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Eintracht Frankfurt Der Mann für alle Fälle

Rafael Francisco ist unersetzlich am Riederwald. Der gebürtige Hanauer mit spanischen Wurzeln arbeitete 23 Jahre bei einer Bank, bevor er im vergangenen Sommer zur Eintracht kam.

19.02.2016 08:19
Manuel Schubert
Auch bei der FR als Übersetzer gefragt: Rafael Francisco (re.) mit Eintracht-Profi David Abraham im Heimspiel-Interview. Foto: Stefan Krieger

Ein Fußballprofi braucht seinen Schönheitsschlaf. Und deshalb haben Rafael Francisco und Christoph Preuß schon um acht Uhr morgens die Wohnung von Marco Fabian angesteuert, dort „ein bisschen MacGyver gespielt“, wie Francisco sagt, und ein paar Fenster abgedunkelt.

Damit der mexikanische Mittelfeldspieler in Diensten von Eintracht Frankfurt bald nicht mehr im Hotel nächtigen muss, sondern seine eigene gute Stube beziehen kann. Besuch hat sich auch schon angekündigt: Fabians Tante, die in Irland lebt, sitzt auf gepackten Koffern. Francisco wird sie am Tag darauf vom Flughafen abholen. Deswegen hat Francisco am Morgen auch noch kurzerhand ein Gästebett zusammengeschraubt. Das gute Stück gehörte vorher Preuß‘ Eltern.

Solche Dinge gehören eigentlich nicht zum Aufgabenbereich von Rafael Francisco. Aber da die Eltern des gebürtigen Hanauers aus dem spanischen 700-Seelen-Dorf El Granado stammen und er die Muttersprache fließend spricht, wurde er zu Fabians persönlichem Integrationshelfer auserkoren. Francisco stört das nicht, im Gegenteil. Er ist der Mann für alle Fälle bei Eintracht Frankfurt. Er sei „Mädchen für alles“ – sagt er selbst. Und die Arbeit mit Fabian mache ihm großen Spaß. Der 26-Jährige sei „ein ganz netter junger Mann“, der sehr schnell Deutsch lerne. „Er ist interessiert daran, sich zu integrieren.“ In den vergangenen Wochen hat Francisco dem Mexikaner die Stadt gezeigt, ihm viel vom Verein erzählt.

Einkaufen. Aufräumen. Reparieren.

Es wird ein langer Tag für den 41-jährigen Francisco, ein kleiner, stämmiger Mann mit Brille und kahlem Kopf. Nach dem morgendlichen Gewerkel hat er sich aufgemacht an seinen eigentlichen Arbeitsplatz, das Nachwuchsleistungszentrum der Eintracht am Riederwald. Am Abend, um 20.45 Uhr, steht noch eine Sitzung auf dem Programm, mit allen Spielern, die im Internat wohnen, und ihren Betreuern. Erst danach ist Feierabend. Francisco, den hauptamtlichen Materialwart und Teambetreuer, scheint das wenig zu stören. „Ich liebe meine Jungs“, sagt er. „Für die bin ich immer da.“

Die meiste Zeit des Tages trifft man Francisco im Erdgeschoss des Leistungszentrums an. Meistens sieht man ihn durch die Gänge mit den grauen Betonwänden wuseln. „Ich sitze selten“, sagt er. Es gibt immer was zu tun. Einkaufen, Aufräumen, Reparieren. Vormittags geht er zwei- bis dreimal die Woche für die neun Internatsbewohner einkaufen. Das kann schon mal mehrere Stunden in Anspruch nehmen. „Die Jungs essen viel“, verrät Francisco grinsend. Die Einkaufsliste, die stets von einer Ernährungsberaterin abgesegnet wird, umfasst vor allem Milchprodukte und Geflügel. Auch sonst besorgt Francisco alles, was die Nachwuchskicker so brauchen.

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Wenn er nicht gerade Einkaufswagen vollschaufelt, sieht Francisco in den beiden Materialräumen nach dem Rechten. Hier gibt es alles, was das Kicker-Herz begehrt: kistenweise Schuhe, Trainingsklamotten in allen Farben und Variationen, Getränkeflaschen Fußbälle, Leibchen, Medizinbälle, Tore, einen Kameraturm, und vieles mehr. Francisco hat alle Gegenstände per Computerprogramm erfassen lassen, die einzelnen Regalfächer sind nummeriert. Es herrscht eine penible Ordnung.

Dieser Mann spricht nicht wie ein Fußballer, eher wie ein Geschäftsmann. Das liegt daran, dass Francisco 23 Jahre bei einer Bank arbeitete, bevor er im vergangenen Sommer zur Eintracht kam. „Ich komme aus der Wirtschaft, ich mag kurze Wege, kurze Prozesse“, erklärt er. Es war ein gut bezahlter Job, den der Deutsch-Spanier da aufgab, er war in der Vermögenskundenbetreuung tätig, saß im Betriebsrat. „Meine Eltern verstehen es bis heute nicht“, berichtet er. „Aber ich bin meinem Herzen gefolgt.“ Und ohne die Unterstützung von Ehefrau Kirsten hätte er ohnehin nie sein Hobby zum Beruf machen können. Am Riederwald war Francisco schon seit 2006 tätig, bis dato als ehrenamtlicher Team- und Schiedsrichterbetreuer. Zur Eintracht kam er durch seinen Jugendfreund, den einstigen Frankfurter Co-Trainer Oscar Corrochano. Als die Eintracht Francisco 2015 eine feste Stelle offerierte, musste der Bänker nicht lange überlegen. „Ich habe nach einer beruflichen Abwechslung gesucht. Ich habe mir gesagt: Jetzt oder nie“, sagt er.

Dolmetscher, Mechaniker

Die gewünschte Abwechslung hat er nun. Kaum ein Tag gleicht bei Franciscos neuem Job dem anderen. „Es gibt immer was Neues, immer was zu tun.“ Diese Woche gehörte beispielsweise dazu: das FR-Interview mit David Abraham übersetzen. Zudem ist Rafael Francisco auch für den Fuhrpark des Leistungszentrums zuständig. Sein neustes Projekt: Bis März will er alle neun Kleinbusse, die für Shuttle- und Auswärtsfahrten genutzt werden, auf 130 Stundenkilometer drosseln. „Damit niemand in Gefahr gerät, sich zu überschätzen“, erklärt Francisco.

Rafael Francisco hat viele Ideen, arbeitet an vielen Baustellen gleichzeitig. Dabei lässt ihm die Eintracht weitestgehend freie Hand. Armin Kraaz, der Leiter des Leistungszentrums, stehe voll und ganz hinter ihm, betont Francisco. Seit er sich auch um Marco Fabian kümmert, hat „Rafa“, wie ihn am Riederwald alle nennen, eine Sechs-Tage-Woche. Hinzu kommen die Heimspiele der U19, bei denen er als Schiedsrichterbetreuer fungiert – ehrenamtlich, wohlgemerkt. „Ich mache es aus Liebe zum Fußball. Der kennt kein Wochenende und keine Feiertage.“

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