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Eintracht Frankfurt Emanzipation im vollen Gange

1. UpdateNach Niko Kovac musste sich die Eintracht unter Adi Hütter freischwimmen – das ist gelungen.

Adi Hütter
Alles im Blick, alles im Griff: Eintracht-Trainer Adi Hütter. Foto: imago

Die Geburtstagsgrüße, die Eintracht Frankfurt der verflossenen Liebe via Twitter zukommen ließ, waren ganz sicher herzlich und aufrichtig gemeint. „Alles Gude von der Eintracht-Familie an ihren Pokalsiegertrainer“, schrieben die Hessen und ließen Niko Kovac zum 47. virtuell hochleben. Der Tweet endete mit einem Zwinker-Smiley und einem kleinen, feinen Seitenhieb gegen den neuen Arbeitgeber: „Lass dich nicht ärgern in München.“ Das fällt dem Kroaten nicht ganz so leicht. 

Der Frankfurter Erfolgstrainer wird in München momentan nicht unbedingt als Erfolgstrainer wahrgenommen, ganz im Gegenteil, zuletzt wurde er gar bei einem Basketballspiel von den Zuschauern ausgepfiffen; Kovac wirkt angezählt und ausgemergelt. Gegen den gebürtigen Berliner wird schon jetzt Stimmung gemacht, so sollen die Spieler gegen das ständige Ausradeln nach Trainingseinheiten und Spielen rebellieren. Das ist gut möglich, auch in Frankfurt war diese Maßnahme, die der Regeneration dienen soll, im Mannschaftskreise höchst umstritten und extrem unbeliebt. Die Eintracht-Spieler haben das geschluckt, die Bayern-Profis wohl eher nicht. 

In München sind sie schon so weit, dass der Coach selbst zu einer ersten scharfen Verteidigungsrede ansetzte, Uli Hoeneß seinen ersten Angestellten schützte („Verteidige ihn bis aufs Blut“) und jetzt sogar der Wolfsburger Sportchef Jörg Schmadtke dem Bayern-Coach zur Seite sprang. „Vor 14 Tagen war Kovac der Trainer, der über Wasser laufen konnte. Und keine drei Wochen später soll er nicht mehr in der Lage sein, der Mannschaft einen Plan mitzugeben. Das ist doch Wahnsinn, verrückt.“

In Frankfurt beobachten sie die Turbulenzen an der Säbener Straße aus sicherer Entfernung und mit einer gewissen Nonchalance. Sie wissen, was sie ihrem Ex zu verdanken haben und welche Verdienste er sich um den Klub erworben hat. Aber klar ist ja auch, dass ihn niemand gezwungen hat, die Pferde zu wechseln. Und vor allen Dingen: Eintracht Frankfurt hat sich – Stand jetzt – sehr viel schneller von dem 47-Jährigen emanzipiert, als dies ehemals zu erwarten war. Das ist sehr wohl überraschend. 

Zumal es zunächst einmal nicht unbedingt danach aussah. Gerade zu Saisonbeginn waren die Befürchtungen, dass da jetzt einiges aus dem Ruder laufen könnte, recht groß. Vier absolute Leistungsträger weg, der Erfolgscoach weg, viele Spieler im Formtief, auch wegen den Nachwirkungen der WM, und Neuzugänge, die nicht wirklich gleich funktionierten. Obendrauf setzte es zwei böse Auftaktschlappen (0:5 gegen die Bayern im Supercup, 1:2 als Titelverteidiger im Pokal in Ulm) – und dann gab es ja noch einen neuen Trainer aus Österreich, für den die Bundesliga Neuland und Abenteuerland zugleich war und der sich erst mal finden und akklimatisieren musste. Das hat er geschafft, der Adi Hütter aus Vorarlberg, mit etwas Anlauf und viel Geduld, aber er wird wahrgenommen in Frankfurt, er hat sich aus dem Schatten Niko Kovacs befreit. Heimlich, still und leise, wie es so seine Art ist. 

Der 48-Jährige steht seit 105 Tagen auf dem Trainingsplatz und seiner neuen Mannschaft vor, und er hat sich im Laufe der Zeit freigeschwommen, ein eigenes Profil entwickelt oder es vielleicht auch nur stärker zum Vorschein gebracht. Die jüngsten Erfolge haben ihm da, ganz klar, geholfen. Aber die sind ja nicht zufällig irgendwie ergaunert worden. 

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