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Eintracht Frankfurt Es menschelt wieder in Frankfurt

Für Eintracht-Trainer Adi Hütter ist der neue Job Chance und Risiko zugleich. Der Österreicher unterscheidet sich in einigen Dingen von seinem Vorgänger Nico Kovac.

Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Salt Lake City
Die Fünf aus Salt Lake: Chef Hütter, Co-Trainer Reutershahn, Pressemann Hindelang, Manager Hübner und Assistent Peintinger (v.l.). Foto: Jan Huebner

In München gehen die Uhren jetzt anders, so, wie sie erst kürzlich noch in Frankfurt tickten, was allerdings nun gar nichts mit Jupp Heynckes zu tun hat, den Eintracht-Uhrenversteller von anno dazumal, sondern mit seinem Nachfolger bei den Bayern, Niko Kovac. Der geleitete die Eintracht erst vor wenigen Wochen zu diesem epochalen Erfolg im Pokal gegen, wie sollte es anders sein, die Bayern.

Kovac hat die Seiten mittlerweile gewechselt, und seit er in München sein nicht eben auf Nachsicht ausgelegtes Regiment führt, sind die Zeitungen und Portale voll: „Die sieben Regeln des Niko Kovac“; „Neun Dinge, die sie noch nicht über Kovac wussten“; „So krempelt er die Bayern um“. Vom Schleifer ist gar die Rede, dem allenfalls Oberquälix Magath in puncto Gnadenlosigkeit das Wasser reichen könne. Das ist natürlich ausgemachter Unfug.

Klar ist aber, dass sich die Bayern auf eine andere Zeitrechnung einstellen können: Ausuferndes Training, bis zu drei Stunden, Ernährungsregeln, lauwarmes Trinkwasser, tägliche Blutabnahmen, Ausradeln nach den sowieso schon schlauchenden Einheiten. Ein ganzes Portfolio an kleinen Piesackereien.

Adi Hütter pflegt eine andere Philosophie

In Frankfurt, bei seinem Ex-Klub, atmen die verbliebenen Spieler zwar nicht auf, dass Kovac weitergezogen ist, dafür sind es ja auch professionelle Hochleistungssportler, aber der eine oder andere ist sehr wohl froh, neue Reize, Inhalte und Ansprachen zu erfahren – ein Leben im roten Bereich und am Anschlag kann ganz schön anstrengend sein, für Körper und Geist.

Adi Hütter, der neue Mann an der Seitenlinie, pflegt einen anderen Ansatz, eine andere Philosophie. Zum einen legt er fußballtaktisch sehr viel größeren Wert auf die Offensive und das Stilmittel Pressing. „Die Trainingssessions sind kürzer, aber intensiver, mit vielen spielerischen Elementen versehen. Die Absicht, Fußball zu spielen, ist größer“, befand Linksverteidiger Jetro Willems.

Zum anderen ist Hütter ein anderer Typ als der maximal verbissene und stramme Kovac. Der Österreicher ist keiner, der die Zügel schleifen und Fünfe gerade sein lässt, er kann hart und konsequent sein, was als Cheftrainer eines Profiteams so sein muss und als unabdingbar gilt.

Hütters nächster Karriereschritt

Aber es menschelt mehr, Hütter wirkt empfänglicher, empathischer. „Er tut uns insgesamt gut, auch die Art und Weise, wie er mit allen Menschen umgeht, sehr respektvoll nämlich“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic dem HR. „Er ist jemand zum Anfassen.“ Das ging der gesamten Eintracht, im übertragenen Sinne, in den vergangenen zwei Jahren ab.

Im Trainingslager in den USA nimmt Hütter seine Spieler immer wieder mal in den Arm, klopft ihnen auf die Schulter, führt kurze Gespräche. „Er hat eine unheimliche Ruhe“, berichtete Bobic.

Dann aber unterbricht der Fußballlehrer die Einheiten wieder, gibt deutliche Kommandos, versucht, den Spielern seine Vorstellungen plastisch näherzubringen. „Nach vorne verteidigen, Pressing und Gegenpressing – schon früh in der Vorbereitung geht es in den taktischen Bereich“, pflichtete Abwehrmann Willems bei.

Hütter, auf all seinen Stationen erfolgreich, überlässt nichts dem Zufall, er weiß, wie er einer Mannschaft seine Ideen zu verklickern hat. „Er hat eine brutale Zielstrebigkeit und macht klare Ansagen“, bestätigte Bobic.

Für Hütter ist der Sprung in die Bundesliga der nächster Karriereschritt, er hat zielstrebig darauf hingearbeitet. Nun, nach dem Double in Salzburg und dem ersten Meistertitel nach 32 Jahren mit Young Boys Bern, sieht er sich reif genug, dieses Abenteuer anzugehen. Der 48-Jährige hat keine leichte Aufgabe vor der Brust, zum einen hat Niko Kovac die Messlatte – nicht nur – mit dem Pokalsieg sehr hoch gelegt. Zum anderen muss er ein neues Ensemble zusammenbauen. „Er übernimmt hier eine Mannschaft, die wieder im Umbruch ist“, betonte Fredi Bobic. Wie jedes Jahr eigentlich.

Vier Leistungsträger haben den Verein bereits verlassen: Lukas Hradecky (Bayer Leverkusen), Marius Wolf (Borussia Dortmund), Omar Mascarell (Schalke 04) und Kevin-Prince Boateng (US Sassuolo). Ein Verbleib von Ante Rebic steht in den Sternen. Sollte der Kroate bei der WM weiterhin derart auftrumpfen, wird er noch stärker in den Fokus der Topklubs rücken. Sollte ein richtiger Big Player die Angel auswerfen, hätte die Eintracht keine Chance. „Wir planen fest mit Ante Rebic für die neue Saison. Er hat einen langfristigen Vertrag bis 2021. Natürlich ist uns bewusst, dass immer viel passieren kann, wenn ein großer Verein Interesse anmeldet. Wir können wirtschaftlich mit den ganz Großen nicht mithalten“, sagte Bobic bei Sport 1.

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