Lade Inhalte...

Eintracht Frankfurt Ein Bild des Jammers

Die Eintracht in der Abwärtsspirale – und wo ist der Ausweg? Man muss schon einigen Optimismus aufbringen, um bei den Hessen an eine Wende zum Guten zu glauben.

Sinnbildlich: Marco Russ am Boden. Foto: REUTERS

Und wieder hat Eintracht Frankfurt die Schotten dichtgemacht. Sogar beim lockeren Auslaufen am Montag schloss Trainer Armin Veh die Öffentlichkeit aus; auch Journalisten, die gegen Ende der Geheimtreffen für gewöhnlich immer noch mal für ein paar Minuten zuschauen und mit den Spielern sprechen können, waren nicht erwünscht. Am Donnerstag, nach dem Auswärtsspiel in Berlin, wird das Procedere so beibehalten. Alles streng geheim. Das Üben im Verborgenen ist schwer in Mode bei der Eintracht. Das Blöde: Es bringt nichts.

Am Sonntag mühte sich die Eintracht zu einem quälend langatmigen 0:0 gegen den FC Schalke 04. Damit haben die Frankfurter tatsächlich einen neuen Rekord aufgestellt: Sechs Nullnummern in einer Saison – das haben sie in ihrer bewegten Geschichte noch nie geschafft. In dieser verhunzten Spielzeit scheint alles möglich. Von den vergangenen fünf Partien endeten gleich drei 0:0 (in Augsburg, gegen Hamburg und Schalke) – das ist bezeichnend für die geballte Trost- und Harmlosigkeit. Eintracht Frankfurt gibt im Spätwinter 2016 ein Bild des Jammers ab.

Man muss schon einigen Optimismus aufbieten, um an die Wende zum Gute zu glauben. Klar kann es der Klub schaffen, die Klasse zu halten, direkt oder über die beiden Entscheidungsspiele. Doch die Hessen, die genauso wenig Punkte wie zuletzt vor neun Jahren aufweisen (damals auf Platz 17), können genauso gut sang- und klanglos absteigen. Das wäre keine große Überraschung mehr. Es wird von den Nerven abhängen, auch von Spielglück und sicher von der Konkurrenz. Sollten die übrigen Abstiegskandidaten – warum auch immer – einen Lauf bekommen und zumindest zu einem Zwischenspurt ansetzen, dann wäre es um die Eintracht sehr wahrscheinlich geschehen, dann könnte sie nicht mehr folgen.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Diese Mannschaft kann sich nur noch durchmogeln. Bisher ist das Team nicht auseinandergebrochen, das ist etwas, woran sich die Verantwortlichen festhalten können. Die Mannschaft rappelt sich jedes Mal wieder auf und nimmt einen neuen (vergeblichen) Anlauf. Es gibt keine Auflösungserscheinungen, und die Abwehr steht gut, die Schießbude ist verriegelt, die vielen Alleingänge auf das Frankfurter Tor sind weniger geworden.

Allerdings ist die spielerische Armut frappierend. Fußballerisch sind die Frankfurter ziemlich am Ende, da geht nicht mehr viel bis gar nichts. Diese Mannschaft ist in ihrem ganzen Auftreten so labil, dass ihr selbst ein irgendwie ergaunerter Erfolg (Stichwort dreckiger Sieg) wohl keinen großen Schub geben würde. Das alles ist höchst zerbrechlich, und das liegt in erster Linie daran, dass die Mannschaft gar keinen Plan hat, wie sie zum Erfolg kommen soll. Es ist kein Konzept zu erkennen, das ganze basiert auf Hoffnung und Zufall – und darauf, dass Alexander Meier vielleicht doch mal wieder ein Tor schießt. Ein anderer trifft ja sowieso nicht.

Rückläufige Entwicklung

Es ist keine Entwicklung erkennbar, sie ist sogar eher rückläufig. Im Grunde ist die Mannschaft wieder da angelangt, wo sie nach der Schlappe gegen Darmstadt stand. Das Spiel bleibt nach Schema F gestrickt, langatmig und schwerfällig.

Es ist wenig Überraschendes zu erkennen, Tempo sowieso nicht. Gegen Schalke gab es ein Paradebeispiel, als Alex Meier Mitte der ersten Hälfte – von Verzweiflung und mangelnden Anspielstationen getrieben – alleine gegen vier Schalker losdribbelte und immerhin noch einen Eckstoß herausholte. Seine Mitspieler waren im Zuckeltrab nachgerückt. Als Meier an der Eckfahne angekommen war, befanden sich seine Mitstreiter kurz hinter der Mittellinie. Dieser Mannschaft fehlt die Dynamik und die Power. Szabolcs Huszti, Marc Stendera und Marco Russ, drei der vier Mittelfeldspieler am Sonntag, sind für Bundesligaverhältnisse unterdurchschnittlich schnell, das macht sich bemerkbar.

Zudem machen Versagensangst und Verunsicherung die ohnehin schon diffizile Angelegenheit noch etwas schwerer. „Die Spieler wirkten, als hätten sie einen Rucksack auf“, konstatierte Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Und keiner in Sicht, der sie von der zusätzlichen Last befreit. Angst essen Seele auf.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Selbst lösbare Aufgaben stellen die Hessen vor ein Rätsel. Die Eintracht hat gegen einen gewiss nicht guten Hamburger SV nicht gewinnen können, und sie hat gegen einen erschreckend schwachen FC Schalke 04 kein Tor und keinen Dreier erzielen können. Da drängt sich unweigerlich die Frage auf, gegen wen die Eintracht überhaupt noch die erforderlichen Punkte holen will. Am Mittwoch bei den gefestigten Berlinern, die die Champions League ins Visier nehmen? Am Samstag gegen Ingolstadt?

Warum sollten die Frankfurter gerade gegen den höchst unangenehm zu bespielenden Aufsteiger was holen, wenn sie es nicht gegen brave und dankbare Gegner wie Schalke schaffen? Vorstandsboss Bruchhagen verweist darauf, die Heimspiele gewinnen zu müssen. Ingolstadt, Hannover, Hoffenheim, Mainz und Dortmund kommen noch in den Stadtwald, darunter sind lösbare Aufgaben – für ein Team in Normalzustand. Erschwerend kommt hinzu: Die dicken Brocken kommen noch: Hertha, Gladbach, Bayern, Leverkusen, Mainz und Dortmund – die ersten Sechs der Tabelle.

Das Problem ist zu einem Gutteil hausgemacht. Und da kommt Trainer Armin Veh ins Spiel, der vieles versucht, der kämpft ohne Ende, aber auch einige fragwürdige Personalentscheidungen trifft. Es ist, zum Beispiel, nicht mehr nachvollziehbar, weshalb er jedes Mal wieder Huszti aufstellt, der zu langsam ist und das Spiel mit seinen unsäglichen Alibipässen lahmlegt. Ohnehin muss man sagen, dass sich die Eintracht ihre fünf Wintereinkäufe – mit Abstrichen Marco Fabian und Yanni Regäsel – auch hätte sparen können. Marc Stendera schreit förmlich danach, mal eine Verschnaufpause zu erhalten. Doch dem Coach sind da ein Stück weit die Hände gebunden, weil er den Spielern aus dem zweiten Glied nicht vertraut und er sie für nicht gut genug hält. Da müsste er gegen seine Überzeugung entscheiden. Eine Zwickmühle, aus der es kaum ein Entrinnen gibt.

Die Eintracht kann sich nicht mehr viele Niederlagen erlauben, ihr Trainer ebenfalls nicht.  

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum