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Eintracht Frankfurt Der tiefe Fall des Haris S.

Eintrachts Stürmer Haris Seferovic erlebt in der Rückrunde einen beispiellosen Absturz. Der Grund dafür bleibt ein kleines Rätsel.

Am Boden: Haris Seferovic nach dem Spiel gegen Mönchengladbach. Foto: dpa

In dieser Woche vor dem wahrscheinlich wichtigsten Spiel der Saison gegen den Tabellenletzten Hannover 96 wird sich der neue Frankfurter Trainer Niko Kovac vornehmlich der Offensive widmen. In seinen ersten Tagen im Klub hat er sich zunächst um abwehrende Mechanismen gekümmert, was aber nicht sonderlich von Erfolg gekrönt war. Eintracht Frankfurt spielte allerdings bei Borussia Mönchengladbach, da kann auch schon mal was danebengehen. Gegen Hannover 96 gibt es nun keine Alternative mehr: Nur ein Sieg hilft.

„Wir haben jetzt eine Woche Zeit, etwas einzustudieren“, sagte der auf links versetzte Rechtsaußen Stefan Aigner, und diese Tage wolle man intensiv nutzen: „Wir müssen uns zusammenraufen.“ Eintracht Frankfurt muss dringend eine Lösung finden, um die erschreckende Harmlosigkeit im Angriff zu beenden. Da trifft es sich, dass Stürmer Luc Castaignos nach seinem Syndesmosebandriss und vier Monaten Pause zurück auf dem Rasen ist, wenn auch zunächst für vier Minuten. Aber auf ihn kann Niko Kovac auf Sicht nicht verzichten. Mit vier Toren ist der Niederländer, trotz seiner langen Zwangspause, hinter Alex Meier immer noch zweitbester Frankfurter Schütze. Das lässt tief blicken.

Ein schnelles Comeback des 23-Jährigen ist auch deswegen von einiger Wichtigkeit, weil Haris Seferovic zum Problem geworden ist.

Der Auftritt des Schweizer Nationalspielers mit bosnischen Wurzeln am Samstag in Mönchengladbach war eine einzige Zumutung. Da wirkte er lustlos, pomadig, arbeitete wenig nach hinten, attackierte die Aufbauspieler Gladbachs kaum. Dazu, und das macht die ganze Sache zusätzlich ärgerlich, gestikulierte er ständig, lamentierte mit den Mitspielern, wenn er nicht gleich den Ball zugespielt bekam. Doch wenn er ihn mal hatte, war er auch gleich wieder weg. Er spielte die meisten Fehlpässe aller eingesetzten Spieler. Dass Niko Kovac hinterher seine Laufbereitschaft lobte, sie „auf hohem Niveau“ verortete, kann nur taktische Gründe gehabt haben. Streng genommen hätte der 24-Jährige spätestens zur Pause ausgewechselt werden müssen. Eine solch fahrige Leistung muss man sich als Coach eigentlich nicht gefallen lassen.

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Es war der alte Trainer Armin Veh, der zuvor schon mit Haris Seferovic aneinandergeraten war. Im ersten Rückrundenspiel gegen den VfL Wolfsburg nahm er den Stürmer zur Pause und beim Stand von 0:1 aus der Partie. Weil er nicht für die Mannschaft arbeitete und schlecht spielte. Seferovic setzte sich demonstrativ auf die Tribüne statt, wie üblich, auf die Ersatzbank. Veh sagte später, er habe „die Schnauze voll. Wir sind kein Ego-Trip.“ Danach spielte der Schweizer trotz großer Abstiegsnot zunächst nicht mehr, kam nur zu Kurzeinsätzen und schien sich nach einem couragierten 45-Minuten-Auftritt gegen den HSV gefangen zu haben.

Der Rauswurf während des Wolfsburg-Spiels war aber nur der sichtbare Höhepunkt eines schwelenden Zwists. Schon zuvor war Veh nicht zufrieden mit den Vorstellungen des Stürmers gewesen. Schon im Trainingslager in Abu Dhabi kam es wegen Seferovics Verhaltens zu Irritationen. Ohnehin hat Trainer Veh der etwas unstete und nicht immer professionelle Lebenswandel nicht gefallen.

Abgang im Sommer ist wahrscheinlich

Trotz alledem stellte er ihn immer wieder auf und nahm ihn auch vor Kritik in Schutz, etwa nach einem desaströsen Auftritt in einem Testspiel in der Winterpause gegen Eintracht Braunschweig. In der Hoffnung, irgendwann würde Seferovic wieder funktionieren. Außerdem gab es kaum einen anderen Stürmer. Er sei auf ihn angewiesen, sagte Veh zähneknirschend. Auch dann noch, als er ihn schon öffentlich angezählt hatte.

Warum Haris Seferovic seit der Winterpause aber so neben den Schuhen steht, ist nicht klar. Will er den Klub, wo er einen Vertrag bis Juni 2017 besitzt, verlassen? Hat ihm ein millionenschweres Angebot den Kopf verdreht? Als ziemlich sicher gilt, dass sich die Wege im Sommer ohnehin trennen werden.

In der Hinrunde spielte er zumindest noch passabel. Er erzielte zwar nur drei Tore, das ist für einen Stürmer nicht berauschend, er bereitetet aber sechs vor. Gerade im letzten Hinrundenspiel gegen Werder Bremen vergab er Möglichkeiten am laufenden Band, aber wenigstens hatte er Chancen. Und nach dem 6:2-Triumph in der Hinrunde gegen den 1. FC Köln mit Toren von Meier (3), Castaignos (2) und Seferovic war gar schon ein neues „magisches Dreieck“ ausgerufen. Seferovic gehörte dazu.

Klar: Der Schweizer konnte nicht an das überragende Vorjahr anknüpfen. Da schaffte er es in seiner ersten Bundesliga-Saison, zehn Tore zu schießen und acht Vorlagen zu geben. Er war wertvoll für die Mannschaft, machte schwierige Bälle fest, ackerte für das Team. „Ich bin ein ekliger Spieler“, bezeichnet sich Seferovic im FR-Interview einmal selbst. Das traf zu, denn er spielte mit Haken und Ösen und immer mit vollem Körpereinsatz.

Davon ist er momentan meilenweit entfernt. Nachzuvollziehen ist der tiefe Fall des Haris S. nicht, denn im Sommer wird die EM in Frankreich angepfiffen, Seferovic will unbedingt dabei sein. Mit der momentane Vorstellung dürfte das nicht sicher sein, zumal Nationaltrainer Vladimir Petkovic jüngst in Frankfurt weilte und sich über den Leistungsstand seines Spielers informierte.

Aber vielleicht ist es so, wie immer in der Karriere des Haris Seferovic, der mit 24 Jahren binnen sieben Jahren schon für fünf Klubs in vier Ländern spielte: In der ersten Zeit trumpfte er stets auf, um dann stark nachzulassen.

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