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Eintracht Frankfurt Eine Frage des Gespürs

Wie Trainer Adi Hütter die Eintracht durch das kommende Mammutprogramm führen sollte.

Eintracht Frankfurt
Gibt die Richtung vor: Eintracht-Chefcoach Adi Hütter. Foto: dpa

Zuweilen ist es so, dass die Bundesligatrainer der sogenannten Länderspielpause mit einiger Ratlosigkeit gegenüberstehen. Die meisten Stammkräfte tummeln sich irgendwo quer über den Kontinent oder den Erdball verteilt, während sich auf dem Trainingsplatz der Klubs eine versprenkelte Gruppe leicht uninspiriert der Ballarbeit widmet.

In Frankfurt, bei der Eintracht, verhielt es sich in der Vergangenheit genau so, viele Nationalspieler waren mit ihren Länderauswahlen auf Reisen, ein reguläres Training nur bedingt möglich. In diesem Spätsommer ist das anders, Trainer Adi Hütter kann hochwertige Einheiten mit allen Facetten anbieten, denn Eintracht Frankfurt hat nur vier Spieler entsendet, von denen einer, der streikende dänische Torwart Frederik Rönnow, schon wieder da ist, und ein anderer, Luka Jovic, bisher sowieso nur Ersatz war. Lediglich der Israeli Taleb Tawatha und der Serbe Filip Kostic standen zuletzt auf dem Feld, als die Bremer die Frankfurter in der Nachspielzeit so böse auf die Bretter schickten. Volle Kapelle am Main also. Das ist gut so.

Adi Hütter hat viel Arbeit vor der Brust

Denn für Coach Hütter gibt es einiges aufzuarbeiten und vorzubereiten. Vor der Eintracht liegen intensive, strapaziöse und wichtige Wochen, satte sieben Pflichtpartien in nur 24 Tagen. Ein Mammutprogramm. Das bedeutet, dass die Mannschaft alle drei, vier Tage ran muss, zunächst in einer Woche in Dortmund, dann in der Europa League in Marseille, schließlich zu Hause gegen Leipzig, in Gladbach, gegen Hannover, international gegen Rom und schließlich in Hoffenheim. Anschließend, am 8. Oktober, verabschiedet sich die Bundesliga in die nächste Länderspielpause – und Eintracht Frankfurt wird dann etwas klarer sehen, wo das erneut umgebaute Team steht, wie es um die Leistungsfähigkeit bestellt ist. Insofern sind die anstehenden Wochen von einiger Bedeutung.

Hütter ist sich dessen bewusst, er muss das Training so steuern und dosieren, dass die Mannschaft unbeschadet und möglichst frisch durch die kommenden Begegnungen kommt. Ein Problem dabei: Zeit, taktische Kniffs einzustudieren, gibt es kaum, weil die meisten Einheiten eher regenerativer Natur sein werden. Das bringt der Spielplan so mit sich.

Und Hütter muss ein Gefühl für die Situationen entwickeln, die richtige Balance finden. Der Österreicher wird als Stratege und Moderator mit pädagogischem Geschick gefragt sein und versuchen müssen, die Akteure aus der zweiten Trainingsgruppe wieder so einzubinden, dass er ihnen eine faire Chance zugesteht, aber gleichzeitig nicht an Glaubwürdigkeit verliert. Der Grat ist schmal. Denn Spieler erst auszusortieren, weil sie ja für nicht gut genug befunden wurden und verkauft werden sollten, um sie dann wieder einzugliedern, als wäre nichts gewesen – das ist nur mit allerlei Verrenkungen möglich. Die Eintracht ließ dazu sogar eigens über Twitter ein entsprechendes Zitat ihres Trainers verbreiten.

Andererseits wäre der 48-Jährige gut beraten, diesen Profis einen echten Neubeginn zuzugestehen. Aus dem einfachen Grund, weil der Kader, der vormals so aufgebläht wirkte, ein wenig (zu) schlank erscheint. Zieht man Langzeitverletzte und Nachwuchsakteure ab, so stehen dem Coach 17, 18 Feldspieler zur Auswahl – ohne die jetzt wieder aufgenommenen Akteure, die, davon mal abgesehen, sicher über ein höheres Niveau verfügen als so mancher Neuzugang. 18 Profis – das ist für das vor der Eintracht liegende Pensum nicht gerade üppig.

Eintracht-Reservisten warten auf ihre Chance

Zumal für einige Positionen keine echte Alternativen zur Verfügung stehen, rechts hinten ist nur Danny da Costa am Start, auf der anderen Seite zumindest in den kommenden drei Bundesligapartien Taleb Tawatha. Hütter muss entsprechend zusehen, einen Dauerbrenner wie da Costa nicht zu verheizen, ihm also womöglich Verschnaufpausen im Training einräumen.

Für andere, einen Akteur wie Nicolai Müller etwa, sind die vielen Aufgaben von Vorteil. Der Rechtsaußen braucht nach einer fast einjährigen Pause aufgrund eines Kreuzbandrisses Wettkämpfe und Spielpraxis, um in die Nähe seines alten Levels heranzureichen. Bislang blieb der fast 31-Jährige auffällig blass. Hütter wird überdies seine kreative Zentrale mit Leben füllen müssen, ohne Not auf einzelne Spieler zu verzichten, wäre da eher kontraproduktiv.

Durch das straffe Programm werden einige Fußballer zu Einsätzen kommen, die bislang noch nicht aktiv waren: Marco Russ beispielsweise oder der zuvor ausgebootete Simon Falette. Es ist nicht zu erwarten, dass der blutjunge, aber bisher so abgezockt auftretende Evan Ndicka, 19, alle Spiele am Stück absolvieren wird. Und auch vorne dürfte Luka Jovic irgendwann zum Zug kommen. Der Serbe, mit ungeheuer viel Potenzial und einem ausgeprägten Torinstinkt gesegnet, hatte zuletzt schon merklich Frust geschoben.

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