Lade Inhalte...

Eintracht Frankfurt Die Suche nach dem Resetknopf

Eintracht-Trainer Niko Kovac verlangt von seiner Mannschaft, „ganz schnell in die Spur zu kommen“. Marco Fabian wird noch längere Zeit fehlen.

Drei gegen einen, und der eine gewinnt: Michael Hector, Naby Keita, Makoto Hasebe und David Abraham (v.l.) stochern in Leipzig. Foto: Jan Huebner

Am Sonntag, bei erneut frostigen Temperaturen, hat sich der Frankfurter Trainer Niko Kovac erst gar nicht lange mit dem vergeigten Leipzig-Spiel aufhalten wollen. „Das Ding“, wie er sagte, hatte er schnell abgelegt, kein Wunder, er hat bis zum Spiel am Freitag gegen Schalke 04 noch ein paar andere Baustellen zu beackern. Gleich vier Spieler vom Stamm werden in Gelsenkirchen nicht dabei sein, „wir sind ein bisschen dezimiert“. Die gesperrten Lukas Hradecky und Ante Rebic, der in 388 Minuten bei neun Einsätzen (keine über 90 Minuten) bereits seine fünfte Gelbe Karte gesehen hat, sowie Szabolcs Huszti und Marco Fabian fehlen.

Der Ungar, der unter Achillessehnenproblemen leidet, sei zwar „auf dem Weg der Besserung“, an Spielen am Freitag sei aber nicht zu denken. Und Spielgestalter Fabian „wird noch einige Zeit brauchen“, bis er wieder auf dem Rasen steht. Der Mexikaner leidet laut Kovac an einer Entzündung im Lendenwirbelbereich. Deswegen war Fabian am Wochenende via Leipzig auch nach Berlin gereist, um sich dort beim Reha-Spezialisten Thomas Sennewald behandeln zu lassen, der auch in Abu Dhabi dabei war. Mit einer Spritzenkur versucht man, den 27-Jährigen fit zu bekommen. Kurzfristig ist mit ihm nicht zu rechnen. „Es ist schwierig, da etwas vorauszusagen.“ Womöglich ist die Bandscheibe in Mitleidenschaft gezogen.

Wie Kovac diese beiden Schlüsselpositionen künftig besetzt, lässt er offen. „Wir haben gute Spieler, die einspringen können. Sie sind gefordert. Ich weiß, sie werden ihre Chance nutzen.“ So furchtbar groß freilich ist sein Handlungsspielraum nicht. Gegen Leipzig hat er die Lücke im defensiven Mittelfeld mit Makoto Hasebe zu schließen versucht. Das ist, bei allen Abstrichen, die man bei diesem ungleichen Spiel machen muss, nicht gelungen, insbesondere deshalb nicht, weil Hasebe viel, viel wertvoller in der Verteidigung gewesen wäre. Denn eines hat sich gezeigt: Eine Dreierabwehrkette macht nur Sinn, wenn der spielintelligente Japaner den Part des freien Mannes in der Zentrale einnimmt. Hasebe bringt eine andere Note ins Spiel, er hat ein anderes Gespür für Situationen und eine hervorragende Antizipationsgabe. Er ist der Stratege, er kann ein Spiel lesen und es diktieren, Rhythmus und Tempo bestimmen. Ihm ist die Rolle des freien Mannes auf den Leib geschneidert.

Mit Ersatzmann Michael Hector in der Deckung kommt nur ein weiterer Vorstopper in die Partie, der aus einer robusten Zweikampfführung keinen Mehrwert fürs Team hat. Im Gegenteil, es macht keinen Sinn, mit drei gelernten Innenverteidiger aufzulaufen, wenn diese sich nicht oder nur bedingt an einem konstruktiven Spielaufbau beteiligen, weil sie fußballerisch nicht gut genug sind. Hector, die Leihgabe aus Chelsea, hat bisher nie wirklich überzeugen können, auch in Leipzig war er schwer um Orientierung bemüht. Zumal der Versuch mit dem Jamaikaner in der Abwehrmitte auch in Wolfsburg schon schiefging. Das Experiment sollte eingemottet werden. Und es spricht ja auch nichts dagegen, Ausfälle eins zu eins zu ersetzen: Für Huszti hätte auch Aymen Barkok oder Neuzugang Max Besuschkow beginnen können. Besuschkow wurde von Kovac am Tag vor der Partie ausdrücklich gelobt.

Dessen ungeachtet sieht der Trainer für Schalke nicht schwarz: „Schalke spielt einen anderen Fußball als Leipzig, sie lassen mehr Räume zu, da können wir uns fußballerisch besser präsentieren.“ Vor allem gehe es jetzt darum, „den Resetknopf zu drücken“ und „ganz schnell in die Spur zu kommen.“ Dass die Niederlage, die höchste in dieser Hinrunde, größere Auswirkungen auf die Psyche der Mannschaft haben werde, glaubt der Fußballlehrer nicht. „Das wirft uns nicht um.“ Er verlangt aber, dass man wieder „an den Anschlag“ komme. „Wir müssen in jedem Spiel 100 Prozent geben, dann können wir oben bleiben“, wenn nicht, werde es schwierig. Man sei nicht Bayern München, die „auch mit Halbgas zu Punkten kommen“.

Gutes Halbjahreszeugnis

Zwar stellte Kovac seinem Team ein „gutes“ Halbjahreszeugnis aus, aber „das befähigt einen nicht, die nächste Klasse zu erreichen“. Wenn die Eintracht nicht immer ihr Level erreiche, bekomme man Probleme; deshalb werde man weiterhin nicht an der Zielsetzung rütteln, 40 Punkte zu holen. Die Hessen stünden zwar oben im Klassement, man sei aber nicht so stark, wie die Teams, die dauerhaft in diesen Gefilden spielen. „Die anderen Team jagen uns“, sagt Kovac.

Insofern sei diese deutliche Niederlage vielleicht „gar nicht so schlecht“, findet Kovac, der so verdammt ungern verliert. Sie dürfte die Aufmerksamkeit erneut geschärft haben, dürfte den Blick aufs Wesentliche wieder freigelegt haben. Und womöglich ist auch ein Stück weit Ernüchterung eingetreten. Im Endeffekt, sagte der Coach am Sonntag, ehe er sich ins Büro zurückzog, um den kommenden Gegner zu analysieren, sei eine 0:3-Schlappe womöglich heilsamer als drei 0:1-Niederlagen. Vor allem gelte eines: „Wir dürfen jetzt nicht nachlassen.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen