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Eintracht Frankfurt Frankfurt gegen Hitz

Weil der Augsburger Torwart Marwin Hitz über sich hinauswächst, muss die Eintracht mit einem Punkt zufrieden sein.

Auch den hält er, der Teufelskerl Marwin Hitz. Dabei war der Kopfball von Alex Meier eigentlich gut platziert. Foto: Jan Huebner

Der Frankfurter Trainer und gebürtige Augsburger Armin Veh ist am Wochenende in seiner Heimatstadt geblieben. Die Arbeit war getan, mit einem 0:0 beim Angstgegner FC Augsburg kann man in diesen Zeiten leben, auch wenn deutlich mehr drin gewesen wäre. Doch am heutigen Montag, am trainingsfreien Tag, wird der Coach wieder in Frankfurt sein. Es ist sein Geburtstag, 55 Jahre wird Armin Veh alt, und den will er mit seiner im Hessischen gebliebenen Gattin begehen.

Und ums Haar hätte Armin Veh sein Geburtstagspräsent, wie gewünscht, schon zwei Tage vorher bekommen, einen Sieg in Augsburg hätte er als schönstes Geschenk empfunden, und die Mannschaft war ziemlich nahe dran, ihm diesen Herzenswunsch auch zu erfüllen. Dreimal schien der entscheidende Treffer zu fallen, dreimal erstarb den Frankfurtern Torjubel buchstäblich auf den Lippen. Denn dreimal spielte der Augsburger Torwart Marwin Hitz den großen Spielverderber, dreimal bekam der Hexer im Tor noch eine Hand an den Ball.

„Wie ein Handballtorwart hat der gehalten“, lobte Rechtsaußen Stefan Aigner. Er war es, der nach 68 Minuten und einem feinen Pass von Marco Fabian allein auf das Augsburger Tor gesprintet war. „Der Schuss“, staunte Aigner sogar noch hinterher, „wäre 100-prozentig reingegangen. Doch irgendwie hat Hitz noch den Arm hoch bekommen.“ Und Aigner stand mit vergebenen Chancen nicht alleine da: Erst war es Alexander Meier (60.), der eine butterweiche Flanke von Bastian Oczipka gegen die Laufrichtung des Schlussmannes köpfte, doch Hitz bekam noch die Finger dran. Dann, fünf Minuten vor dem Ende, kam Szabolcs Huszti aus vielleicht, fünf, sechs Metern frei zum Schuss, der sogar noch leicht abgefälscht die Richtung änderte – und wieder riss Marwin Hitz eine Faust hoch und parierte. „Weltklasse, sensationell“, sagte Mannschaftskamerad Markus Feulner. „Marwin hat uns den Punkt gerettet“, stellte Trainer Markus Weinzierl fest. Die Augsburger wussten schon, wem sie dieses torlose Remis im Grunde zu verdanken hatten.

"Er hat uns genervt"

Tatsächlich war es allein Marwin Hitz, der die Augsburger vor der sicheren Niederlage bewahrte. „Wir sind an einem hervorragend haltenden gegnerischen Torwart gescheitert“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner. „Wir hatten 100-prozentige Tormöglichkeiten, aber der Gegner hatte einen sehr guten Torwart. Er hat Reflexe gezeigt, die man selten sieht“, fand auch Trainer Armin Veh. Und Marco Russ fasste zusammen: „Das war heute Frankfurt gegen Hitz. Er hat uns genervt.“ Aber es gehöre auch zum Sport, sagte Russ, die Leistung des gegnerischen Torwarts anzuerkennen. Hinterher war der 28 Jahre alte Schweizer am Flatterband: Und das Frage- und Antwortspiel mit den Journalisten erledigte er, Söhnchen Matteo auf dem Arm, ähnlich souverän: „Als Torwart braucht man auch ein bisschen Glück“, sagte Hitz und fügte an: „Ein 1:0 ohne Parade wäre mir lieber gewesen.“ Doch durch seine außergewöhnliche Handarbeit blieb der FC Augsburg in sechs der letzten sieben Spiele ohne Gegentor. Mit so einer Serie im Rücken, sagte der Sunnyboy, „geht man mit einem besseren Gefühl in ein Spiel.“

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Keine Frage war allerdings: Die Eintracht hätte dieses Spiel für sich entscheiden müssen. Sie war, speziell in der zweiten Halbzeit, die bessere, die reifere Mannschaft, sie gewann mehr Zweikämpfe (55 Prozent), hatte mehr vom Spiel und auch – siehe oben – genügend Torchancen. Bis auf die ersten 15 Minuten der Partie, in der Augsburg aufdrehte, hatten die Hessen „das Spiel im Griff“, wie Klubchef Heribert Bruchhagen zu Recht formulierte, ja, sie waren sogar dominant. Die Gastgeber hatten in den 90 Minuten genau zwei Möglichkeiten, Daniel Baier (16.) und Raul Bobadilla (57.) hatten sie, mehr ließen die Frankfurter nicht zu.

Und endlich spielten die Hessen auch wieder Fußball. Ein Aktivposten war auf alle Fälle Marco Fabian. Der Mexikaner hatte oft den Ball, setzte Impulse, suchte stets den direkten Weg nach vorne. „Wenn er am Ball war, hatte man immer ein gutes Gefühl“, sagte Veh. Der Mittelamerikaner, dem nur anfangs ein paar Bälle versprangen, ging auch die weiten Wege nach hinten, er bot sich an, wollte den Ball haben. „Er hat ein paar Ideen ins Spiel gebracht“, sagte Veh. Er und Huszti, die beiden Neuzugänge, „tun uns gut“, lobte der Fußballlehrer, sichtlich entspannt nach einem gelungenen Auftakt in die Rückrunde mit vier Punkten.

„Dieses Spiel“, fand der agile Aigner, „macht Mut.“ Es sei eine klare „Leistungssteigerung gegenüber dem Wolfsburg-Spiel gewesen“, sagte der Vorstandsvorsitzende, Bruno Hübner sprach von einem „guten Auswärtsspiel“, Trainer Veh davon, dass ihm vor allem die Art und Weise des Auftretens gefallen habe. Mit einem kleinen Schönheitsfehler: „Wir hätten gewinnen müssen.“ Alex Meier, der wieder am häufigsten aufs gegnerische Tor geschossen hatte, blieb erwartungsgemäß auf dem Boden. „Wir sollten nicht größenwahnsinnig werden und mit dem Punkt auch mal zufrieden sein.“

Vor allem hat die Eintracht den Kampf angenommen, sie zog nicht ängstlich zurück, sondern hielt dagegen. Allerdings tropfte auch Wasser in den Wein: Makoto Hasebe und David Abraham sahen jeweils ihre fünften Gelben Karten und werden am kommenden Samstag im Spiel gegen den Mitkonkurrenten VfB Stuttgart fehlen. Armin Veh wird sich was einfallen lassen müssen. Denn der Abstiegskampf ist noch lange nicht vorbei. Auch wenn die Eintracht derzeit auf dem richtigen Weg zu sein scheint. Drei Spiele ohne Niederlage bei sieben Punkten ist aller Ehren wert. Es geht voran.

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