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Eintracht Frankfurt „Das ist alles zu extrem“

Eintracht-Coach Armin Veh stört sich gewaltig an der Bewertung des Testspiels gegen Borussia Dortmund.

Redebedarf: Trainer Veh (re.) sagt dem frisch geschorenen Stürmer Seferovic, wo es langgeht. Foto: Jan Huebner

In diesen für Eintracht Frankfurt nicht ganz leichten Zeiten hat Armin Veh seine Rolle als Cheftrainer neu definiert. Schon im fernen Wüstenemirat Abu Dhabi war der Fußballlehrer sehr viel präsenter auf dem Übungsareal, sehr viel lebendiger, seine Beobachterrolle hat er zwar nicht gänzlich, aber doch teilweise aufgegeben. Und auch beim ersten Training auf deutschem Boden am Donnerstagnachmittag war Armin Veh aktiver als sonst, er unterbrach das Trainingsspiel häufiger. Und griff ein.

„Lasst den Ball unten“, rief er mehrfach. Dann knöpfte er sich Aleksandar Ignjovski vor, als dieser mit dem Ball ins Aus gelaufen war. „Iggy, zu hektisch, Du bist zu hektisch.“ Auch Haris Seferovic, im neuen „Military-Look“ mit raspelkurzen Haaren am Start, bekam ein paar Takte mit auf den Weg, gestenreich erklärte der Trainer seinem wiedergenesenen Stürmer einen anderen Laufweg. Und schließlich pfiff er Bastian Oczipka an. „Basti, da war es wieder, spiel‘ doch den Ball dahin.“

Später, im Gespräch mit den Journalisten, präzisierte der 54-Jährige: „Wir müssen schneller spielen, viel schneller. Wir gucken, gucken, gucken, aber es passiert nichts. Wir müssen wenigstens die einfachen Dinge beherzigen, den Ball zum nächsten freien Mann passen und dann wieder gehen.“ Schließlich sei es ja so: „Der Ball kann mehr laufen als wir.“ Vor allem schneller und ausdauernder.

Dortmund war der einzige ernsthafte Gegner

Wie das funktionieren und wie herrlich einfach das aussehen kann, wenn die Kugel fix und mit dem richtigen Timing getreten wird, das haben am Dienstag die Bundesligakonkurrenten von Borussia Dortmund den Frankfurter Spielern gezeigt. Beim 4:0-Erfolg in Dubai offenbarte sich ein Klassenunterschied. „Das ist eine Super-Mannschaft“, findet Veh.

In der derzeitigen Verfassung, mit den schnellen und fast schon perfekten Zuspielen in die Schnittstelle der Viererkette, sind die Dortmunder nach den Bayern die zweite Gewalt im deutschen Fußball – sehr viel besser als die übrigen 16 Teams in der Eliteklasse. Die Eintracht ist in diesem Wissen trotzdem gegen den BVB angetreten, auch aus dem Grund, weil sich in den Emiraten sonst kein anderer ernsthafter Testspielgegner hätte finden lassen.

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In jedem Fall kann man darüber streiten, ob es eine gute Idee war, die Klingen mit einen Kontrahenten zu kreuzen, der einem erst vier Wochen zuvor in der Bundesliga beim 4:1 schon das Fell über die Ohren gezogen hat. Zumal die positiven Eindrücke aus dem „richtig guten“ (Veh) Trainingslager in Abu Dhabi automatisch ein Stück weit getrübt wurden.

Veh wundert sich dennoch über die Berichterstattung nach der erneuten Klatsche. „Das ist mir alles viel zu extrem“, sagt er. „Da werden jetzt Horrorszenarien an die Wand gemalt – wegen einem banalen Freundschaftsspiel.“

Er wisse die Leistung seiner Mannschaft richtig einzuschätzen. Es seien keine Ausreden, wenn er anführt, dass man neun Tage ein intensives Programm abgespult habe, dass man drei Stunden mit dem Bus angereist und die Mannschaft einfach absolut platt gewesen sei. Wenn sein Team sich in neun Tagen zum Start gegen Wolfsburg in einer ähnlichen Verfassung präsentieren werde, dann müsse er sich Gedanken machen. Aber so? „Es ist total übertrieben, wie dieses Spiel bewertet wird“, bekundet Veh. Wenn man an eine Testpartie einen solchen Maßstab anlege, dann „brauchen wir auch keine Freundschaftsspiele mehr machen. Es scheint fast so, als gebe es da einen Preis zu gewinnen.“

Seferovic wieder fit

Er habe seine Mannschaft mit dem klaren Auftrag ins Spiel geschickt, riskant von hinten herauszuspielen, „auch wenn wir sechs Stück kriegen“. Natürlich spiele man im Ernstfall anders, „aber wann sollen wir es denn versuchen, wenn nicht in einem Testspiel?“, fragt Veh rhetorisch. „Glauben Sie ernsthaft, wir würden in der Bundesliga so spielen?“ Wohl eher nicht.

Gute Nachrichten gab es für Veh trotzdem: Haris Seferovic hat seine Achillessehnenprobleme überwunden. „Es ist alles wieder okay“, sagt der Trainer. Und Carlos Zambrano hat sehr viele Sprints beschwerdefrei durchgezogen. Er soll am Mittwoch wieder das volle Programm absolvieren. Für die Begegnung gegen Wolfsburg wird das eng. Doch Veh stört das nicht großartig. „Es muss auch nicht gegen Wolfsburg sein, es muss nicht immer Spitz auf Knopf gehen.“ Man habe noch andere Spieler, die einspringen könnten. Marc Stendera sollte bis dahin wieder hergestellt sein, er fehlte gestern wegen eines grippalen Infekts. Wahrscheinlich wird er auch am Sonntag nicht mittun können. Nicht so schlimm. Da steht nur ein weiteres Testspiel auf dem Programm.

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