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Eintracht Frankfurt Ein Eintracht-Sieg für die Seele

1. UpdateBeim Europacup-Comeback gewinnt die Eintracht bei Olympique Marseille trotz Unterzahl in letzter Minute - dank Luka Jovic.

Luka Jovic trifft
Volle Konzentration für den entscheidenden Schuss: Luka Jovic trifft zum 2:1. Foto: Jan Huebner

Zum guten Schluss jubelten die Sportler in den schwarzen Hemden und auch die der Betreuer in den weißen Shirts, und zwar nicht nur ein bisschen, sondern total exaltiert, ja sie flippten förmlich aus. Das ist durchaus nachvollziehbar. Denn Eintracht Frankfurt hat sich nach fast fünfjähriger Absenz mit einem dicken Ausrufezeichen, ja mit einem Paukenschlag auf internationaler Bühne zurückgemeldet. Beim turmhohen Favoriten Olympique Marseille erkämpfte sich der Außenseiter aus Hessen doch tatsächlich die ersten drei Punkte in der Europa League, am Ende siegte die Eintracht mit 2:1 (0:1), nicht mal unverdient. 

Es war Edeljoker Luka Jovic, der zwei Minuten vor Schluss den Ball per Vollspann in die Maschen jagte und für einen kollektiven Jubelsturm der Gäste sorgte. Es war ein wichtiger, ein extrem wichtiger Erfolg, gerade für das Selbstwertgefühl und das Vertrauen in die eigene Stärke. Und er ist, auch das ist nicht hoch genug zu bewerten, in Unterzahl errungen worden. „Für die Seele war das Spiel und der Sieg richtig gut“, sagte Danny da Costa, der beste Frankfurter. „Wir haben eine Riesenmentalität gezeigt, die wird uns durch die Saison tragen.“

Nach genau 126 Sekunden erhielt die große Frankfurter Europa-Begeisterung aber erst mal einen empfindlichen Dämpfer, da waren es die hellwachen Südfranzosen, die die ganze schöne Vorfreude im Keim erstickten. Nach einer amtlichen Frankfurter Fehlerkette und einer Anfangsphase im Tiefschlaf war Lucas Ocampos einen Schritt schneller als Danny da Costa und schoss zum 1:0 ein, nach gerade mal zwei Minuten – sehr viel unglücklicher kann man kaum in ein Spiel starten, in ein Geisterspiel übrigens, das wirklich wie eines wirkte und eines europäischen Wettbewerbs einfach unwürdig war.

Früher Nackenschlag weckt Eintracht Frankfurt auf

Wer, wie die Uefa, auf die Idee kommt, seinen eigenen Wettbewerb mit diesen dämlichen und sinnfreien Kollektivstrafen zu unterminieren, der muss sich die Frage gefallen lassen, wie weit die hohen Herren von richtigem Fußball und echter Liebe zum Sport entfernt sind. Das, was sich da auf dem Rasen des mächtigen Stade Vélodrom abspielte, war grotesk und surreal. Wie da ein Fußballer das Gefühl bekommen soll, dass es wirklich um einen wichtigen Wettbewerb geht, ist nur schwer zu ergründen. „Es war sehr, sehr unheimlich“, befand da Costa. „Wie Ein Freundschaftsspiel“, assistierte Torwart Kevin Trapp. Und doch waren sich alle einig: „Der Sieg wäre schwerer zu erringen gewesen, wenn wir 60 000 Marseille-Fans gegen uns gehabt hätten“, sagte Vorstand Axel Hellmann stellvertretend. 

Für die Eintracht war der frühe Nackenschlag so etwas wie ein Wachmacher, fast im Gegenzug flitzte Danny da Costa los, passte flach in die Mitte wo Jetro Willems verpasste. Es war sehr viel schwerer, diese Chance auszulassen als sie zu verwerten. Doch es sollte nicht seine einzige Fehlleistung bleiben. 

Die Eintracht enttäuschte nicht, mühte sich redlich, auch besser nach vorne zu spielen. Deshalb hatte Trainer Adi Hütter auch die spielstärkeren Makoto Hasebe und Jonathan de Guzman in die Startformation beordert. Im Angriff waren die Hessen im ersten Abschnitt aber zu harmlos. 
Sie konnten sich bei Torwart Trapp bedanken, der einen Kopfball von Valere Germain um den Pfosten drehte (9.) und vor allem bei einem hanebüchenen Rückpass von Lucas Torro stark im Eins-zu-Eins gegen Germain reagierte (30.). Glück hatte er bei einem Freistoß von Payet, den er durch die rosafarbenen Handschuhe rutschen ließ (45.). Die Abwehrleistung ließ anfangs insgesamt zu wünschen übrig. 

Luka Jovic sorgt für gute Laune

Trainer Hütter schickte im zweiten Abschnitt Nicolai Müller für den indisponierten Mijat Gacinovic aufs Feld, das sollte sich lohnen. Müller führte sich gleich mal mit einem von OM-Keeper Yohann Pelé zur Ecke geklärten Schuss ein. Die sollte dann für durchdringenden Jubel bei der Eintracht-Delegation im Stadion führen: Nach de Guzmans Flanke donnerte Torro die Kugel per Kopf ins Netz (52.). Ausgleich. Die Eintracht hatte sich für einen couragierten und leidenschaftlichen Auftritt belohnt. 

Und hat sich dann um ein Haar wieder alles eingerissen, was sie sich mit allergrößter Mühe erkämpft hat. Erneut war es der schon für seine Aussetzer bekannte Jetro Willems, der seinem Team einen Bärendienst erwies. In der 59. Minute räumte er, schon gelb verwarnt, von hinten Payet ab, woraufhin er mit der Ampelkarte des Feldes verwiesen wurde. Eine abermalige Eselei, wie schon gegen Bremen, als er vom Platz flog. Auch wenn die Verwarnung schon eine harte Entscheidung von Schiedsrichter Matej Jug war. 

Dennoch: So langsam sollte sich der Niederländer mal fragen, wie viel Schaden er seiner Mannschaft noch zufügen will. Willems hat damit seine ohnehin geringen Chancen bei der heutigen Berufungsverhandlung vor dem DFB-Bundesgericht nicht großartig gesteigert. 
Die Eintracht spielte dessen ungeachtet   munter weiter offensiv mit. Nach einem Zuspiel von Haller war es wieder Müller, der mit einem Schuss an Pelé scheiterte (72.). Den Sieg tütete ganz zum Schluss Edeljoker Luca Jovic ein, der ein Zuspiel von Simon Falette humorlos ins Tor donnerte - und für gute Laune bei der Frankfurter Entourage sorgte. „Wir können halt Europa“, sagte ein strahlender Axel Hellmann. Erster Gratulant war übrigens DFB-Boss Reinhard Grindel. 

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