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Eintracht Frankfurt Den Moment verpasst

Ohne Spielglück zieht Eintracht Frankfurt gegen den VfB Stuttgart den Kürzeren und bleibt unten gefangen. Mannschaft und Trainer sind trotz der Niederlage mit der gezeigten Leistung nicht unzufrieden.

Mund abputzen und weiter: Trotz Platzverweis und Niederlage zeigt Carlos Zambrano und die Eintracht keine schlechte Leistung gegen Stuttgart. Foto: dpa

Sehr wahrscheinlich ist es zu viel verlangt vom Mann mit dem Zopf, dass er in jedem Spiel seine drei Tore schießt. Das ist sogar für einen Fußballgott zu viel. Dabei hätte eben dieser Alexander Meier in der sehr unterhaltsamen und gewohnt spektakulären Partie gegen den VfB Stuttgart eigentlich auch vier Tore schießen können, und dazu hätte er nicht einmal einen Sahnetag gebraucht: Dazu waren die Chancen zu hochkarätig, die Position vor dem Tor zu gut, aber der 33-Jährige traf dieses Mal nur zum 1:2-Anschlusstreffer. Chancen zu mehr hatte er: „Die erste muss rein. Bei der zweiten kann ich nichts dafür, da wird der Ball von der Linie geschlagen. Der Kopfball war Pech“, sagte er hinterher lapidar, der landete auf der Latte.

Noch vor zwei Wochen hatte Kapitän Meier gegen Wolfsburg aus drei Chancen drei Tore gemacht, und die Eintracht gewann mit 3:2. Diesmal war er nur einmal zur Stelle, und die Eintracht unterlag 2:4. Meier bleibt die Mensch gewordene Torgefahr, eng wird es für den hessischen Bundesligisten, wenn er doppelt und dreifach treffen muss, um Spiele zu gewinnen.

Es ist allerdings definitiv nicht zu viel verlangt, wenn man vom Schiedsrichter Peter Sippel aus München erwartet, dass er das Handspiel des Stuttgarter Spielführers Christian Gentner (36.) sieht und entsprechend ahndet. Es war ja nicht so, dass Gentner in einer Spielertraube stand oder dem Unparteiischen die Sicht versperrt war. „Das muss er einfach sehen. Das war zu deutlich“, sagte Meier hinterher. Es war so deutlich, dass etwa Szabolcs Huszti nach dem klaren Handspiel überhaupt nicht auf Ball und Spiel geachtet hat, sondern beim Linienrichter protestierte, während die Stuttgarter einen ihren brandgefährlichen Konter fuhren. Es war die Situation, in der sich Eintracht Frankfurt grob „benachteiligt“ fühlte, wie Mittelfeldspieler Marco Russ hinterher sagte.

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Insgesamt waren die Frankfurter Verantwortlichen unisono der Ansicht, dass das Spielglück an diesem fast frühlingshaften Februarsamstag den Hessen nicht hold gewesen war. „Die entscheidenden Momente waren gegen uns“, fasste Sportdirektor Bruno Hübner die 90 kurzweiligen Minuten zusammen. „Heute ist zu viel gegen uns gelaufen“, sagte auch Trainer Armin Veh. Neben dem nicht gegebenen Handelfmeter war das natürlich auch die mangelnde Chancenverwertung: Unmittelbar vor dem 0:1 durch Gentner (27.), hätte Meier per Kopf die Führung erzielen müssen. Dann fiel das 0:2 durch Daniel Didavi in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. „Das war tödlich“, sagte Veh hinterher.

Veh ist nicht unzufrieden mit der Leistung

Doch selbst nach diesem Rückstand war die Frankfurter Mannschaft durch den Anschlusstreffer in der 52. Minute schnell wieder im Spiel, danach lag der Ausgleich förmlich in der Luft: Erst hätte Marco Fabian Meier in Szene setzen müssen, dann hätte Meiers Schuss (55.) über die Linie rollen müssen, doch da stand Gentner und klärte im letzten Moment. Und selbst nach dem 1:3 (65.) wären die Frankfurter nochmals herangekommen, wäre Meiers Kopfball nicht von der Latte ins Feld zurückgeprallt – zumal der VfB durch den Platzverweis von Didavi in Unterzahl spielte. Erst Carlos Zambranos sinnfreies Foul im Strafraum (75.), das 1:4 durch Filip Kostic und Zambranos Platzverweis, entschieden die Partie. Huszti schaffte mit seinem Volleyschuss und seinem ersten Treffer für die Eintracht nur Ergebniskorrektur.

Auch wenn der VfB Stuttgart, der unter Neu-Trainer Jürgen Kramny deutlich ausgewogener und strukturierter spielt, am Ende nicht unverdient gewonnen hatte, so hätte die Partie mit etwas mehr Spielglück auch genauso gut umgekehrt ausgehen könne. Die Eintracht hat zwar drei „wichtige Punkte verloren, aber die Leistung war nicht so schlecht wie das Ergebnis“, sagte Meier. Auch Linksverteidiger Bastian Oczipka fand, das „wir ein richtig ordentliches Spiel gemacht haben.“ Da sei „mehr drin gewesen heute. Schade, ein Quäntchen Glück hat gefehlt“, meinte Veh.

Er war dennoch nicht unzufrieden mit der Vorstellung seiner Mannschaft gewesen. „Ich habe viele Dinge gesehen, die richtig gut waren“, fand er. Es wurde wieder Fußball gespielt und Torchancen herausgespielt.

Was die Frankfurter zuversichtlich stimmen dürfte, ist der Auftritt der Neuzugänge. Yanni Regäsel stand sogar in der Startformation, er machte seine Sache im Großen und Ganzen zufriedenstellend, auch Änis Ben-Hatira, der nach der Pause für den sehr blassen Kaan Ayhan kam, zeigte Ansätze, zumindest versuchte er, sich in eins-gegen-eins-Situationen durchzusetzen. Interessant war auch dies: Neben Ben-Hatira brachte Veh auch noch den jungen Mijat Gacinovic – und ließ Haris Seferovic auf der Ersatzbank. Armin Veh, der den Schweizer zuletzt nicht nominierte, begründete den Verzicht auf den Angreifer damit, dass er in der Spitze „Platz braucht“. Veh wollte die Stuttgarter Abwehr eher über die flinken Außenbahnspieler knacken.

Es bleibt also im Abstiegskampf für Eintracht Frankfurt weiter eng, zwei Punkte trennen die Hessen vom Relegationsplatz, mit einem Sieg hätten sie Anschluss ans Mittelfeld gefunden. Russ: „Niemand ist bei uns so blind zu denken, mit zwei Siegen würde man sich aus dem Abstiegskampf verabschieden.“ Zwei Siege wären aber nicht schlecht.

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