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Eintracht Frankfurt Die Hasebe-Falle

Makoto Hasebe nimmt seinen langen Ausfall selbst mit philosophischer Gelassenheit - die Eintracht bringt seine Verletzungen in Schwierigkeiten.

Makoto Hasebe
Ende, Aus, Feierabend: Makoto Hasebe knallt gegen den Pfosten und verletzt sich am Knie. imago Foto: imago

Makoto Hasebe, ein kluger Kopf mit philosophischem Hintergrund, ist kein Mensch, der mit dem Schicksal hadern würde. Nein, der Mittelfeldspieler der Frankfurter Eintracht glaubt an Bestimmung und dass alles so kommen wird, wie es kommen soll. Also schreibt der 33-Jährige nun in die Weiten der virtuellen Welt hinein: „Alles im Leben hat seinen Sinn!“ Man sieht ihn in einem Krankenbett sitzen, hinter ihm hängen zwei Trikots an der Wand: das der japanischen Nationalmannschaft und das der Frankfurter Eintracht. Hasebe lächelt.

Der 33-Jährige hat sich seine Zuversicht und seine positive Ausstrahlung nicht nehmen lassen, obwohl er erst einmal einen kleinen Genickschlag hinnehmen musste. Denn die Verletzung, die er sich in München bei seinem Zusammenprall mit dem Torpfosten zuzog, ist eine durchaus schwerwiegende. Der Nationalmannschaftskapitän Nippons ist unter der Woche in seiner Heimat am Knie operiert worden, ein freier Gelenkkörper ist entfernt und der Knorpel geglättet worden. Hasebe wird bis Saisonende ausfallen. Mindestens.

Die Diagnose war nun letztlich keine große Überraschung mehr, weil Bänderverletzungen bei einem Zusammenstoß dieser Art doch eher selten sind, deshalb war insgeheim schon von einer Absplitterung und einem Knorpeldefekt die Rede gewesen. Ein Knorpelschaden, dies ist die schlechte Nachricht, zählt zu den schwersten Knieverletzungen überhaupt. Allerdings ist immer die Frage, zu welchem Grad der Knorpel beschädigt wurde. Da gibt es sehr wohl feine Unterschiede, die große Auswirkungen haben können.

Wenn es gut läuft, wird Hasebe der Eintracht in der Vorbereitung auf die neue Saison wieder zur Verfügung stehen. „Ich gehe fest davon aus, dass ich dann wieder dabei sein werde“, sagt der Routinier, der sich eigens bei Trainer Niko Kovac bedankt. „Er hat bei dieser Entscheidung zuerst an meine Karriere gedacht.“ Unmittelbar vor dem HSV-Spiel vor einer Woche war durch eine MRT-Aufnahme bekannt geworden, dass sich Hasebe schwerer verletzt hat als zunächst angenommen. Der Allrounder wollte dennoch spielen und seine Mannschaft nicht im Stich lassen, doch Trainer Kovac winkte umgehend ab. „Das Risiko war zu groß.“

Für die Eintracht ist der Ausfall des Taktgebers ein Schlag ins Kontor, auch wenn die Verantwortlichen in dieser Saison nicht mehr mit Hasebe gerechnet hatten. „Sein Ausfall trifft uns sehr hart“, sagt Sportdirektor Bruno Hübner. Auch deshalb, weil Hasebe über eine ungeheuere Spielintelligenz verfügt, den Rhythmus und das Tempo des Spiels bestimmen kann. Er wird intern in höchstem Maße wertgeschätzt, gilt als ausgleichendes Element und wichtig fürs Binnenklima.

Vor allen Dingen aber hat er in dieser Saison eine neue Rolle gefunden, blühte als freier Mann der Dreierkette förmlich auf. Als Libero neumodischer Prägung hatte er entscheidenden Anteil am Frankfurter Höhenflug in der Hinserie, er prägte das Spiel, verlieh der Defensive die nötige Stabilität. Seine besten Spiele machte er gewiss als zentrales Glied der Abwehrkette.

Die ist schon längere Zeit auseinandergerissen. Mal war David Abraham unpässlich, dann fiel Jesus Vallejo mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel für einige Wochen aus, jetzt hat es Hasebe erwischt. Auch diese Inkonstanz in hinterster Linie ist ein Grund für den Absturz der Eintracht. Zumal in Michael Hector ausgerechnet der Verteidiger immer spielen konnte und musste, der sicher nicht auf dem hohen Level wie seine Nebenleute agiert.

Doch wie geht es nun weiter? Wird Kovac an der Dreier- oder eben Fünferkette festhalten? Marco Russ hat vor acht Tagen Hasebes Posten übernommen, seine Sache ordentlich gemacht, aber die Rolle doch sehr viel defensiver und vorsichtiger als der Japaner interpretiert. Das ist wenig verwunderlich, Russ war nach seiner Krebserkrankung noch gar nicht dafür vorgesehen, schon wieder in der Startelf zu stehen. Oder aber Kovac vertraut mal wieder der Viererkette, die völlig aus der Mode gekommen zu sein scheint. Wenn Vallejo und Abraham voll auf der Höhe und topfit sind, kann man beiden locker zutrauen, ihren Mann ohne zusätzliche Absicherung zu stehen. Und die Eintracht hätte einen zusätzlichen Mann mehr im Mittelfeld.

Dort ist ja eigentlich Hasebes angestammte Position, und auch dort wird er fehlen. In Omar Mascarell hat Kovac nur noch einen nominellen „Sechser“, weshalb er vielleicht erwägen sollte, das System umzustellen. Mijat Gacinovic hat auf der zweiten zentralen Mittelfeldposition nun auch schon lange genug gezeigt, dass er nicht die Lösung sein kann. Diese Variante gehört eingemottet.

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