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Eintracht Frankfurt Eintracht gibt nicht auf

Der Frankfurter Bundesligist verliert zwar vor dem DFB-Sportgericht - geht aber in Berufung. Eintracht-Anwalt Schickhardt spricht nach dem Urteil von einem "falschen Signal", das "die Täter nicht bestraft".

Angespannt: Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann (l.) und Anwalt Christoph Schickhardt. Foto: Storch

Der Frankfurter Bundesligist verliert zwar vor dem DFB-Sportgericht - geht aber in Berufung. Eintracht-Anwalt Schickhardt spricht nach dem Urteil von einem "falschen Signal", das "die Täter nicht bestraft".

Eintracht Frankfurt hat am Freitag nach einem wahren Verhandlungsmarathon vor dem DFB-Sportgericht eine Niederlage eingesteckt, geht aber dennoch als Punktsieger aus der fast achtstünden mündlichen Sitzung in der Otto-Fleck-Schneise hervor.

DFB-Richter Hans E. Lorenz bestätigte letztlich sein Einzelrichterurteil vom 27. Juni, wonach der Bundesliga-Aufsteiger zu seinem ersten Heimspiel am 25. August gegen Bayer Leverkusen nur 15.000 eigene Zuschauer und 5000 Gästefans ins Stadion einlassen darf. Zudem soll die Eintracht eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro entrichten. Die Hessen werden das Urteil nicht akzeptieren und ziehen vor das DFB-Bundesgericht. Die nächste Verhandlung wird vermutlich in der übernächsten Woche über die Bühne gehen. Der Richter wird dann nicht Lorenz heißen.

Eintracht-Anwalt Christoph Schickhardt kommentierte enttäuscht: „Nach dieser Verhandlung ist so ein Urteil für uns nicht mehr verständlich.“ Und weiter: „Dieses Urteil ist das falsche Signal, es macht keinen Sinn, denn es bestraft die Täter nicht. Es werden Unschuldige bestraft, der Vater, der mit seinem Sohn zum ersten Spiel gehen will, aber nicht darf.“ Schickhardt machte klar: „Eintracht Frankfurt leidet unter diesen Krawallmachern, wir kämpfen nicht für diese Täter, wir sehen uns als Opfer dieser Gewalt. Wir kämpfen für die friedlichen Fans. Denn Eintracht Frankfurt hat keinen Fehler gemacht, uns trifft keine Schuld, wir haben keine Möglichkeit, etwas besser zu machen.“

Das sah auch das Sportgericht und der Kontrollausschuss so. Sie kamen nach sieben Zeugenbefragungen zu der Erkenntnis, dass die erhobenen Vorwürfe gegen den Verein nicht haltbar sind, sondern dass Eintracht Frankfurt kein Verschulden in den drei zu bewertenden Partien (in Aachen, gegen 1860 München und in Karlsruhe) zur Last gelegt werden kann. „Wir haben vereinsseitiges Verschulden nicht feststellen können“, sagte Richter Lorenz. Weder bei den Ordnungsdiensten noch bei anderen Sicherheitsfragen.

Sicherheits- und Fanbeauftragte mit vorbildlichem Verhalten

Im Gegenteil: Sicherheits- und Fanbeauftragte hätten sich vorbildlich verhalten, das bestätigten auch alle neutralen Zeugen, wie der Karlsruher Polizei-Einsatzleiter Fritz Rüffel, der den Sicherheitsbeauftragten Oliver Lerch und auch die Fanbeauftragte Marc Francis und Ben Vogt über den grünen Klee lobte und ihnen beispielhafte Arbeit in ganz Deutschland attestierte. Thomas Schneider, Leiter der Fankoordination bei der DFL, schloss sich an: „Ich kann Eintracht Frankfurt nur das beste Zeugnis ausstellen.“
Aber, so führte Richter Lorenz aus, es sei nun mal so: „Ein Verein ist für seine Fans verantwortlich.“ So stehe es schließlich in der DFB-Satzung. Lorenz weiter: „Wir sehen hier die Verzweiflung eines Vereins, der eine Menge, vielleicht sogar alles tut, um solche Ausschreitungen zu vermeiden. Aber sie nicht vermeiden kann.“
Lorenz ließ durchblicken, dass die Eintracht ein gebranntes Kind mit einem hundsmiserablen Ruf ist. „Es gibt keinen Verein, der in der vergangenen Saison schon zwei Teilausschlüsse hatte. Und es gibt viele, die sagen: Die sind jetzt reif für einen Totalausschluss.“ Sprich: Geisterspiel. Davon habe das Gericht aufgrund der besonderen Situation nach dem Aufstieg abgesehen: „Das ist ja schon wie Weihnachten für einen Verein.“ Deshalb habe man das Strafmaß nicht verschärft. Zudem habe man ja auch sehen müssen, „dass wir Linie halten“. Mit anderen Worten: Man kann nicht Köln, Hertha oder Düsseldorf bestrafen, die Eintracht aber nicht. Zumal bei diesem Ruf. „Viele“, führte Lorenz aus, „fürchten sich schon, wenn die Eintracht kommt.“

Nach sechs Stunden hatten sich die Parteien zu einer Beratung über das Strafmaß zurückgezogen, angeblich hatte das Sportgericht angeboten, mehr Fans zuzulassen. Die Eintracht indes soll bereit gewesen sein, eine Geldstrafe in Bundesliga-Rekordhöhe zu bezahlen. Beides wurde verworfen. Letztlich blieben als Verfehlungen, die die Eintracht alle einräumt: massive Pyrotechnik und ein hässlicher Blocksturm in Karlsruhe und Sachbeschädigung in Aachen in Höhe von 125.000 Euro. Die Eintracht hat 50.000 Euro schon zugesagt, über die restliche Summe gibt es Differenzen zwischen den Klubs.

So bleibt eine Verhandlung, bei der Chefankläger Anton Nachreiner in seinem Plädoyer mächtig in die Offensive ging, ausführte, die besagte Gruppe Eintracht-Fans ginge „über Leichen“, das allseits gelobte Fanprojekt sei eine „Bankrotterklärung“ und „mit Worten kommt man eh zu überhaupt nix“. Dann sprang er auf, schnappte seine Aktentasche und verließ den Saal. Da war die Verhandlung noch in vollem Gange.

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