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Eintracht Frankfurt "Es wird für uns schwerer, den Erwartungen gerecht zu werden"

Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner über die schwierigen Verhandlungen mit potenziellen Neuzugängen, die Bedeutung der TV-Tabelle und weshalb er glaubt, Spieler wie Sebastian Jung oder Alexander Meier halten zu können.

Spricht die Sprache der Spieler: Eintracht Sportdirektor Bruno Hübner. Foto: Stefan Krieger

Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner über die schwierigen Verhandlungen mit potenziellen Neuzugängen, die Bedeutung der TV-Tabelle und weshalb er glaubt, Spieler wie Sebastian Jung oder Alexander Meier halten zu können.

Beim Frankfurter Sportdirektor Bruno Hübner laufen die Fäden zusammen, er ist der Baumeister, verantwortlich für die Zusammenstellung des Kaders. Da arbeitet er natürlich eng mit Cheftrainer Armin Veh zusammen, dessen Wünsche er erfüllen soll. Das gelingt nicht immer. So manches Mal stößt selbst Bruno Hübner, der dreifache Familienvater aus Taunusstein, an seine Grenzen. Wenn die finanziellen Vorstellungen zu weit auseinander liegen, dann nutzt auch seine Überzeugungskunst nichts. Und überzeugend kann der 53-Jährige sein, er nimmt die Spieler mit, gibt ihnen das Gefühl, ein wichtiges Puzzleteil im Großen und Ganzen zu sein. „Ich spreche die Sprache der Spieler“, sagt er selbst.

Hübners Vertrag läuft am Saisonende aus, eine Ausdehnung des Kontraktes ist aber nur Formsache. Hübner, nach dem Abstieg 2011 installiert, soll sich in Zukunft auch vermehrt um die Talentförderung am Riederwald kümmern. Zunächst aber soll er den Trainer dazu bewegen, in Frankfurt zu bleiben.

Herr Hübner, Hand aufs Herz: Hätten Sie für möglich gehalten, dass die Mannschaft nach dem 0:2 in Porto noch mal so zurückschlägt?

Man darf uns nie abschreiben. Wie das Team in der zweiten Halbzeit aufgetreten ist und wie es zurückgekommen ist, das war einfach nur fantastisch. Großes Kompliment.

Und jetzt können Sie schon fürs Achtelfinale planen?

Immer schön langsam. Durch dieses Ergebnis sind unsere Chancen gestiegen, keine Frage. Lagen sie vorher bei 20:80, so stehen sie jetzt bei 50:50. Jetzt ist alles drin. Aber das wird alles andere als ein Selbstläufer, dazu ist Porto viel zu stark.

Sie scheinen nach wie vor angetan von den Portugiesen.

Absolut. Das ist eine beeindruckende Mannschaft. Bei denen läuft jeder, da kann jeder Fußball spielen. Sie haben eine unglaubliche Qualität am Ball. Aber bisweilen scheint es tatsächlich so, dass sie zu sehr von sich und ihrer überragenden Qualität überzeugt sind. Sie neigen dazu, deshalb etwas nachlässiger zu werden. Aber das ist eine tolle Mannschaft.

Mit einem 0:0 und einem 1:1 wäre die Eintracht schon weiter.

An ein 0:0 glaube ich nicht, die schießen sicher ein Tor. Aber es bleibt dabei: Unsere Ausgangslage gegen einen vermeintlich übermächtigen Gegner hat sich verbessert. Wir werden alles tun, um eine Runde weiterzukommen.

Nach dem Porto-Highlight in Europa steht nun wieder der Alltag an: Bundesliga, Werder Bremen, Abstiegskampf – fällt es der Mannschaft schwer, den Hebel umzulegen?

Nein, das glaube ich nicht, die Mannschaft hat dazu gelernt. Die Bundesliga ist unser täglich‘ Brot. Die Mannschaft weiß, was auf sie zukommt, sie kann das richtig einschätzen und weiß, wie wichtig das Spiel ist. Diese Begegnung, das habe ich auch schon vor Braunschweig gesagt, hat keinen Endspielcharakter, aber es ist eine Partie, in der du Selbstvertrauen tanken und in der du den Gegner mit einem Sieg ein Stück weit distanzieren kannst. Wenn wir von unseren sieben ausstehenden Heimspielen noch vier gewinnen, haben wir schon eine Punktzahl erreicht, die uns nah an den Klassenerhalt bringt. Deshalb kann es taktisch klug sein, wenn man nicht immer voll auf Sieg spielt, weil man in den direkten Duellen auch mal mit einem Unentschieden sehr gut leben kann. Dann wird der Gegner im Abstiegskampf nämlich auch auf Abstand gehalten.

Im alten Jahr hat die Mannschaft den Spagat zwischen Europa League und Bundesliga nicht so verkraftet. Weshalb soll das jetzt anders werden?

Wir haben jetzt mehr Erfahrungswerte und tun alles dafür, dass es anders wird, aber es gibt keine Garantie. Das Problem an der Europa League sind ja nicht die Spiele, sondern eher die Begleitumstände. Sehen Sie: Wir haben bis heute im Grunde gar nicht über Bremen sprechen können, obwohl es ein so wichtiges Spiel ist. Eine gezielte Vorbereitung fällt eigentlich aus, man kann auch nicht auf den Gegner hin trainieren. Aber das ist halt so.

Und doch könnt Ihr in den kommenden vier Wochen mit den fünf Spielen gegen direkte Konkurrenten den Klassenerhalt so gut wie perfekt machen.

Klar, das sind alles wichtige Spiele jetzt, in denen du den Abstand halten solltest oder ihn im besten Fall ausbauen kannst. Das können schon vorentscheidende Schritte sein.

Oder eben auch nicht.

Wenn es nicht klappt, dann wird es bis zum letzten Spieltag kritisch.

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"Wir schenken kein Spiel ab"

Wie haben Sie die Diskussion um die Aufstellungen von Trainer Armin Veh in München und Dortmund erlebt. Viele meinen ja, die Spiele seien bewusst abgeschenkt und der Sportsgeist mit Füßen getreten worden.

Wir schenken kein Spiel ab. Da standen gestandene Bundesligaspieler auf dem Platz. Das muss man mal klarstellen. Aber es hatte schon den Anschein, dass bei manchen Spielern die Anspannung gefehlt hat. Ich hätte da als Spieler früher eine andere Herangehensweise gehabt. Meine Chance hätte ich mit aller Macht versucht, zu nutzen. Aber da ist ja nicht jeder gleich. Und natürlich kann ich die Fans verstehen, die enttäuscht sind. Sie haben noch das Pokalspiel im Kopf, das auf des Messers Schneide stand. Und dann fahren sie mit einer gewissen Erwartungshaltung nach Dortmund und sehen, was die Mannschaft an diesem Tag leistet. Natürlich ist dann eine Enttäuschung da, trotzdem haben uns die mitgereisten Fans super unterstützt. Nach genauer Abwägung hat sich der Trainer dafür entschieden, den Fokus auf Porto und Bremen zu legen. Es war einfach eine Prioritätenverschiebung. Wer das Beste für Eintracht Frankfurt will, der kann diesen Schritt schon nachvollziehen.

Wie schwer fällt in der derzeitigen sportlichen Situation Ihr Job?

Das ist eine gemischte Geschichte. Viele sagen, das hört man auch aus Kreisen der Fußballwelt immer wieder, was die Eintracht in den letzten Jahren auf die Beine gestellt hat, das ist richtig gut: Ihr seid souverän aufgestiegen, habt einen fantastischen sechsten Platz gemacht, habt in allen drei Wettbewerben überwintert. Das ist gut, sehr gut. Da werden wir entsprechend wahrgenommen. Aber die unsichere Situation im Abstiegskampf ist nicht leicht für uns, da warten Spieler doch erst einmal ab.

Aber eigentlich ist die Eintracht doch zu gut, um abzusteigen.

Das höre ich immer. Und überall. Auch meine Manager-Kollegen sagen immer: ,Ach, Ihr braucht Euch doch keine Sorgen zu machen, da gibt es ganz andere, Ihr schafft das locker.‘ Darin sehe ich aber auch eine gewisse Gefahr, viele sind schon abgestiegen, die sich für zu gut hielten. Darauf werden wir aufpassen und unser Trainer weiß dem entgegenzusteuern.

Haben Sie schon einen Korb von einem Spieler bekommen, weil sie die erste Liga für die neue Saison zum jetzigen Zeitpunkt nicht garantieren können?

Nein, das nicht. Aber wir sind im Moment in der Budgetierungsplanung und müssen halt erst mal sehen, wie unser Etat für die neue Saison aussehen kann.

Es ist zu hören, dass der Etat für die neue Spielzeit nicht erhöht werden kann, eher niedriger ausfallen könnte. Aber weshalb? In der Europa League ist doch massig Geld eingenommen worden, die Rede ist immer von acht, neun, zehn Millionen.

Unser Ziel muss es sein, einen besseren Etat abzubilden. Aber man muss auch bedenken, dass diesen Einnahmen durch die Europa League auch hohe Kosten entgegenstehen. Da gehen Steuern ab, die Reisekosten, die erheblich sind, weil wir viele Fernreisen hatten, die Prämien für die Mannschaft. Da bleibt nicht so viel hängen wie zum Beispiel im TV-Ranking.

Da hat der Nachbar Mainz 05 die Eintracht abgehängt, nimmt auf diesem Sektor zwischen fünf und acht Millionen Euro mehr ein.

Das ist schon Wahnsinn und natürlich bedingt durch unseren Abstieg. Das sind Einnahmen, die bei uns direkt in den Spieleretat laufen könnten. Um dies zu kompensieren, müssten wir unsere Einnahmeseite aus anderen Bereichen um zwölf bis 15 Millionen erhöhen. Das ist fast nicht machbar. Und da heißt es von manchen: ,Die kleinen Mainzer...‘ Die machen schon seit Jahren gute Arbeit und können mittlerweile Transfers abbilden, die für uns im Moment unrealistisch sind.

Deshalb ist ja auch die Vorgabe von Finanzchef Axel Hellmann so klar, der stets betont, wie wichtig jeder Tabellenplatz ist und dass man bis zum letzten Spieltag um jeden Rang kämpfen müsse, um Plätze in der Fernsehtabelle gutzumachen.
Falls wir vorher schon gerettet sein sollten, wird unser ganzer Fokus darauf liegen, dass kein einziges Spiel hergeschenkt wird. Wir lassen nichts austrudeln, wir ziehen das bis zum Ende durch, ansonsten würden wir uns ins eigene Fleisch schneiden. Denn das TV-Geld fließt Eins-zu-Eins in den Spielerkader und hilft uns richtig. Dies wird von allen Beteiligten so gesehen.

War es vor einem Jahr leichter, mit Spielern zu verhandeln, weil die Eintracht da vorne dabei war?

Das schon, es hat einige Türen geöffnet, aber einige sind dadurch auch zugegangen.

Wie meinen Sie das?

Es gab auch Spieler, die Bedenken hatten, dass sie bei uns nicht auf ihre Einsatzzeiten kommen, weil wir auf manchen Positionen sehr gut besetzt sind.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Viel Improvisation bei Neuverpflichtungen

"Man muss realistisch bleiben"

Ärgern Sie eigentlich Vorwürfe, dass die Eintracht mir Ihren Neuverpflichtungen danebenlag und dass sich die Sportliche Führung mit der Verpflichtung von Stürmern generell schwer tue? Trainer Armin Veh hat da neulich mal recht ungehalten reagiert.
Wir müssen einfach gucken, wie wir mit unserem Budget haushalten. Da muss man mal hier einen Spieler abgeben, um vielleicht dort einen holen zu können. Wir bewegen uns in einem begrenzten Rahmen, und natürlich ist da viel Improvisation dabei. Aber das ist so, wenn man nicht so viel Geld zur Verfügung hat.

Was kann man dagegen tun? Schneller sein als andere?

Sicherlich ein wichtiger Faktor, aber auch kein Garant. Wir können mit Fug und Recht behaupten: Wir waren an vielen Spielern sehr, sehr früh dran, sogar bei einigen als erster. Vereinzelt waren wir bereits auf einem guten Weg. Dann kommen größere und finanziell stärkere Vereine und alles kommt ins Stocken und läuft dann aus der Sicht von Eintracht Frankfurt kontraproduktiv. Ferner platzieren die Berater ihre Spieler ganz geschickt, und wenn sie gut spielen, dann wissen sie im Grunde, dass immer ein noch besseres Angebot kommt. Und die großen Vereine, die nehmen halt einen ablösefreien Spieler einfach mal dazu. Da haben sie so gut wie kein Risiko.

Aber so einen Spieler wie Josip Drmic, den kannte die breite Öffentlichkeit auch nicht und der ist jetzt in Nürnberg voll eingeschlagen, hat in 20 Spielen elf Tore gemacht. Wieso schafft die Eintracht es nicht, so einen Stürmer zu holen?

Der Spieler war uns bekannt und wurde uns auch angeboten. Deshalb haben wir uns auch damit beschäftigt. Aber irgendwann waren unsere Möglichkeiten erschöpft. Außerdem ist das auch immer hypothetisch, wie sich ein Spieler bei uns entwickelt hätte. Ähnlich war es bei Edgar Prib, Max Kruse, Daniel Caliguri, mit denen wir uns intensiv beschäftigt haben. Ich könnte die Liste noch weiter fortführen. Aber wenn wir nicht die Mittel haben, schaffen wir es bei einigen Spielern einfach nicht. Man muss hier realistisch bleiben. Wir haben nur einen bestimmen Handlungsspielraum, und dort muss unser Anspruch sein, noch besser zu werden.

Und wie verbessert man den Handlungsspielraum?

Daran arbeiten alle Verantwortlichen im Verein. Da gibt es viele Überlegungen und einige Strategien, aber keine, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Aber Fakt ist: Es wird für uns immer schwerer, unter den jetzigen Voraussetzungen den Erwartungen im Umfeld gerecht zu werden.

Haben Sie im Sommer die falschen Spieler geholt?

Die Priorität war, das Team zusammenzuhalten. Das fing bei Armin Veh an und ging bei wichtigen Stammspielern weiter. Wir haben so viele Attacken abgewehrt und darauf kann man aufbauen. Das hatte natürlich auch seinen Preis: Eine Mannschaft, die einen fantastischen sechsten Platz belegt hat und somit eine große Erwartungshaltung geweckt hat, mit unseren Mitteln zu verstärken, ist deshalb nicht einfach. Deswegen haben wir in die Breite und zum Beispiel mit Vaclav Kadlec in die Zukunft investiert. Ferner wird schon Ihre Fragestellung Spielern wie Flum, Joselu, Barnetta, Wiedwald und andere, die angedeutet haben, dass sie uns weiterhelfen können, nicht gerecht.

Aber wenn man Ihre Argumentation aufnimmt, dann muss ja so ein Königstransfer wie Kadlec funktionieren.

Er hat ja auch funktioniert, und viele haben uns bereits gratuliert, aber dann wurde die Erwartungshaltung im Umfeld zu groß. Wir haben von Anfang an gesagt, dass er noch kein fertiger Spieler ist und seine Zeit brauchen wird, er muss an seinem Spiel und Körpereinsatz arbeiten. Ich denke aber, er wird uns auf Strecke gesehen helfen.

Können Sie den Kader, bis auf Sebastian Rode, ein weiteres Mal zusammenhalten?

Unsere Bemühung ist ganz klar, den Kader zu halten. Ich denke, das wird uns auch weitestgehend gelingen.

Aber einige, Sebastian Jung etwa, haben eine Ausstiegsklausel.

Vertragsinhalte öffentlich zu kommentieren, steht mir rechtlich nicht zu und dazu gebe ich auch keine Auskunft. Ich gehe davon aus, dass Sebastian nächstes Jahr bei der Eintracht spielt.

Und bei Alexander Meier? Da war die Rede davon, dass er einen Vierjahresvertrag möchte.

Es ist so, dass es für ihn, wie er sagt, ein ganz wichtiger Vertrag ist. Deshalb haben wir ihm die Zeit gegeben und ihm entsprechend seines Stellenwerts ein Angebot unterbreitet. Ich bin fest in dem Glauben, dass er bleiben wird.

Kevin Trapp, war zu hören, soll bei Juventus Turin auf der Liste stehen.

Kevin gehört für mich zu den besten vier Torhütern der Bundesliga. Er ist immer begehrt. Aber auch bei ihm bin ich optimistisch, dass er noch lange hier sein wird.

Carlos Zambrano ist ebenfalls begehrt.

Klar, er ist ein Klasse-Verteidiger, hat noch einen bestehenden Vertrag für die nächste Saison: Wir würden gerne frühzeitig verlängern.

Wollen Sie Joselu halten?

Würden wir gerne. Aber das wird schwer. Und das sollte man auch so einschätzen.

Interview: Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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