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Eintracht Frankfurt Das Tor zur Europa League ist weit geöffnet

Eintracht Frankfurt setzt sich dank Alexander Meier relativ souverän in Aserbaidschan mit 2:0 durch. Der Erfolg gibt dem Team Aufschwung. Torwart Trapp: „Wir haben Selbstbewusstsein tanken können“

Die halbe Miete: Eintracht Frankfurt feiert den 2:0 -Sieg im Playoff-Hinspiel beim FK Karabach Agdam. Foto: dpa

Eintracht Frankfurt setzt sich dank Alexander Meier relativ souverän in Aserbaidschan mit 2:0 durch. Der Erfolg gibt dem Team Aufschwung. Torwart Trapp: „Wir haben Selbstbewusstsein tanken können“

Heribert Bruchhagen ist nicht bekannt dafür, übers Ziel hinauszuschießen oder die Welt in rosaroten Farben zu malen. Der Vorstandschef der Frankfurter Eintracht ist ein bekennender Realist. Vielleicht hat er auch deshalb nach dem ungefährdeten 2:0 (1:0)-Erfolg der Hessen beim FK Karabach Agdam die allgemeine Sprachregelung verlassen und freudig erregt verkündet: „Ich bin total glücklich. Ich freue mich für Eintracht Frankfurt, dass wir die Gruppenphase erreicht haben.“

Als er die ungläubigen Blicke der Umstehenden registrierte, schob er nach: „Machen wir uns nichts vor: Da ist keine Gefahr mehr.“

Nur Veh mahnt weiter

So kann man das sehen: Nach dem Sieg in Baku vor 31.000 frenetischen Zuschauern im Tofik-Bachramov-Stadion steht die Eintracht mit mehr als einem Bein in der Gruppenphase der Europa League. „Da dürfte nichts mehr passieren“, glaubt Sebastian Rode. In sechs Tagen Woche kommt das Team aus Aserbaidschan zum Rückspiel nach Frankfurt, es bräuchte schon ein mittelgroßes Wunder, um den Einzug der Hessen in die nächste Runde zu verhindern. Die Eintracht kann sich schon jetzt einmal über Mehreinnahmen von fünf bis sechs Millionen Euro freuen. Vom Imagegewinn gar nicht zu sprechen.

Nur Trainer Armin Veh wurde nicht müde, den Mahner zu geben. Ob sich seine Mannschaft nun in Sicherheit wiegen könne, ist er gefragt worden. „Um Gottes Willen“, hob der Coach an. „Das wäre das Allerdümmste. Wir dürfen nicht glauben, das 2:0 verwalten zu können. Wir werden das Rückspiel genauso ernst nehmen wie das Spiel in Baku.“ Das haben sie ziemlich ernst genommen.

Die Konzentration, mit der die Frankfurter die Partie angegangen sind, war sicherlich ein Schlüssel zum Erfolg. Die Eintracht ließ die Platzherren in der Anfangsphase kaum zu Atem kommen, sie deckte die Mängel ihrer Kontrahenten schonungslos auf. „Wir waren aggressiv und lauffreudig“, sagte Veh, der nichts dem Zufall überließ und seine Elf akribisch auf den Gegner eingestellt hat, der über Zweitliganiveau sicher nicht hinauskommt.

Ein typisches Meier-Tor

Gerade zu Beginn der Begegnung schwammen die überforderten Männer in den dunklen Hemden mächtig, da brachten sie kaum einen Flachpass unfallfrei über fünf Meter zum Mitspieler. Das lag an der eigenen Fehlbarkeit, aber sicher auch an der Eintracht. Und das frühe Tor durch Alexander Meier (6.), der eine Flanke von Stefano Celozzi mit rechts in die Maschen jagte, spielte den Hessen natürlich in die Karten. Es war der Türöffner. Und ein typisches Meier-Tor, technisch anspruchsvoll und hochwertig – traumwandlerisch sicher verwertet. „Das hat uns die nötige Sicherheit gegeben“, betonte Sportdirektor Bruno Hübner.

In der Folge sah das phasenweise wie ein Trainingsspiel aus, der FK Karabach kam über die Rolle des Sparringspartners lange nicht hinaus. „Wir haben bei Ballbesitz die Ruhe und Cleverness gehabt, unsere Überlegenheit auch auszuspielen“, sagte Veh. Die Frankfurter, die von etwa 600 weit gereisten Fans angetrieben wurden, haben es lediglich verpasst, noch mal nachzulegen und ein zweites Tor zu erzielen. Das fiel lange nicht ins Gewicht, weil Karabach nach vorne viel zu harmlos war.

Die einzige Gefahr, wenn man so will, ging von mehreren unverbesserlichen Besuchern aus, die Eintracht-Torwart Kevin Trapp mit Laserpointern blendeten. „Das ist nicht unbedingt angenehm“, untertrieb der Schlussmann, ehe er deutlicher wurde: „Das ist schon Scheiße.“ Er habe mehrfach versucht, den Attacken auszuweichen, einen Schritt zu Seite zu gehen. Doch bei einem Freistoß habe er einfach nur Glück gehabt. „Da haben sie mich voll erwischt, da habe ich gar nichts gesehen.“ Im ersten Abschnitt hätte Kevin Trapp freilich auch ein Picknick machen können, die Platzherren kamen nicht einmal gefährlich vor den Eintracht-Kasten.

Ein Wendepunkt?

Im zweiten Abschnitt schien es eine Frage der Zeit, bis die Hessen den Sack zuschnüren würden. Doch dann bauten sie den Gegner mit leichtfertigen Ballverlusten auf, plötzlich und ohne Vorwarnung kam das Team aus Aserbaidschan besser auf. Und das Publikum erwachte wieder. Das sorgte für eine „geile Atmosphäre“ (Hübner), selbst die Eintracht-Spieler waren überrascht, wie laut und intensiv die Fans ihre Mannschaft anfeuerten. Armin Veh sprach gar von einem Hexenkessel. Also musste wieder Alex Meier her, um der Eintracht das Tor zur Gruppenphase sperrangelweit aufzustoßen. „In solchen Phasen brauchen wir Alex Meier“, lobte Manager Hübner.

Die Eintracht hat sich nach dem souveränen Erfolg noch in der Nacht aus Aserbaidschan verabschiedet, die Prüfung in einer fernen Welt hat sie locker bestanden. Die Hessen werden den Trip ans Kaspische Meer in guter Erinnerung behalten, vielleicht kann er sogar der Wendepunkt dieser noch jungen Saison markieren. „Wir haben Selbstvertrauen tanken können“, sagte Kevin Trapp.

Am Sonntag steht das enorm wichtige Auswärtsspiel bei Aufsteiger Eintracht Braunschweig an. Da will die Eintracht den Schwung aus dem Europacup mitnehmen. Für die Frankfurter ging es direkt nach dem Spiel an den Flughafen Baku und zurück nach Frankfurt, wo sie am Freitagmorgen um kurz nach fünf landen. Müde, aber glücklich.

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