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Eintracht Frankfurt Der Knoten will nicht aufgehen

Eintracht-Trainer Armin Veh muss die Mannschaft für das nächste Spiel umbauen, wenn er die Wende einleiten will.

Stefan Aigner (re.) ist zwar weiter bemüht, doch bislang gelingt auch ihm nicht viel. Foto: dpa

Für die, die es mit Eintracht Frankfurt und auch mit nüchternen Zahlen halten, liefert die Statistik ein paar bemerkenswerte Parallelen von einer früheren Zeit zur heutigen Situation. Im letzten Amtsjahr unter Armin Veh in der Saison 2013/2014 rangierte die Eintracht nach 22 Spieltagen auf Platz 13 (nun Rang 15), hatte aber ebenfalls 22 Punkte auf dem Konto, die sich genauso wie jetzt zusammensetzten: fünf Spiele gewonnen, sieben Unentschieden gespielt und zehn verloren, das Torverhältnis betrug 24:38. Das ist heute sogar etwas besser (27:37), auch das Polster auf den ersten Abstiegsrang ist minimal dicker, einen Punkt genau (heute vier, damals drei Zähler).

Und doch gibt es einen gravierenden Unterschied: Seinerzeit war die Mannschaft fußballerisch intakt und lieferte phasenweise gute Auftritte ab – trotz der Belastung im Europapokal. Wenige Tage nach der Nullnummer gegen Bremen am 22. Spieltag im Februar 2014 schwang sich die tief im Abstiegskampf verhaftete Eintracht zu einer famosen Leistung gegen den FC Porto auf. Ein Spiel, das man in Frankfurt so schnell nicht vergessen wird, obwohl es nicht mal gewonnen wurde, sondern 3:3 endete und das Aus im internationalen Wettbewerb bedeutete.

Eine solche glanzvolle Darbietung wie jene vor zwei Jahren traut man dem aktuellen Team in der derzeitigen Verfassung nicht zu, nicht mal annähernd, davon scheint es so weit entfernt wie von den Europapokalplätzen. Die Gemengelage im milden Winter 2016 ist eine andere. Die Stimmung ist hochexplosiv, das Gros der Fans wünscht sich nichts sehnlicher als eine Ablösung des Trainers Armin Veh.

Der 55-Jährige hatte durch seine unbedachte und undiplomatische Äußerung nach dem HSV-Spiel weiter Öl ins Feuer gegossen. Die Pfiffe der Anhänger für die Mannschaft quittierte Veh mit den Worten: „Dann sollen sie doch daheim bleiben.“ Veh selbst hatte die Unmutsbekundungen gar nicht gehört, ihm wurde es später nur zugetragen.

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Am Montag wollte er sich nicht dazu äußern, die Eintracht will erst einmal die hohen Wellen der Entrüstung abebben lassen, die Vehs Aussage bei weiten Teilen der Anhängerschaft ausgelöst hatte. Sportdirektor Bruno Hübner sagte bereits am Sonntag, dass „diese Aussage aus der Emotion heraus gefallen ist und Armin sie schon bereut.“ Der Manager ging nun noch mal auf die Anhänger zu, versuchte, sie mit ins Boot zu holen. „Wir müssen die Kräfte bündeln, wir brauchen die Fans.“ Sonst werde es für die Eintracht schwerer, den Abstiegskampf erfolgreich zu bestreiten. Hübner nannte Bremen als Beispiel, wo die Anhänger und der Klub einen Schulterschluss üben. „Das müssen wir auch hinkriegen.“

Das war damals anders, da herrschte zwar eine gewisse Unzufriedenheit, aber keine feindselige Stimmung. Seinerzeit war Veh die unangefochtene Lokomotive, die vorneweg lief und die Richtung vorgab und der alle folgten. Veh war eine Art Prellbock, in dessen Windschatten sich die Mannschaft letztlich befreien und retten konnte.

Heute ist der Trainer angeschlagen, und die destabilisierte Mannschaft wankt der Abstiegszone scheinbar unaufhaltsam entgegen. Die fußballerischen Auftritte sind von erschreckender Harmlosigkeit. Veh ist nun gefordert, das Ruder herumzureißen. Sonst wird es auch für ihn und seinen Job in Frankfurt eng.

Der 55-Jährige wird sich in dieser Woche entscheiden müssen, wie er die bevorstehenden Aufgaben angehen wird. Am Sonntag steht das nächste Heimspiel gegen Schalke 04 an (19.30 Uhr), anschließend geht es mittwochs nach Berlin zur Hertha und drei Tage später kommt der widerspenstige Aufsteiger FC Ingolstadt.

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Irgendwann müssen die Hessen mal wieder ein Spiel gewinnen, um nicht ganz abzurutschen. Auch psychologisch würde es für das angeschlagene Team noch einmal schwieriger, wenn es erstmals auf einen Abstiegsplatz fallen würde. Veh wird es sich kaum mehr erlauben können, abermals die gleiche Mannschaft ins Rennen zu schicken. Da hilft selbst das Prinzip Hoffnung und der unbeirrte Glaube an plötzlich aufgehende Knoten nicht mehr weiter. Das Ensemble ist zu verunsichert. Das gesamte Spiel ist zu statisch, ohne Ideen und Bewegung.

Alexander Meier ist zwar außer Form, doch Zuspiele bekommt er als einzige Spitze sowieso nicht. Auch über die Außenpositionen kommt kaum mehr ein brauchbarer Angriff. Viel basiert auf dem Faktor Zufall. Veh muss daher Haris Seferovic wieder einbauen, womöglich als zweite Spitze neben Alex Meier. Der Schweizer Nationalspieler, seit gestern 24 Jahre alt, hat die Qualität, den Willen und die Dynamik, um mal eine andere Komponente ins festgefahrene Spiel einzubringen. Seferovics Rückkehr ist zwingend und fast schon alternativlos.

Aigner bleibt das Sorgenkind

Veh wird sich genau überlegen müssen, wie er mit formschwachen Spielern wie den Flügelmännern Stefan Aigner und Szabolcs Huszti umgeht. Huszti ging gegen Hamburg sogar kränkelnd ins Spiel, dabei hat der im Winter verpflichtete Ungar bislang ohnehin nicht überzeugen können. Und Stefan Aigner bleibt das Sorgenkind auf rechts. „Er hat es ja schon nachgewiesen in den letzten Jahren“, sagt Veh und offenbart damit seinen Zwiespalt. Weiter auf die Wende hoffen oder ihm mal eine schöpferische Pause gönnen?

Die Eintracht ist auf einen Aigner und einen Seferovic in Topform angewiesen: Beide schossen in der abgelaufenen Saison insgesamt 19 Tore und bereiteten zehn Treffer vor. Das brachte eine ganze Menge Punkte – die fehlen jetzt.

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