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Eintracht Frankfurt Die große Ungewissheit

Die kritische sportliche Situation und das Fehlen einer erstklassigen Perspektive lähmen Eintracht Frankfurt in einer wichtigen Planungsphase. Nach Nerlinger sagt auch Metzelder ab.

Christian Nerlinger mag nicht der Nachfolger von Bruchhagen werden. Foto: REUTERS

Der erste Ball war am Samstag kaum gespielt, da hatte Eintracht Frankfurt schon die nächste Niederlage einstecken müssen. Über den Bezahlsender Sky informierte Ex-Profi Christoph Metzelder, dass er nicht willens sei, das Angebot des hessischen Bundesligisten anzunehmen, im Sommer in die Fußstapfen des ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen zu treten. Das kam der Eintracht bekannt vor: Schon Mitte der vergangenen Woche hatte Christian Nerlinger, einstmals Manager bei Bayern München, der Eintracht einen Korb gegeben. Beide gehörten zum ganz engen Favoritenkreis derer, die Bruchhagen beerben sollen. Mit beiden waren schon gute Gespräche geführt worden. Beide freilich winkten dankend ab. Und es ist ein offenes Geheimnis, dass beide wohl eher nicht abgesagt hätten, wenn Eintracht Frankfurt auf einem achten oder neunten Platz gestanden hätte.

Und es spricht auch nicht viel dafür, dass die anderen Kandidaten, die ja jetzt ohnehin wissen, nur dritte Wahl zu sein, nun sofort zusagen werden. Jeder möchte doch vor allem wissen, in welcher Liga er am 1. Juli seine Arbeit als Sportvorstand aufnehmen soll. Zwar hat Vereinspräsident Peter Fischer vom Hauptausschuss gesagt, ein „K.o.-Kriterium“ sei, wenn ein Kandidat abwarten wolle, „ob wir Siebter oder 17. sind“. Aber als Tabelle-16. ist es deutlich schwerer, jemanden zu finden.

Die momentane Krise des Klubs erschwert die mittelfristigen Planung in erheblichem Maß. Im Grunde ist momentan alles in der Schwebe, nichts geht voran, weil ja keiner seriös vorhersagen kann, in welcher Liga die Eintracht ab Sommer spielen wird. Die Idee, mittels Genussscheinen zehn Millionen Euro aufzutreiben, ist wegen mangelnder Erfolgsaussichten bereits in der Schublade verschwunden. Das Ausgeben dieser Papiere hätte gegenwärtig keinen Sinn gemacht, musste Aufsichtsratsboss Wolfgang Steubing vor Wochen zerknirscht einräumen. Da war die Lage sogar noch rosiger.

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Bis zum 15. März muss die Eintracht die Unterlagen für die Lizenz bei der DFL eingereicht haben. Dieses Mal wird man ein besonderes Augenmerk auf die Dokumente für die zweite Liga richten müssen. Ein Abstieg, der nach FR-Informationen den Verein mehr als die vom Boulevard kolportierten 70 Millionen Euro kosten würde, ist derzeit näher als der Klassenverbleib.

Vor allem auf dem Sektor der Fernsehgelder würde die Eintracht einen richtig schmerzhaften Einbruch erleben. Gerade jetzt, da ein neuer TV-Vertrag ausgehandelt wird, der den Erstligisten erhebliche Mehreinnahmen bringen soll. Wirtschaftlich und damit auch sportlich würde ein Abstieg den Klub wieder weit zurückwerfen. Wieder würde man viele Jahre benötigen, um – wenn es gut läuft – auf den Stand von 2016 zu kommen. Und sicher ist ja allemal nicht, dass ein sofortiger Wiederaufstieg gelingt.

Im Augenblick ist somit alles darauf ausgerichtet, das Schlimmste irgendwie noch zu verhindern. Das lähmt den Klub. Es herrscht eine große Ungewissheit. Kein Mensch weiß im Moment, mit welchem Kader etwa für die nächste Saison geplant werden kann. Das macht die Sache so kompliziert. Sportdirektor Bruno Hübner muss erst dringendere Baustellen zuschütten, muss auf die Schnelle eine Trainer auftreiben. Gespräche mit potentiellen Spielern für die nächste Saison muss er hinten anstellen. Das macht seine Aufgabe nicht leichter. Aber eigentlich müssten jetzt Pflöcke eingeschlagen werden für die neue Saison.

Es wird eine Menge Themen geben, heute Abend bei der Aufsichtratssitzung. Immerhin ist eines vom Tisch: Bruchhagen muss seine Nibelungentreue zum Trainer nicht verteidigen.

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