“, sagte der Nationaltorhüter beim klubeigenen TV. „Ich hatte verschiedene Angebote, aber für mich war klar, dass ich das unbedingt machen will, wenn ich die Möglichkeit habe zurückzukommen“, sagte Trapp. „Es war viel Arbeit, aber es hat geklappt.“ 

Der Saarländer erhält das Trikot mit der Nummer 31, die ja eigentlich Branimir Hrgota trägt, der Stürmer im Abseits. Aber der wird wohl eher nicht mehr gebraucht, der alte Schwede, der ja gar nicht mehr mit der Mannschaft trainieren darf. Trapp hatte schon damals, zu seiner ersten Zeit in Frankfurt, die 31 auf dem Rücken. 

Trapp sagte, der Kontakt nach Frankfurt sei nie abgerissen, bekannt ist, dass Mitspieler Marco Russ zu seinen engsten Freunden zählt, auch mit Torwarttrainer Manfred „Moppes“ Petz pflegt er eine vertrauensvolle Beziehung. „Als ich in Paris war, habe ich mich immer sehr gerne an die tolle Zeit in Frankfurt zurückerinnert. Ich hatte hier drei unfassbare Jahre. Die Europa League-Saison 2013/2014 war besonders, und natürlich möchte ich das nun wieder erleben. Der Kontakt zu den Klubverantwortlichen ist nie abgerissen, und ich habe mich im Mai sehr für die Eintracht gefreut, als sie den DFB-Pokal geholt hat. Für mich war es wichtig, in ein Umfeld zu kommen, in dem ich mich wohlfühle und wo ich spielen kann. Ich freue mich auf ein weiteres Jahr bei der Eintracht.“ 

In Frankfurt hatte der Keeper, der bei der WM in Russland zum Aufgebot von Bundestrainer Joachim Löw gehörte, von 2012 bis 2015 eine erfolgreiche Zeit erlebt, zuletzt war er Kapitän und Aushängeschild. Im Februar 2015 war seine Vertragsverlängerung noch frenetisch gefeiert worden, ehe er kurze Zeit später dem Lockruf des Geldes aus Paris nicht widerstehen konnte und um seine Freigabe bat. Die Eintracht strich knapp zehn Millionen Euro ein, immer noch die Rekordsumme schlechthin. Sehr wahrscheinlich wird Trapp schon heute im Heimspiel gegen Werder Bremen den Kasten hüten. 

Wiedwald und Zimmermann konkurrieren um Platz drei

Der neue Mann sorgt zudem für eine weitere Verschiebung der Torwarthierarchie auf den hinteren Plätzen. Denn Felix Wiedwald und Jan Zimmermann konkurrieren nicht mehr um den Platz hinter der Stammkraft, sondern um den dritten Platz, auch wenn das nicht entscheidend ist – auf der Tribüne sitzen sie sowieso. Wiedwald, eigentlich als erster Ersatzmann hinter Rönnow verpflichtet, hat in der Vorbereitung enttäuscht. Er hat ohnehin keine leichte Zeit hinter sich, erst verlor er seinen Stammplatz bei seinem Heimatverein Werder Bremen, dann wurde er beim englischen Zweitligisten Leeds United aus dem Tor verdrängt und saß nur noch auf der Tribüne. Beim ersten Bundesligaspiel in Freiburg schaffte es Wiedwald nicht ins Aufgebot. 

Dort saß Zimmermann auf der Bank, der kluge Kopf, der wichtig fürs Binnenklima ist und einen hohen Stellenwert innerhalb der Mannschaft genießt. Zimmermann ist schon 33, es ist denkbar, dass er seine Karriere in Frankfurt beendet und dann auf anderer Ebene eingebunden wird.    

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen