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Eintracht Frankfurt Dem Abstieg stürmisch trotzen

Eintracht-Trainer Armin Veh ist in Abu Dhabi von seinem offensiven Sechserpack angetan. Von einem seiner Innenverteidiger weniger.

Da geht´s lang zum Klassenerhalt: Alexander Meier (links) und Makoto Hasebe. Foto: Heiko Rhode

Es ist jetzt nicht so, dass der Frankfurter Trainer Armin Veh nicht delegieren könnte. Geeignetes Personal in seinem Trainerstab hat er in Hülle und Fülle,und es ist auch nicht mehr so, wie vor zehn, 15 Jahren: „Da habe ich alles allein gemacht.“ Aber im Moment, sagt Trainer Veh am Donnerstagmittag unter einem gewaltigen Sonnenschirm und bei einem doppelten Espresso im sonnenbeschienenen Abu Dhabi, ist er deutlich präsenter, er bringt sich mehr ein, redet viel mit den Spielern, unterbricht Trainingseinheiten, wenn ihm was nicht passt. Seinen Beobachtungsposten hat der Fußballlehrer längst verlassen. Man sieht: Da hat einer die Zügel ein weniger fester in die Hand genommen. „Im Moment“, sagt Armin Veh, „ist es besser, ich bin näher dran an der Mannschaft.“

Der Moment: Das ist immer noch die unangenehme Situation, dass Eintracht Frankfurt mit nur 17 Punkten zu den Klubs zählt, die ernsthaft um den Klassenverbleib fürchten müssen. Die Erstklassigkeit ist kein Selbstgänger, er habe ja nicht umsonst vor Wochen schon gewarnt. „Ich wollte damit aufwecken und dafür sorge, dass keiner einschläft.“ Denn es sei ja nicht gut gewesen, was man abgeliefert habe.

Die Gründe für eine weitgehend verkorkste Hinserie sind bekannt und erkannt, im Grunde sei es „ein ganzheitliches Problem“, wie Veh sagte, eine unheilige Mixtur aus Verletzungen, daraus resultierender mangelnden Fitness und Formkrisen erstaunlich vieler Leistungsträger. Stammkräfte wie Makoto Hasebe seien „total überspielt“ gewesen, Stefan Aigner „außer Form“, selbst Alexander Meier habe nach seinem sensationellen Comeback wochenlang neben der Spur gestanden. Inzwischen aber sieht der Coach einen spürbaren Leistungsaufschwung bei seinen Sorgenkindern, „das ist jetzt auf dem Platz ein anderer Aigner“, sagt Veh, auch Meier wirke wieder präsenter, er sprühe geradezu vor Spielfreude. Es wird von entscheidender Bedeutung für ein erfolgreiches Bestehen des Abstiegskampfes sein, die Stammkräfte zumindest in Normalform zu bekommen. Dann sieht es für Eintracht Frankfurt sicherlich nicht schlecht aus.

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Aber das wichtigste ist: Die Eintracht will wieder zu dem zurückkehren, was sie in der Vergangenheit unter Trainer Veh stark gemacht hat: Offensivfußball spielen, die Initiative ergreifen, agieren statt reagieren und wieder frühzeitig attackieren. „So ist es geplant“, sagt Veh. Es ist die Abkehr von der Mauertaktik, die den Hessen – bis auf den überraschenden Punktgewinn gegen den FC Bayern München – nichts einbrachte, es ist die Abkehr von dem „Defensivmist“, wie Veh diese Rückwärtsverteidigung einmal nannte. Veh hat mit dieser Taktik auch seine ureigene Philosophie verraten, er hat sich damit enorm schwer getan, und am Ende sind die Hessen damit auch nicht gut gefahren. Es ist die Rückbesinnung auf alte Frankfurter Tugenden, ein erneuter Paradigmenwechsel: Die Eintracht will sich wieder selbst erkennen.

Und dazu hat sie gerade in der Offensive mächtig zugelegt: Durch die Verpflichtungen von Szabolcs Huszti und Marco Fabian verfügt die Eintracht jetzt über ein beeindruckendes Offensivpaket. Auch am Donnerstag hat Veh wieder seine stürmischste Formation gewählt und Stefan Aigner, Marc Stendera, Alexander Meier, Huszti, Haris Seferovic und Fabian in einer Mannschaft spielen lassen. Da steht eine Menge Offensivpotenzial auf dem Platz. „Das sieht schon ganz gut aus“, hat Veh gesagt und verschmitzt gegrinst. Natürlich werden nicht alle offensiven Sechs gemeinsam auf dem Rasen stehen, die Ausrichtung ist aber klar: Die Hessen werden den Abstieg mit Sturm und Drang zu meistern versuchen. „Die Raute habe ich jetzt nicht im Kopf“, sagt Veh. Er hat aber durch die beiden neuen Offensivspieler eine ganze Menge mehr an Möglichkeiten. Und Stürmer Luc Castaignos kommt nach seinem Syndesmosebandriss Ende Februar/Anfang März ja auch wieder zurück.

Gerade vom Ungar Huszti, den die Eintracht für kleines Geld aus China geholt hat, ist Veh richtig angetan. „Es stellt sich nicht die Frage, ob er es nochmals in der Bundesliga schafft.“ Das sei unstrittig. Vielmehr verstärke er mit seiner Ballsicherheit, seinen schlauen Pässen in die Spitze, seine Wendigkeit die Mannschaft. Wo der 32-Jährige spielen soll, weiß Veh noch nicht. Er könne sogar auf der Sechs spielen, denn er sei sehr aggressiv, hinter den Spitzen und natürlich kann er auch über den linken Flügel kommen. „Szabolcs ist der flexibelste Spieler bei uns“, lobt Veh. Und er sei einer, der dank seiner Erfahrung auch Führungsaufgaben übernehmen könne. Im Team ist der Ungar, der dieser Tage zum zweiten Mal Vater geworden ist, jedenfalls gleich respektiert.

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Anpassungsprobleme hat indes noch der Mexikaner Marco Fabian, das sei aber ganz normal. „Es dauert, bis er weiß, wie wir spielen. Er muss sich ja am meisten umstellen.“ Da ist das Tempo in der Liga, die Intensität im Training ist höher, aber Veh ist guter Dinge, dass sich Fabian schnell anpassen werde. Der Coach hat mit Mexikanern einst beim VfB Stuttgart gute Erfahrungen gemacht, er lobt deren Eigenschaften: „Diese Spieler wollen arbeiten und sind sehr diszipliniert.“ Am Fabian schätzt Armin Veh, dass er es gewohnt ist, die Bälle auch unter Druck zu behaupten.

Alles in allem ist der Fußball-lehrer nach den ersten Eindrücken im Trainingscamp angetan von seinen drei Neuen. „Auch Kaan Ayhan ist ein guter Junge.“ Durch den Zuwachs an Qualität „sind wir jetzt schwerer auszurechnen.“ Aber Veh ist lange genug im Geschäft, um sich keinen Illusionen hinzugeben. In dieser Runde gibt es keine Mannschaft, die schon abgeschlagen wäre oder so schwach besetzt ist, dass sie als Absteiger Nummer eins in Frage käme. „Wir werden einen langen Atem brauchen und dürfen nicht verrückt spielen.“

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