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Eintracht Frankfurt Aus der Traum

Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen will durch den Rauswurf von Trainer Armin Veh neue Impulse setzen und die vergiftete Atmosphäre entschärfen. Zwei Trainer werden bereits als mögliche Nachfolger gehandelt.

"Ich hatte den Eindruck, dass er auch ein bisschen befreit ist", sagt Heribert Bruchhagen über das Gespräch mit Veh. Foto: dpa

In der Nacht zum Sonntag kamen die höchsten Herren der Frankfurter Eintracht an einem streng geheimen Ort zusammen, um eine weitreichende Entscheidung zu treffen. Es ging um den Job von Trainer Armin Veh, und nachdem der komplette Vorstand um Heribert Bruchhagen, Axel Hellmann und Oliver Frankenbach, der Sportdirektor Bruno Hübner sowie die Mitglieder des Hauptausschusses Wolfgang Steubing, Peter Fischer und Philip Holzer wieder auseinandergingen, war ein einmütiger Beschluss herbeigeführt: Armin Veh war die längste Zeit Trainer von Eintracht Frankfurt.

„Eintracht Frankfurt ist kein Verein, der sich vom ersten Windstoß wegblasen lässt, aber wir waren einstimmig der Meinung und der Überzeugung, dass dieser Schritt notwendig ist“, sagte ein gefasster Vorstandschef Heribert Bruchhagen am Morgen danach vor gut 25 Reportern, die ans Stadion geeilt waren, weil sich angedeutet hatte, dass Armin Veh den Sonntag nicht überstehen würde.

Noch in der Nacht hatte sich Manager Hübner ins Auto gesetzt und war zu Armin Veh nach Bad Homburg gedüst, um den 55-Jährigen über seine Freistellung zu informieren. Es gibt sicherlich angenehmere Dienstfahrten. Heribert Bruchhagen legte großen Wert darauf, dass die Trennung sauber und sittsam über die Bühne ging. „Ich bin damals extra nach Sylt gereist, um Willi Reimann von seiner Beurlaubung in Kenntnis zu setzen. Auch dieses Mal haben wir die Stilformen komplett eingehalten.“

Der Vorstandschef selbst und Aufsichtsratsboss Wolfgang Steubing haben sich von dem scheidenden Trainer fernmündlich verabschiedet. Das gehört sich so, zumal das Verhältnis untereinander von großer Harmonie und Freundschaft geprägt war. Das macht es nicht einfacher. „Hat aber keine Rolle gespielt“, wie Bruchhagen beteuerte. „Wir wären gerne trainerstabil geblieben, und das Vertrauen in Veh hat auch bis zum Ende bestanden, aber über allem steht das Interesse von Eintracht Frankfurt.“

Nichts ins Laufen gebracht

Den Verantwortlichen ist der erschreckende Verfall der Mannschaft und der stete Abwärtstrend nicht verborgen geblieben. „Uns sind Zweifel gekommen“, sagte Bruchhagen. Zweifel, ob Armin Veh seine Mannschaft noch in die Spur hieven und den Umschwung einleiten kann. Zuletzt hatte es nicht mehr den Anschein. Der Coach habe zwar „nicht ratlos“ gewirkt, aber er habe doch „feststellen müssen, dass alles, was er versuchte, nicht gegriffen hat“.

Von den zurückliegenden acht Partien hat die Eintracht nur eine gewonnen, die erste der Rückrunde gegen den VfL Wolfsburg (mit freundlicher Unterstützung von Fortuna und Fußballgott), zuletzt haben die Frankfurter es nicht geschafft, vier doch ziemlich schwache Kontrahenten in die Knie zu zwingen. Am Samstag reichte es gegen den FC Ingolstadt, der seine wohl dürftigste Saisonleistung ablieferte, nur zu einem 1:1.

Veh hat seine Mannschaft einfach nicht ins Laufen gebracht, ihr kein Konzept verpassen und ihr keine Hilfe mehr sein können. Und das Team hat ihn im Stich gelassen. Obwohl es am Samstag noch beteuerte, voll hinter dem angeknockten Trainer zu stehen. Das waren keine Lippenbekenntnisse. „Wir haben gesichert festgestellt, das es zwischen Mannschaft und Trainer gestimmt hat“, befand Bruchhagen. „Ich hätte mir aber gewünscht, dass sich das auf dem Platz wieder gefunden hätte.“ Jeder, „vom Vorstandsvorsitzenden bis zum linken Verteidiger“ (Bruchhagen), müsse sich fragen, weshalb es nicht funktioniert hat. Denn klar sei: „Die Ziele, die wir hatten und das Bild, das die Mannschaft abgegeben hat, stimmen nicht überein.“

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Am Sonntag leitete Veh-Assistent Reiner Geyer das Training der Reservisten, das wird aber keine Dauerlösung sein. Spätestens am Mittwoch soll der Nachfolger auf dem Trainingsplatz stehen. Manager Hübner hat schon Vorarbeit geleistet, „ist doch klar, dass er jeden Fall durchgespielt hat“, bekundete der Klubchef. Die Reihe der Kandidaten reicht von Tayfun Korkut über Niko Kovac und Jos Luhukay bis hin zu Kosta Runjaic (siehe weiteren Bericht auf den folgenden Seiten). Der Neue muss die Mannschaft mitnehmen, sie begeistern und ihr Wege aus der Krise aufzeigen. Er wird Blockaden lockern und Knoten entwirren müssen. Kein leichtes Unterfangen.

Er wird etwas verändern müssen, nicht nur die Ansprache und Trainingsinhalte, sondern auch personell. Denn zuletzt war ja der Konkurrenzkampf quasi außer Kraft gesetzt, Veh vertraute dem immer gleichen Spielerkreis. Nur durch die bloße Anwesenheit eines anderen Trainers wird nicht plötzlich das fließen, was vorher nur tröpfelte, denn die Mannschaft hat nicht gegen den Trainer gespielt, sondern stand sich vielmehr selbst im Weg.

Und die Eintracht hofft durch den Trainerwechsel auch, die vergiftete Atmosphäre, die sich über den Verein gelegt hat, etwas aufzuweichen und den Schulterschluss mit den Fans zu schaffen. Denn die Stimmung war aufgeheizt und feindselig, sie richtete sich in erster Linie gegen den Trainer, der am Samstag schon vor dem Spiel gnadenlos ausgepfiffen worden war und sich dann immer wieder „Armin-raus“-Rufen ausgesetzt sah. „Der Trainer hat Sensoren und gespürt, dass ihm das gesamte Umfeld nicht mehr vertraut“, sagte Bruchhagen.

„Das ist traurig, aber neben der Enttäuschung meine ich auch Erleichterung bei ihm gespürt zu haben“, führte der 67-Jährige aus. „Er wirkte ein bisschen befreit, dass er diesem immensen Druck nicht mehr standhalten muss.“ Aus freien Stücken hätte Armin Veh dieses Mal den Bettel aber nicht hingeworfen.

Bruchhagen räumte ein, dass man sich durch den Traineraustausch „einen neuen Impuls“ erhoffe, „der zu einer Befriedung des Umfelds und einer Leistungssteigerung der Mannschaft führen soll“. Man sei nicht eingeknickt vor Volkes Meinung, aber es sei schwieriger geworden, in Trainerfragen stabil zu bleiben, bemerkte der Vorstandschef. „Ich habe das bei Friedhelm Funkel damals geschafft. Aber das war eine andere Zeit. Heute ist alles schneller, aggressiver und gewaltiger geworden.“

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