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Eintracht Frankfurt Die unheimliche Unzufriedenheit des Haris S.

Eintracht-Sportdirektor Hübner wird Seferovic zum Rapport bitten. Eine Geldstrafe steht im Raum, selbst ein Verkauf des Stürmers scheint nicht mehr ausgeschlossen.

Hatte auf der Tribüne immerhin einen prima Blick auf das Geschehen auf dem Rasen: Der zur Pause ausgewechselte Haris Seferovic. Foto: Heiko Rhode

Am Tag nach dem großen Knall zwischen Trainer und Stürmer übte Haris Seferovic auf dem Rasen im Schatten der Haupttribüne mit den Reservisten der Frankfurter Eintracht. Die Stammkräfte, die am Sonntagnachmittag den VfL Wolfsburg in einem wahren und nie für möglich gehaltenen Kraftakt in die Knie gezwungen hatten, verabschiedeten sich für eine kurze Runde per pedes in den Stadtwald. Alexander Meier, der große Held mit drei Toren, durfte sich schonen und im warmen Kabinentrakt behandeln lassen. Haris Seferovic aber musste mit den Ersatzspielern nach einem Trainingsspiel auf dem Kleinfeld noch einige knackige Spurts zurücklegen. Anschließend schoss er sogar freiwillig noch ein paar Bälle aus der Distanz aufs Tor. So, als sei nichts geschehen.

Doch als der 23-Jährige dann den Trainingsplatz verließ, da war ihm die Verärgerung noch deutlich anzusehen. Lust, ein paar Dinge ins rechte Licht zu rücken oder plausibel zu machen, hatte er nicht. Erst wimmelte er Eintracht-Sprecher Carsten Knoop mit einem energischen Kopfschütteln ab, und als ihn dann ein Journalist fragte, ob er denn zu den Vorkommnissen vom Vortag Stellung nehmen wolle, reagierte der Frankfurter Angreifer gar nicht. Er stellte auf Durchzug, stiefelte stoffelig weiter und blickte demonstrativ an den Reportern vorbei. Kann man so machen. Muss man nicht. Umgangsformen gehen anders.

Zumal es Trainer Armin Veh war, der seinen Stürmer nach einer grottenschlechten und lustlosen Leistung gegen Wolfsburg in der Pause vom Feld holte und ihn nach der Partie anzählte. „Wenn hier einer meint, seinen Egotrip ausleben zu müssen, dann soll er es machen. Aber nicht bei mir und nicht bei uns“, polterte Veh. „Irgendwann habe ich die Schnauze voll.“ Seferovic hatte am Sonntag schon beim Gang in die Kabine abfällige Handbewegungen in Richtung Trainerbank gemacht, anschließend war er in Windeseile aus der Kabine hinaus und hinauf auf die Tribüne geeilt, wo er sich die zweite Hälfte ansah. Fernsehkameras fingen den Schweizer Nationalspieler überdies schimpfend und wild gestikulierend auf den VIP-Plätzen ein.

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Der Auftritt des Spielers wird Folgen für ihn haben. Die Frankfurter Verantwortlichen werden dieses Verhalten nicht tolerieren und es sich nicht bieten lassen. Eine Geldstrafe steht im Raum. Wenngleich sich Sportdirektor Bruno Hübner zu etwaigen Konsequenzen nicht äußern wollte.

„Wir werden das intern abarbeiten“, bekundete der Manager. „Die Emotionen waren hoch. Aber das war natürlich ein Fehlverhalten.“ Zwar gebe es keine festen Vorgaben, wie sich ausgewechselte Spieler verhalten und wo sie die Partie ihrer Mitspieler anschauen sollen. Doch der Manager stellte klipp und klar fest: „Wir erwarten, dass ein Spieler Interesse hat, der Mannschaft die Daumen drückt und sich das Spiel bis zum Ende anschaut.“

Hübner kündigte an, dass der Stürmer zum Rapport müsse. „Es wird ein Gespräch geben.“ Veh habe seinem Spieler indes schon in der Halbzeitpause „deutliche Worte“ mit auf den Weg gegeben. Vermitteln müsse er, der Manager, zwischen Trainer und Spieler nicht. Veh ist ohnehin bedient, stinksauer auf den Akteur, der Coach wird keinen Schritt auf ihn zugehen. Dazu ist in der Vergangenheit zu viel vorgefallen, dazu nahm er das Enfant terrible zu oft in Schutz. Jetzt wird erst einmal Eiszeit herrschen.

Die Frage wird sein, ob Seferovic sich nun in die Schmollwinkel zurückziehen oder eine Reaktion zeigen wird. Hübner ist vom Auftreten des Schweizers enttäuscht. „Er hat ein sehr gutes erstes Jahr gehabt. Er muss sich jetzt aber wieder zu 100 Prozent einbringen – das macht er zurzeit nicht. Das ist nicht zufriedenstellend für uns alle.“

Der Spieler müsse lernen, seine Emotionen in den Griff zu bekommen oder eben in die entsprechenden Kanäle zu leiten. „Er hat eine unheimliche Unzufriedenheit in sich, wenn etwas nicht läuft. Das muss er ablegen, wenn er den nächsten Schritt machen will.“

Ob er den bei der Eintracht gehen wird? Auf die Frage nach einem möglichen Verkauf der Offensivkraft noch im Winter, wich der Sportchef aus: „Das muss man abwarten.“ Man müsse eine Nacht darüber schlafen, um dann mit kühlem Kopf und nicht mit heißem Herzen eine Entscheidung zu treffen. „Seine Reaktion war sicherlich aus der Enttäuschung heraus.“ Es schein jedenfalls nicht mehr unbedingt so, als würde Seferovic noch furchtbar lange in Frankfurt spielen. Schon in Abu Dhabi machte er Andeutung, wonach er den Klub womöglich im Sommer verlassen werde. Dann könnte die Eintracht – genauso wie jetzt – noch mal gutes Geld machen. Vor der Saison hat die Eintracht laut Hübner eine Offerte in Höhe von zehn Millionen Euro abgelehnt.

Der Sportdirektor weiß, dass die Eintracht den Spieler eigentlich braucht. Andererseits braucht man im Abstiegskampf keinen zusätzlichen Unruheherd. Schon jetzt ist er ein wenig besorgt, weil das heikle Thema diesen so eminent wichtigen Erfolg gegen einen „übermächtigen Gegner“ aus Wolfsburg in den Schatten stellt. „Wir müssen jetzt aufpassen, dass uns das nicht so lange beschäftigt, sondern positiv in die Zukunft blicken.“ Und da macht ihm die Reaktion des Teams nach der unterirdischen ersten Halbzeit Mut. „Es war viel Druck auf dem Spiel. Aber ich kann nur den Hut vor der Mannschaft ziehen, wie sie noch mal zurückgekommen ist.“ Allen voran Alexander Meier. „Er hat eine außergewöhnliche Qualität. Er ist zurecht unser Fußballgott.“

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