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Eintracht Frankfurt Bolzplatzkind aus dem Käfig

Die Eintracht hofft darauf, dass Offensivspieler Änis Ben-Hatira die Zeit in Frankfurt als Chance begreift.

Gute Laune: Yanni Regäsel, Bruno Hübner, Änis Ben-Hatira, Armin Veh (v.l.). Foto: Jan Huebner

Im ersten Training bei seinem neuen Verein Eintracht Frankfurt trug der am Abend zuvor verpflichtete Änis Ben-Hatira gleich das gelbe Leibchen der Stammmannschaft. Er spielte auf der linken Außenbahn. Ein Wink ? Ganz sicher nicht: Am Dienstag fehlten beim Üben der Hessen der leicht angeschlagene Stefan Aigner und der erkrankte Makoto Hasebe. Deshalb durfte der Neue gleich in gelb auflaufen.

Ob der Deutsch-Tunesier, bis zum Sommer ablösefrei von Hertha BSC Berlin verpflichtet, überhaupt eine größere Rolle wird spielen können, muss sich noch weisen. Sicher ist: Die Eintracht wollte das große Talent Yanni Regäsel auf jeden Fall holen und bekam, praktisch als Beigabe und eher zufällig, den Offensivspieler noch dazu. Die Berliner jedenfalls waren heilfroh, Ben-Hatira loszuwerden: Am Wochenende, auf der Rückfahrt nach der Partie in Bremen (3:3), hat es im Mannschaftsbus „einen Vorfall“ mit Mitspieler Mitchell Weiser gegeben, wie Hertha am Dienstag mitteilte. Nach einer verbalen Auseinandersetzung sei es zu Rangeleien gekommen, bei der der tunesische Nationalspieler handgreiflich geworden sein soll. Ben-Hatira habe das zugegeben und sich bei Weiser entschuldigt. „Ich habe was getan, was nicht in Ordnung war. Das wird nie wieder vorkommen“, sagte der 27-Jährige gestern in Frankfurt. Dennoch hatten die Berliner dieses Verhalten nicht dulden können, deshalb habe Hertha „die entsprechenden Konsequenzen gezogen“ und den Vertrag mit dem gebürtigen Berliner aufgelöst.

Veh sieht kein Risiko

Die Eintracht, sagte Sportdirektor Bruno Hübner, hatte vor einiger Zeit schon mal die Fühler nach dem Offensivspieler ausgestreckt, jetzt habe man kostengünstig zugreifen können. Die Hessen seien über „die Rauferei“ informiert, „das sollte nicht passieren, passiert aber trotzdem“, sagte Hübner. „Für ihn ist Frankfurt ein Neustart.“ Ohnehin kennen Trainer Armin Veh und Bruno Hübner den Spieler. „Wir wissen um seinen Charakter“, sagte Hübner. Veh sah ebenfalls kein Risiko in der Verpflichtung. „Das ist ein win-win-Geschäft. Änis kann uns helfen.“ Klar ist aber auch: Wäre es nicht zu diesem Zwischenfall im Berliner Mannschaftsbus gekommen, wäre Ben-Hatira nicht gewechselt.

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Änis Ben-Hatira, der bei der gestrigen Präsentation ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Bolzplatzkind“ trug, stammt aus einfachen Verhältnissen. Er empfindet sich selbst als „disziplinierten Spieler, sagte aber auch der „Berliner Zeitung“, dass „wir 80 Prozent unserer Freizeit in Weddinger Käfigen verbracht haben.“ Das sei ein täglicher Kampf gewesen, „verlieren kam für uns nicht in Frage“. Zu seiner Clique, die sich aus frühester Jugend kennt, gehörten Kevin-Prince Boateng, Ashkan Dejagah, Chinedu Ede und Patrick Ebert, allesamt nicht gerade pflegeleicht und in der Vergangenheit nicht nur durch sportliche Leistungen aufgefallen. „Wir waren Straßenfußballer, die wussten, was Gerechtigkeit ist. Wir haben nicht zu allem Ja und Amen gesagt und sind auch mal angeeckt.“ Nach Stationen in Hamburg und Duisburg hat Ben-Hatira die letzten viereinhalb Jahr bei Hertha in 70 Bundesligaspielen 14 Tore erzielt, darunter eines (plus zwei Vorlagen) beim 4:4 im letzten Aufeinandertreffen gegen die Eintracht im Stadtwald. Bei der Hertha kam er in dieser Saison auch wegen einer Zehenverletzung überhaupt nicht zum Zug, in Bremen gehörte er überhaupt das erste Mal zum Kader – und benahm sich gleich daneben.

Der von Roger Wittmann betreute Ben-Hatira will sich in Frankfurt „von meiner besten Seite zeigen“. Er sieht das bis diesen Sommer befristete Engagement durchaus als „neue Chance“, sich zu präsenteren. Nach seinen ersten Eindrücken zur Mannschaft befragt, sagte er: „Ich bin überrascht über die Spielstärke der Eintracht.“ Trainer Veh lobte seine Physis, zudem sei er ein schneller Spieler, der „über außen torgefährlich“ sein kann. Aber der Frankfurter Fußball-Lehrer ließ auch keinen Zweifel daran, dass diese beiden Zugänge „nicht groß geplant“ waren. Geplant seien die Verpflichtungen von Marco Fabian und Szabolcs Huszti für die Vakanz auf der linken Seite.

Größere Chancen auf einen Einsatz dürfte der gerade 20 Jahre alte Yanni Regäsel haben, am Dienstag im grauen Camouflage-Anzug erschienen. Er spielt rechter Verteidiger, hat in Berlin gute Kritiken bei seinen sechs Einsätzen erhalten und findet in Frankfurt auf dieser Position keine großen Spuren. „Vielleicht ist er früher in der Mannschaft als gedacht“, sagte Veh am Dienstag. Die Idee, Sebastian Jung zurückzuholen, hat die Eintracht laut Hübner vorerst „ad acta“ gelegt.

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