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Eintracht Frankfurt Auf der Hut

Eintracht Frankfurt will sich aus der „kniffligen Situation“ befreien, muss aber immer schön wachsam bleiben.

Ruhe bewahren: Manager Bruno Hübner. Foto: Heiko Rhode

Es ist nicht so, dass die sportlich Verantwortlichen der Frankfurter Eintracht ihr Hauptaugenmerk auf die Konkurrenz da unten im Keller des Fußball-Oberhauses legen würden. Das wäre ja auch, mit Verlaub, barer Unsinn. Es obliegt einem selbst, Situationen zu verändern und sich in die rechte Richtung zu lenken, und wer seine eigenen Aufgaben zufriedenstellend bewältigt, der muss sich nicht nach anderen richten oder an ihnen orientieren. Das sieht auch Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner ähnlich, der nichts schönreden will, aber von der grundsätzlichen Klasse der Spieler und also auch von einem guten Ende der Mission überzeugt ist. „Wir haben eine ordentliche Mannschaft“, sagt Hübner. „Wir haben Qualität im Team. Dabei bleibe ich.“

Und doch schielt der Manager auf die Rivalen im Abstiegskampf und beobachtet die Entwicklung aufmerksam. „Die Problematik ist, dass da unten gestandene Mannschaften drinstecken, die auch mal eine Serie starten können.“ Der VfB Stuttgart hat es vorgemacht. Von daher bleibe die Lage ernst, „knifflig und bestimmt nicht einfach“.

Eine schwierige Situation

Der 55-Jährige ist der Meinung, dass es für sein Ensemble zunächst einmal darum gehen müsse, die beiden Schlusslichter aus Hannover und Hoffenheim auf Abstand zu halten. „Auch hier müssen wir hellwach sein.“ Die beiden direkten Abstiegsplätze sollen die absoluten Tabuzonen bleiben. Die Hessen liegen sieben Punkte vor den beiden am Tabellenende, indes nur zwei Zähler vor dem SV Werder Bremen, der mit 19 Punkten auf dem Relegationsrang parkt. Platz 16 hat der Sportchef weiterhin wachsam im Auge. „Natürlich ist das eine Option, aber wir werden das vorher und anders geregelt haben.“

Der Manager weiß um die diffizile und auch psychologisch sensible Situation. Der Kopf, manchmal schon als drittes Bein bezeichnet, spielt im Abstiegskampf eine entscheidende Rolle. Hübner hat das jetzt auch bei der – nun mit einem neuen, extrem jungen Trainer bestückten – TSG Hoffenheim beobachtet.

„Man muss sehen, was da eigentlich für eine Mannschaft auf dem Platz steht, was die für Potenzial haben. Aber dann gehst du in Rückstand, dann murren die Zuschauer, dann wächst die Verunsicherung, dann kommen die fehlenden Erfolgserlebnisse hinzu“, vielleicht immer noch der irrige Glaube, besser zu sein als man eigentlich ist und den Ernst der Lage verleugnet zu haben – und schon hat man die Zutaten, die einen nicht im gehobenen Mittelfeld, sondern unten im Klassement stehen lassen. „Natürlich sagt man, Profis müssen so was aushalten, aber ganz hinten im Stübchen hast du es drin.“

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Auch der Eintracht kann eine solche Verunsicherung jetzt wieder blühen, sollten die Frankfurter am Samstag (18.30 Uhr) in Köln, wo sie zuletzt zu Anthony Yeboahs Zeiten gewannen, mit leeren Händen das Feld verlassen. Dann wäre die Aufbruchstimmung, die schon nach der Niederlage gegen Stuttgart wieder einen Dämpfer bekommen hat, dahin, dann könnte es gut sein, dass wieder die Versagensangst um sich greift und die Beine lähmt. Davor ist man nicht gefeit.

Hübner glaubt nicht an eine Niederlage im Rheinland, doch selbst wenn, müssten die Spieler sich gegen das Unbill auflehnen. „Wir haben eine gestandene Mannschaft, sie muss bereit sein, das anzunehmen und alles dafür zu tun, dagegen anzugehen. Es geht darum, aus dem Gedrängel der unteren Tabellenhälfte so schnell wie nur möglich herauszukommen und so viele Punkte wie möglich mitzunehmen.“ Und generell gelte: „Der Klub, der die Ruhe bewahrt, hat einen wichtigen Faktor sichergestellt, um es auch zu schaffen.“

Ayhan eine Option

Ruhe herrscht bei der Eintracht intern, bei vielen Fans steht Trainer Armin Veh indessen in der Kritik. Den lässt das nicht kalt, doch er kämpft verbissen darum, sein Team in die Spur zurückzuführen. Veh zieht alle Register.

Sportboss Hübner glaubt, dass der Qualitätsschub im Winter der Mannschaft gut getan habe. Gleich fünf Akteure kamen bekanntlich nach Frankfurt. Szabolcs Huszti, Marco Fabian, Kaan Ayhan und zuletzt Änis Ben-Hatira sowie Yanni Regäsel. Spieler, die es auf Anhieb in die Mannschaft oder in die Nähe der ersten Elf schafften. Nur Innenverteidiger Ayhan schien nach seinem müden Auftritt gegen Stuttgart erst einmal ein wenig ins Hintertreffen geraten zu sein. Doch nun dürfte er für die Partie in Köln eine Option sein, weil David Abraham - genauso wie Bastian Oczipka - am Donnerstag im Training mit Grippesymptomen fehlte. Für Oczipka könnte im Fall der Fälle Constant Djakpa einspringen.

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Auch die Spieler, die schon länger in Frankfurt sind, sind überzeugt davon, dass die Zugänge dem Team gut tun werden. „Wir hatten auch in der Vorrunde Konkurrenz, da konnte sich keiner ausruhen“, sagt Rechtsaußen Stefan Aigner. Doch der Kampf um die Plätze sei nun verschärft, denn: „Die Neuen verstärken uns.“

Hübner war auch vom Auftritt des erst 20 Jahren alten Rechtsverteidiger Yanni Regäsel überzeugt. „Ein belebendes Element, für sein Alter ein cleverer Spieler mit guten Ansätzen. Wir hoffen, dass er perspektivisch in die Rolle von Sebi Jung schlüpfen kann.“

Seferovic bleibt wichtig

Die Sportliche Leitung versucht weiter, Haris Seferovic, den etwas bockigen Stürmer, wieder einzunorden. Zuletzt wechselte ihn Trainer Veh trotz Rückstands gegen Stuttgart nicht ein. „Ich glaube nicht, dass er sich hängen lässt, er wird eine Reaktion zeigen“, sagt Hübner. Er ist sicher, dass der 23-Jährige auch bald wieder eine Alternative sein werde. Das hängt natürlich vom System und der Stärke des Gegners ab. Zurzeit wäre für den Schweizer Nationalspieler nur dann Platz, wenn Veh mit zwei Spitzen spielen lassen oder Alexander Meier eine Position zurückziehen würde. Beides ist im Moment ziemlich unwahrscheinlich. Hübner ist dennoch der Ansicht, dass „Haris seine Chance wieder bekommen wird“. Dann müsse er sie nutzen.

Das ist auch im Interesse des Schweizer Nationaltrainers Vladimir Petkovic, der sich zu einem Besuch in Frankfurt angekündigt hat. Laut Hübner ist das aber nicht auf Wunsch der Eintracht geschehen, sondern ein normaler Vorgang. Die Stippvisite sei kein gesonderter Abstecher nach Frankfurt. „Das ist ein üblicher Prozess.“ Vladimir Petkovic besuche seine Nationalspieler in den europäischen Ligen in regelmäßigen Abständen. „Er plant gerade seine Tour, erst ist er in Deutschland, anschließend fliegt er dann weiter nach England“, bekundet Hübner.

Klar ist aber auch: „Der Nationaltrainer hat im Hinblick auf die EM natürlich ein großes Interesse daran, dass Haris spielt.“ Das hat die Eintracht auch – wenn sich der Angreifer voll einbringt und ein Platz in der Mannschaft für ihn frei ist.

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