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Eintracht Frankfurt Dem Abstieg geweiht

Eintracht Frankfurt droht der fünfte Abstieg der Vereinsgeschichte. In der derzeitigen Verfassung ist der Club in der Bundesliga nicht mehr konkurrenzfähig.

Gleich ernüchtert: der neue Eintracht-Coach Niko Kovac. Foto: dpa

Am Abend im Aktuellen Sportstudio hat auch Heribert Bruchhagen nicht getroffen. Mit links musste er schießen für die drei Versuche oben, rechts unten landete er ebenso Fehlschüsse, selbst mit seinem starken Fuß. Immerhin hatte der Vorstandsvorsitzende der stark ins Trudeln geratenen Frankfurter Eintracht bei seinem Debüt an der Torwand eine plausible Erklärung parat, die Hüfte schmerzte, weswegen seine Torgefahr in einem überschaubaren Rahmen lag.

Ein paar Stunden zuvor war es den bestens dafür entlohnten Berufsfußballern der Eintracht bei ihrem Gastspiel gegen Borussia Mönchengladbach auch ohne Hüftschmerzen nicht wirklich besser ergangen; sie schossen in gut eineinhalb Stunden ein einziges Mal aufs gegnerische Tor. Es hat nur zu einem Eckball gereicht und zu einer sang- und klanglosen, stimmungstötenden 0:3 (0:1)-Schlappe. Da half auch nicht, dass der Vorstandsvorsitzende im ZDF kurz vor Mitternacht tapfer wunschdachte, er sei vom Klassenerhalt überzeugt.

Diese Partie in Mönchengladbach war in hohem Maße ernüchternd. Eintracht Frankfurt präsentierte sich eine Woche nach der Entlassung von Trainer Armin Veh und mit dem neuen Coach Niko Kovac desolat, spielte wie ein Absteiger, enttäuschte auf ganzer Linie. In dieser Verfassung werden die Frankfurter ihr Klassenziel nicht erreichen, sie sind dem Abstieg geweiht. Auch vom Effekt des Trainerwechsels war nichts zu spüren. Sicher: Es mag nicht am Engagement gemangelt haben und die Frankfurter standen in den ersten 25, 30 Minuten auch einigermaßen geordnet. Aber im Spiel nach vorne waren sie an Harmlosigkeit und Einfallslosigkeit nicht zu überbieten. So wird man in der Bundesliga keinen Erfolg haben. Und so ist man noch nicht einmal konkurrenzfähig.

Im Grunde spielte Eintracht Frankfurt sogar noch einen Ticken schlechter als zuletzt unter Trainer Veh. Von einer Jetzt-erst-recht-Stimmung nach dem Trainerwechsel war nichts zu spüren. Die Eintracht agierte einfach hilflos. Gladbach war schlicht ein paar Nummern zu groß für dieses verunsicherte Frankfurter Ensemble, in dem – mit Abstrichen bis auf Marco Russ und David Abraham – kein Spieler auch nur annähernd so etwas ähnliches wie Normalform erreichte. Ein paar Zahlen: Die Eintracht hatte lediglich 39 Prozent Ballbesitz, verlor 58 Prozent ihrer Zweikämpfe, jeder dritte Pass landete beim Gegner, und noch nie gab es ein Spiel, in der in der ersten Halbzeit eine Mannschaft keinen einzigen Torschuss abgegeben hatte.

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Natürlich hat Klubchef Heribert Bruchhagen Recht, wenn er sagt: „Wir müssen uns auf die machbaren Gegner konzentrieren.“ Und der Sportdirektor Bruno Hübner liegt nicht daneben, wenn er feststellt, dass ärgerliche individuelle Fehler die Tore von Lars Stindl (36.), Raffael (54.) und Mahmoud Dahoud (79.) begünstigt hatten; bei allen drei Gegentreffern sah der ansonsten so zuverlässige Torwart Lukas Hradecky unglücklich aus. Und tatsächlich ist Gladbach kein Maßstab für diesen darniederliegenden Abstiegskandidaten. „Da hängen die Trauben sehr hoch“, sagt Kovac. Aber ein bisschen mehr Gegenwehr, ein bisschen mehr Feuer, ein bisschen mehr Leben hätte man sich dennoch gewünscht von diesem Team: Etwas, woran man sich klammern könnte, etwas, was einem Mut machen könnte oder nur eine Ahnung vermittelte, wie diese Mannschaft den Gang in die zweite Liga verhindern will.

Klar war auch, dass der neue Trainer Niko Kovac, dessen taktisches Konzept nicht aufgegangen war, seine Spieler hernach mit Samthandschuhen anfasste. Er könne der Mannschaft „keinen Vorwurf machen“, sagte er, er erwähnte vorhandenes Engagement und Willen, allein „spielerische Elemente“ hätten gefehlt, zudem sei man „ineffektiv“ zu Werke gegangen. Der 44-Jährige war sichtlich bemüht, milde mit der teilweise unterirdischen Vorstellung seiner Profis umzugehen. Selbst Haris Seferovic bescheinigte der Fußballlehrer eine Laufleistung „auf hohem Niveau“. Tatsächlich aber spottete die Leistung des Schweizers jeder Beschreibung: Er agierte pomadig bis lustlos, verlor praktisch jeden Ball, attackierte vorne so gut wie nicht. Er war ein Totalausfall und das einzig verwunderliche war, warum er durchspielen durfte. Kovac hätte ihn durchaus spätestens zur Pause aus dem Team nehmen können, um damit auch ein Signal an die Mannschaft zu senden.

Was bleibt also an Hoffnung? Nicht mehr viel. „Psychologisch“ (Kovac) sei es wichtig, dass die Frankfurter – wegen eines Tores mehr – noch auf dem 16. Tabellenplatz, dem Relegationsplatz, stehen. Dazu haben „wir es immer noch in der eigenen Hand, können es aus eigener Kraft schaffen“ (Hübner). Was bleibt, sind die Heimspiele. „Die müssen wir gewinnen“, sagt Hübner. Und am Samstag (18.30 Uhr) gegen Hannover 96 gleich anfangen. Da treffen die beiden aktuell schlechtesten Teams der Liga aufeinander, ein Sieg ist Pflicht, „selbst ein Punkt hilft uns nicht“, sagt Stefan Aigner. Womöglich sind Carlos Zambrano, der gestern noch krank war, und Marc Stendera wieder dabei. Alex Meier lief nur sehr kurz, ehe er sich wieder in die Kabine verabschiedete, wann er wieder spielen kann, ist völlig ungewiss. Aleksandar Ignjovski soll am Mittwoch ins Training einsteigen, bei Mijat Gacinovic besteht der Verdacht auf Pfeiffersches Drüsenfieber. Das alles klingt wenig zuversichtlich. „Wir müssen einen langen Atem haben“, sagt Niko Kovac. Und ganz kurzfristig den Letzten schlagen.

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