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Eintracht Frankfurt Eine faire Chance

Eintracht Frankfurt darf trotz des Negativlaufs noch immer Hoffnung auf den Verbleib in der obersten deutschen Spielklasse haben.

Akribische Arbeiter: Niko und Robert Kovac. Foto: Stefan Krieger

Vor seinem Debüt auf der Trainerbank in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt wagte Niko Kovac eine kleine Hochrechnung. 27 Punkte waren vor der Partie in Mönchengladbach noch zu vergeben, und wenn die Eintracht die Hälfte holen würde, also 13, 14, dann wäre sie auf der sicheren Seite. Glaubt Niko Kovac. Eine Punktzahl von 37, 38 peilt der Fußballlehrer also an. „Das würde wohl reichen.“ Da regt sich kaum Widerspruch.

Nun, nach einem Spiel weniger, sind nur noch 24 Zähler zu ergattern, doch die Situation der Hessen hat sich wahrlich nicht verbessert, auf die Habenseite haben sie nämlich nichts hinzupacken können. Und die ganz große, die entscheidende Frage lautet: Weshalb sollte der Bundesligist vom Main aus den verbleibenden acht Begegnungen mehr als die Hälfte der zu erreichenden Punkte holen, wenn er zuvor in neun Partien ganze sieben Zähler erlangt hat?

Momentan nicht konkurrenzfähig

Die Frankfurter Mannschaft hat bisher von 26 Spielen ganze fünf gewonnen, seit acht Partien wartet sie auf einen Sieg. Und selbst wenn man davon ausgeht, dass auch schon elf, zwölf Punkte reichen würden, um sich zumindest in die Relegation zu retten, so erscheint es ein wenig rätselhaft, weshalb die Eintracht nun plötzlich so viele Punkte sammeln sollte. Es ist ja kein Zufall, dass die Hessen sehr viel mehr Spiele verlieren als gewinnen, es ist ein Ausdruck des derzeitigen Leistungsvermögens, und das ist ungenügend.

In der momentanen Verfassung, das muss man klar erkennen, ist die Eintracht nicht konkurrenzfähig. Im derzeitigen Zustand ist sie schlichtweg nicht bundesligatauglich. Gemeinsam mit dem Tabellenletzten Hannover 96 stellt der Verein aus dem Stadtwald in der Beletage ganz sicher die schwächste und labilste Mannschaft. Die Zahlen sprechen momentan gegen die Eintracht. Der Trend sowieso. Es bleibt die Hoffnung, die zwar zuletzt stirbt, aber irgendwann eben doch versiegen kann.

Was also bleibt der Eintracht?

Das Team von Trainer Niko Kovac wird darauf angewiesen sein, in einen halbwegs positiven Lauf zu rutschen. Das hört sich bei der momentanen Entwicklung fast schon realitätsfremd ab, doch es ist nicht gänzlich unmöglich. Generell gilt: Nur mit positiven Erlebnissen, nur mit Ergebnissen und ordentlichen Leistungen wird die Mannschaft überhaupt noch einmal die Chance haben können, die Wende herbeizuführen. Das klingt wie die Quadratur des Kreises, denn wie soll der Glaube und das Selbstvertrauen gestärkt werden, wenn auf dem Platz nichts klappen will und vieles, wenn nicht alles, gegen einen läuft?

Ein Ansatzpunkt könnte natürlich der neue Trainer sein, der in der Mannschaft gut ankommt, der vorneweg marschiert und die Spieler mitnimmt. Die Profis sind von ihrem neuen Vorgesetzten durchaus angetan, auch die erfahrenen Kräfte im Team bescheinigen dem 44-Jährigen eine akribische Arbeit, eine gute Ansprache und das nötige Feuer, um neue Impulse zu geben. Und da ist nicht nur von Motivationskniffs die Rede, deren Wirkung ja doch eher von kurzer Dauer sind. Nein, es geht vor allem um Inhalte, Erklärungen, Hinweise und taktische Ausrichtungen. Das Tagewerk des Brüderpaars Kovac ist eher sachlicher, punktueller und fußballspezifischer Natur.

Die Mannschaft folgt dem neuen Mann, das ist gut, aber ohnehin unabdingbar, um noch die Möglichkeit zu haben, sich aus dem Schlamassel herauszuziehen. Der Effekt des Trainerwechsels muss durch die fürwahr desolate Vorstellung in Mönchengladbach nicht total gebröckelt sein. Dazu war die Borussia zu stark, dazu war die Einflussnahme von Niko Kovac nach nur drei richtigen Trainingseinheiten zu kurz.

Wichtige Bonuspunkte

Ein weiterer Aspekt, der für die Eintracht sprechen könnte, sind die übrigen Gegner. Das Restprogramm ist sicher nicht ohne, die Eintracht muss noch gegen Bayern, Leverkusen, Mainz und Dortmund ran – das sind Klubs, die weit oder ganz oben in der Tabelle stehen. Da hängen die Trauben sicherlich ähnlich hoch wie in Mönchengladbach. Es ist nicht zu erwarten, dass die Frankfurter in diesen Begegnungen die Punkte holen, die sie benötigen. In München und gegen Dortmund sind die Frankfurter eigentlich chancenlos.

Und sollte in den anderen Begegnungen doch etwas herausspringen, etwa bei den leicht wankelmütigen Leverkusenern oder in einem emotional geprägten Nachbarschaftsduell zu Hause gegen Mainz 05, dann wären das eher Bonuspunkte. Die natürlich ungemein wichtig sein könnten.

Die übrigen Kontrahenten sind allesamt auf Augenhöhe. Schon am Samstag im Heimspiel gegen Schlusslicht Hannover 96 kann das erste Signal gesetzt werden. Ein Dreier gegen das glücklose Ensemble von Ex-Trainer Thomas Schaaf ist alternativlos. Das weiß jeder in Schwarzrot – vom Zeugwart bis zum Vorstandschef. Alles andere als ein Sieg wäre tabellarisch ein Desaster, aber auch für die sowieso schon miese Stimmung und den angeknacksten Glauben. Kein Punkterfolg in dreifacher Ausführung wäre fast schon der Knockout. Die Eintracht ist zum Siegen verdammt.

Ziel: Relegationsrang verteidigen

Anschließend warten noch Hoffenheim (aktuell wegen eines weniger erzielten Tores noch einen Platz hinter den Hessen), Darmstadt und Werder Bremen am letzten Spieltag. Das sind Mannschaften, die ebenfalls schwer in der Bredouille sind. Gerade die Lilien haben alles andere als einen Lauf, wenn die Eintracht noch eine Mannschaft abfangen kann, dann wohl am ehesten den Nachbarn vom Böllenfalltor – so scheint es zumindest.

In diesen Partien wird sich entscheiden, ob die Eintracht das rettende Ufer erreichen oder, besser gesagt, den Relegationsrang verteidigen kann. Nach Stand der Dinge ist Platz 16 nach 34 Spieltagen ein erstrebenswertes Ziel. Und es sind machbare Aufgaben, die auf die Frankfurter warten. Sie haben immer noch eine faire Chance. Trotz des kolossalen Negativlaufs. Die Eintracht wird in diesen Partien zeigen müssen, ob sie dem Druck standhält und ob das Team das Rüstzeug mitbringt, um diese Aufgaben zu lösen. Zweifel sind angebracht.

Wenn sie es nicht schaffen sollte, in diesen Endspielen gegen Teams auf Augenhöhe zu bestehen, dann ist der Gang in die zweite Liga nicht nur nicht abzuwenden, sondern auch mehr als verdient.

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