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Eintracht Frankfurt Eintracht Frankfurt hofft erneut auf Multi-Kulti-Erfolg

Der Sprachenwirrwarr sorgt bei Eintracht Frankfurt für manch kuriose Situation – soll am Ende aber wieder zu einer Erfolgsgeschichte werden.

Daichi Kamada und Jetro Willems
Japan gegen die Niederlande, Daichi Kamada (links) gegen Jetro Willems. Foto: Jan Huebner

Wenn der Trainer redet, müssen die Spieler schweigen. Zuhören, die Anweisungen aufnehmen, lieber keinen Mucks von sich geben. So ist das normalerweise üblich, doch nicht bei Eintracht  Frankfurt. Richtet Adi Hütter das Wort an seine Mannschaft, dann geht das rege Getuschel erst richtig los. Zwar leise, aber doch vernehmbar. Und das direkt vor den Augen des Österreichers. Der Grund: Nicht alle Spieler verstehen ihren Trainer.

Multi-Kulti: Markenzeichen von Eintracht Frankfurt

Nun ist es keine neue Erkenntnis, dass die Frankfurter einen Multi-Kulti-Ansatz verfolgen, längst ist dieser durch die Einkaufspolitik von Sportvorstand Fredi Bobic und Manager Bruno Hübner zu einem echten Markenzeichen des Pokalsiegers geworden. Spieler aus aller Herren Länder, die sich unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Sprache als verschworene Einheit präsentieren und sportlich gemeinsam Erfolg haben. So war es geplant und so wurde es in den vergangenen beiden Jahren erfolgreich umgesetzt. Jede Saison aufs Neue bringt vor allem das Sprachenwirrwarr aber auch einige zu bewältigende Aufgaben mit sich.

„Ich habe schon in Bern mit vielen verschiedenen Nationalitäten gearbeitet“, sagte Hütter vor drei Wochen bei seiner Vorstellung. Das sei alles kein Problem. Er wisse schon, „wie ich mir helfen kann.“ Unterstützung benötigt der 48-jährige Trainer, der seine Anweisungen auf dem Trainingsplatz fast durchweg auf Deutsch gibt und nur ab und an ins Englische ausweicht, aber doch. So wurde die Eintracht schon unter Hütters Vorgänger Niko Kovac ständig von Stephane Gödde begleitet. Ein sympathischer Mann, der viel lächelt und der mit seinem staksigen Beinen sofort zum Dolmetschen auf den Rasen eilt, wenn Hütter verbal loslegt.

Spieler von Eintracht Frankfurt lauschen Hütter und Gödde

Erteilt der Trainer seine Anweisungen, gibt es eine regelrechte Grüppchenbildung. Auf der einen Seite flüstert Gödde den Franzosen ins Ohr, was der Coach von ihnen sehen will. Der 18-jährige Evan N’Dicka, Neuzugang von AJ Auxerre, lauscht, nickt, lauscht und nickt wieder. Auch stecken Sebastien Haller und Simon Falette, die beiden anderen Franzosen, die schon ein Jahr in Frankfurt kicken, ab und an ihre Köpfe dazu. Auch sie mit identischer Reaktion: kollektives Nicken.

Ein ähnliches Bild nur zwei Meter weiter. Da formt sich die iberische Fraktion unter Anleitung von David Abraham zu einer kleinen Arbeitsgruppe. Der Eintracht-Kapitän – in Argentinien geboren, daher spanisch-sprechend und seit 2013 in Deutschland aktiv – übersetzt für die beiden Neuzugänge, Lucas Torro aus Madrid und Goncalo Paciencia aus Porto. Auch hier: synchrones Kopf auf- und absenken. „Ich denke, dass es mir leichtfallen wird, mich einzugewöhnen“, sagte der Portugiese Paciencia vor einigen Tagen in seinem ersten Interview auf deutschem Boden. Und in drei Monaten werde er bestimmt weniger Hilfe benötigen.

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