Lade Inhalte...

Eintracht Frankfurt Der Partypräsident

Matthias Ohms war eine schillernder Figur - und die Mannschaft so erfolgreich wie lange nicht.

Das waren Zeiten: Andy Möller und Matthias Ohms an der Hauptwache. Es war die erfolgreichste Epoche der letzten Jahrzehnte. Foto: Imago

Es gibt dieses eine Bild, ein Bild, das mehr sagt als viele Worte. Es zeigt Matthias Ohms in einem Büro, auf dem riesengroßen Schreibtisch steht eine ganze Batterie von Telefonen mit Schnur, und Matthias Ohms hat mindestens drei Hörer am Ohr. So stellt man sich einen erfolgreichen Investmentbanker vor. Und so war es seinerzeit ja auch gewesen. Heute hat sich der Mann, einer der schillernsten Präsidenten, die Eintracht Frankfurt je gehabt hat, längst zur Ruhe gesetzt, er ist mittlerweile auch schon 70 Jahre alt, das Haar weiß, und er lebt eher zurückgezogen in Bad Vilbel.

Er war Mitte der 1980-er Jahre ganz oben, einer der führenden Bänker mit einem Tagesumsatz von mehr als fünf Milliarden Dollar. Davon erzählt er, wenn er gefragt wird, noch heute mit hörbarem Stolz. Die Bundesbank gehörte zu seinen Kunden. Da kamen solche Summen schnell zusammen. 800 000 Mark hatte er im Monat allein an Telefonkosten, Standleitungen bestanden zu allen wichtigen Banken. Er hat die guten, alten Zeiten erlebt, als an der Börse das Telefon das wichtigste Hilfsmittel war, als die Devisenhändler die Stars auf dem Parkett waren. Anfang der 70-er Jahre hat er begonnen, die klassische Karriere: Banklehre, Devisenhandel, Makler, dann hat er sich selbständig gemacht und 1973 die Firma eines Maklers gekauft. Bis 1991 war er im Geschäft, dann hat er seine Firma in der Schillerstraße verkauft und war ins Private gewechselt.

Kein Kind von Traurigkeit

Und doch steht Matthias Ohms immer noch um 5 Uhr morgen auf. Das habe er beibehalten, zu dieser Zeit hat er als Bänker den Tag beginnen lassen, immer mit Blick auf die Börsen in New York oder Tokio. „Dafür gehe ich aber auch schon um 22 Uhr, 22.30 Uhr ins Bett“, sagt er.

Das war früher auch anders. Früher ist er da oft erst losgezogen, hat die Nacht zum Tag gemacht. Ja, Matthias Ohms wusste zu feiern, er war ganz sicher kein Kind von Traurigkeit. Auch Schlagzeilen in der Regenbogenpresse über allerlei Skandälchen und private Affären und Parties mit Personen aus der Rotlichtszene sind untrennbar mit seinem Wirken als Eintracht-Präsident verbunden. Ein Lebemann? Diesen Ausdruck hört der dreimal verheiratete Matthias Ohms nicht gerne. „Ich war kein Lebemann. Mein Leben war nur anders als das eines Bäckers, Schneiders oder Handwerkers.“ Der „Spiegel“ schrieb mal über diese Zeit: Unter Führung von Ohms ging „Frankfurts Geldadel mit dem Nachtadel eine fatale Kumpanei ein“. Die negativen Schlagzeilen, das Gerede um seinen Lebenswandel hat ihn nie sonderlich beeindruckt: „Wenn man in meinem Metier gearbeitet hat, dann prallt so was an einem ab. Wenn ich mir das alles zu Herzen genommen hätte, hätte ich den Riederwald nach zwei Jahren weinend verlassen müssen“, erzählt Ohms.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Unstrittig ist aber auch: Unter einem Präsidenten Matthias Ohms erlebte die Frankfurter Eintracht ihre erfolgreichste Zeit der jüngeren Vereinsgeschichte. Von 1988 bis 1996 war Ohms Präsident, in diese Zeit fielen das gewonnene Relegationsspiel gegen den 1. FC Saarbrücken und dann der Aufstieg unter die ersten Fünf der Tabelle. „Wir waren fast jedes Jahr im Uefa-Pokal“, erinnert er sich. Er war es auch, der 1983, als der Klub zahlungsunfähig war, der Eintracht (gemeinsam mit dem Immobilienmakler Gernot Gaulke) kurzfristig einen Kredit in Höhe von 1,1 Millionen Mark zur Verfügung stellte, um die erforderliche DFB-Lizenz zu bekommen. Ab da saß der gebürtige Hannoveraner im Verwaltungsrat. Und Ohms war es, der dem „Neun-Tage-Präsident“ Joseph „Speedy“ Wolf nachfolgte, nachdem er ihm in einem denkwürdigen ZDF-Sportstudio vorgeworfen hatte, „Leichen im Keller“ zu haben. Sylvia Schenk übrigens war es, die Ohms für das Präsidentenamt vorgeschlagen hatte. Er sowie Bernd Hölzenbein als Vize und Wolfgang Knispel als Schatzmeister führten ab dem 29. November 1988 die Geschäfte.

Unter seiner Ägide wurde die Diva schillernd. Es kamen die Trainer Jörg Berger, Dragoslav Stepanovic und Klaus Toppmöller, bald spielten Uli Stein, Andreas Möller, Tony Yeboah, Jay-Jay Okocha und Uwe Bein und die Eintracht einen zeitweise berauschend schönen Fußball und scheiterte grandios in Rostock im Mai 1992. Damals befand sich die Eintracht auf Augenhöhe mit dem FC Bayern. Es war eine Zeit, in der viel möglich war, es war auch eine Zeit, in der „die Kompetenzen für einen Präsidenten großzügiger“ geregelt waren als heute, sagt Ohms. Damals schaute kein Aufsichtsrat dem Treiben der leitenden Herren auf die Finger. Es ging ja praktisch nur bergauf. „Es war eine wunderbare, schöne Zeit. Ich habe viele gute Erinnerungen daran“, sagt Ohms heute.

In seine Ägide fällt aber auch der erste Abstieg der Eintracht im Jahr 1996. Bald darauf stellte er im Verwaltungsrat die Vertrauensfrage, sie wurde negativ beschieden, und Ohms trat zurück. Rolf Heller, so ziemlich das genaue Gegenteil des präsidialen Paradiesvogels, übernahm und kehrte die Scherben zusammen. Um Ohms wurde es ruhiger, es kursierten Gerüchte, er habe finanziell Schiffbruch erlitten. Aktenkundig ist, dass der Ex-Präsi 150 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten musste, wegen falscher eidesstattliche Versicherung der Vermögenslosigkeit.

Sein Verhältnis zur Eintracht beschreibt Matthias Ohms heute als gut. „Es hat nie einen Bruch gegeben.“ Und ins Stadion kommt er immer noch regelmäßig. Zum Daumen drücken.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum