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Eintracht Frankfurt Eintracht Frankfurt will sich oben festbeißen

Eintracht Frankfurt hat sich in der Spitzengruppe festgesetzt und wirkt ein bisschen wie ein erwachender Riese.

Eintracht Frankfurt - FC Schalke 04
Geht's da nach Europa? Jonathan de Guzman gibt die Stoßrichtung vor, von einer blutenden Wunde lässt sich der Eintracht-Routinier gewiss nicht stoppen. Foto: dpa

Ein paar Minuten nach Spielschluss hat der Frankfurter Rechtsverteidiger Danny da Costa aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht. Noch dampfend im Trikot hat er im Interview mit dem HR über den großen Abstand von sieben Punkten zu Tabellenführer Dortmund geklagt und davon gesprochen, „schnell aus diesem Tief“ herauskommen zu müssen, glücklicherweise stehe die Länderspielpause an, da könnten die Menschen endlich „guten Fußball sehen“. Außerdem sei ihm schon seit langem keine Torbeteiligung mehr gelungen, das alles sei „echt peinlich“, er schäme sich gar für das, was die Eintracht da anbietet.

Das hat Danny da Costa natürlich nicht ernst gemeint. Der 25-Jährige ist selten um einen lockeren Spruch verlegen, hat den Schalk ganz gerne im Nacken, auf Zypern hat er sich nach dem Spiel gegen Limassol etwa in bester Klaus-Augenthaler-Manier selbst Fragen gestellt und beantwortet, auch das sehr ulkig. Jetzt also das nächste Witzinterview.

Eintracht-Spieler sind locker drauf

Das allein zeigt, wie gelöst die Stimmung bei Eintracht Frankfurt ist, die Spieler nehmen sich selbst auf die Schippe, sind locker drauf. Das darf man nach neun Pflichtspielen ohne Niederlagen und acht Siegen schon mal sein, zumal trotz aller Leichtigkeit die Ernsthaftigkeit nicht verloren gegangen ist. Große Töne spuckt niemand. „Wir bleiben bescheiden“, sagt da Costa, ganz ernsthaft. Ohnehin wird allenthalben der besondere Spirit, der spezielle Geist dieser Mannschaft hervorgehoben.

Und doch reibt man sich nicht nur in Frankfurt die Augen über diesen Höhenflug der Eintracht, der ja nicht vom Himmel gefallen, sondern hart erarbeitet ist. In aller Munde ist natürlich die wie geölt laufende Frankfurter Tormaschine. 26 Tore nach elf Spieltagen, zweitbeste Bilanz aller 18 Bundesligisten, sind eine Wucht; 26 Treffer hatte die Eintracht in der vergangenen Runde nach 21 Spieltagen erzielt, am Ende der vergangenen Runde hatten die beiden Stürmer Sebastien Haller neun und Luka Jovic acht Tore. Jetzt hat Jovic bereits neunmal getroffen und Haller achtmal. Auch die Tordifferenz von plus 13 ist die einer Spitzenmannschaft. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Wo sind die Grenzen für dieses entfesselte und so zauberhaft aufspielende Ensemble?

Diese unglaubliche Offensivpower, zu der noch Oberbüffel Ante Rebic entscheidend beiträgt, ist das Pfund, mit dem die Hessen wuchern. Dieser attraktive Fußball, den der Sturm, der gut und gerne 100 Millionen wert ist, möglich macht, ist genau das, was Trainer Adi Hütter spielen lassen will, das ist sein Stil. Er wolle bei seinen Mannschaften stets „eine Handschrift“ erkennen, hat er gesagt.

Hütter ist ein Coach, der mutig ist, er kann seine Mannschaft sehr genau einschätzen, spürt, wie gut seine Spieler drauf oder ob sie mal müde sind. Er irrt sich selten. Vor dem Schalke-Spiel stellte er demonstrativ Selbstvertrauen zur Schau, sprach offen darüber, dass sich das Team oben festbeißen will. Er macht die Eintracht nicht kleiner als sie ist, er lässt seine Jungs einfach von der Leine – und die sind kaum einzufangen.

Hütter spielt Angriffsfußball

Die Frankfurter Wucht erdrückt den Gegner förmlich, nimmt ihm die Luft zum Atmen. Hütter hat sein Team gnadenlos offensiv ausgerichtet, es spielt auch nach einer klaren Führung weiter nach vorne. Und er gibt seinen Spielern mehr Freiheiten, zwängt sie nicht in ein enges Korsett.

Vielleicht sind Profis wie Haller, Jovic, Rebic, um die auffälligsten Protagonisten zu nennen, auch deshalb deutlich besser als im vergangenen Jahr. Hütter traut sich was, bei Vorgänger Niko Kovac wäre es undenkbar gewesen, dass das Dreigestirn zusammen auf die Pirsch geht – flankiert von solch offensiven Flügeln.

„Unter Niko Kovac haben wir eine andere Philosophie vertreten. Er ist ein harter Arbeiter, da sind wir viel gelaufen“, sagt Jonathan de Guzman, „Jetzt laufen wir auch viel, aber wir verteidigen höher und mehr nach vorne. Wir warten nicht ab.“ Stattdessen nimmt die Eintracht das Heft des Handels in die Hand, stresst den Gegner, zuweilen attackieren und jagen sie den Kontrahenten mit sechs Mann tief in dessen Hälfte.

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