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Eintracht Frankfurt Anschieben und aufrütteln

Wie Sportvorstand Fredi Bobic die Frankfurter Eintracht für die Zukunft ausrichten will.

Spielt auch nach seiner aktiven Karriere noch gerne mit der Kugel: Fredi Bobic. Foto: imago/Sportfoto Rudel

In den zurückliegenden Wochen hat Fredi Bobic nicht nur sein umfassendes Netzwerk aktiviert und einige Weichen gestellt, der neue Sportvorstand der Frankfurter Eintracht nutzte seine Anfangszeit am Main auch dazu, um viele Klinken zu putzen. „Ich treffe mich mit sehr vielen Leuten, die mich auch treffen wollen“, sagt der 44-Jährige. „Ich mache das sehr gerne, es ist super interessant.“

Aus Jux und Dollerei packt er seinen Terminkalender aber nicht derart voll. Der Sportchef des Bundesligisten will ein neues Bewusstsein in der Gesellschaft und bei den Unternehmen schaffen. Er will die eine oder andere Tür öffnen, die bisher verschlossen geblieben ist.

Das alte Bild von Frankfurt hat der Neue sehr schnell vor Augen geführt bekommen: Bankenstadt, Wirtschaftsstandort, Finanzmetropole – hier, in den Wolkenkratzern, muss das Geld doch eigentlich locker sitzen. Sitzt es aber nicht. „Ich kenne das aus Stuttgart“, erzählt der Ex-Nationalspieler. „Da hieß es auch immer: Das Geld ist doch da, da gibt es Mercedes, Porsche, Bosch.“ Doch das sei nur ein Teil der Wahrheit, der andere ist: „Du brauchst Leute, die fußballaffin sind, die Bock auf Fußball haben.“
Zuweilen habe er das Gefühl, dass manch potenter Geldgeber denke, er habe seine Schuldigkeit getan, „wenn er eine Loge gekauft hat“. Doch eigentlich brauche ein Verein, der nach Höherem strebe, „die Martin Winterkorns dieser Welt“. Wirtschaftsbosse also, die sich über die Maßen hinaus engagieren. Oder ihr Unternehmen dazu bewegen können. Der frühere VW-Boss hat es in Wolfsburg vorgemacht.

Fredi Bobic ist in Frankfurt nicht angetreten, um den Status quo zu verwalten, er will anschieben und aufrütteln. „Wir müssen den Menschen etwas aufzeigen, sie sollen merken: ,Hey, hier ist ein anderer Zug drin.‘“ Nur dann, glaubt er, könne man etwas entstehen lassen und Neues entfachen. „Die Gier auf die Eintracht muss wieder da sein.“ Doch das sei kein Selbstläufer. „Immer nur davon zu reden“, was eigentlich sein könnte oder müsste, das sei nicht zielführend. „Von selbst kommt gar nichts. Nur darauf warten, bringt nichts. Du musst aktiv sein.“

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Eine wichtige Rolle spiele auch Ehrenspielführer Bernd Hölzenbein, der der Scoutingabteilung zugeordnet ist, aber zukünftig auch verstärkt als Markenbotschafter eingesetzt werden soll. „Eine solche Legende mit so viel Herzblut müssen wir da einbinden.“
Die Eintracht boomt nach wie vor. 27 000 Dauerkarten hat der Klub abgesetzt, lange bevor die Vorbereitung begonnen hat. Es gab kaum Kündigungen, die 1000 zusätzlich in Umlauf gebrachten Saisontickets waren innerhalb weniger Stunden verkauft. „Unfassbar“, sagt Fredi Bobic. Wie groß die Verbundenheit ist, das habe er schnell gemerkt.

Anders aufstellen

Genau diese Emotion rund um die Eintracht sei eine Verpflichtung. „Wir müssen versuchen, uns in allen Geschäftsbereichen zu verbessern. Vorstand und Aufsichtsrat müssen Ideen entwickeln, wie man weiter wachsen kann.“ Denn klar sei auch: „Wenn es so weitergeht wie bisher, dann fahren wir die ganze Zeit hoch und runter.“ Da liegt er auf einer Linie mit Vorstandsboss Axel Hellmann, der stets nach neuen Wegen sucht, um den Frankfurter Klub zu öffnen und für die Zukunft zu wappnen.

Um sich weiterzuentwickeln, müsse sich der Verein anders aufstellen. „Wir brauchen ein Gerüst“, befindet Bobic, „dann fällt vieles einen Tick leichter.“ Das Zusammenwachsen des ganzen Vereins sei ein Prozess, das müsse „step by step“, Schritt für Schritt, geschehen. „Es muss organisch wachsen, das geht nicht von heute auf morgen, es muss nachhaltig sein.“

Aus diesem Grund hat er vieles umgebaut oder umbauen lassen, im wahrsten Sinne des Wortes. Im Kabinentrakt etwa werde zurzeit „nur geackert“, da sei einiges aufzuholen. „Wenn es bei meinen Kindern so aussehen würde, würden sie Stress bekommen.“ Das habe auch mit Disziplin zu tun.

Daher hat der frühere VfB-Manager auch Personal ausgetauscht. „Ich bin froh, dass wir Leute aus anderen Vereinen bekommen haben.“ Sie sollen frischen Wind entfachen und ihre Erfahrungen einbringen. „Die Mannschaft hinter der Mannschaft ist sehr wichtig“, sagt Bobic. „Es muss ein richtiger Zug rein.“ Die Spieler müssten klare Regeln auferlegt bekommen und sie verinnerlichen. „Es gibt Leitplanken für die Jungs, sie müssen wissen, dass sie nicht rechts oder links raus können.“

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Für die Fußballer müsse klar sein, „welche Pflichten sie gegenüber dem Verein haben“. Genau deshalb brauche ein Klub „im Funktionsteam Topleute.“ Die habe die Eintracht nun. Athletiktrainer Klaus Luisser, Analyst Sebastian Zelichowski, Chefscout Ben Manga oder Co-Trainer Armin Reutershahn seien Kapazitäten auf ihren Gebieten. „Sie bringen uns einen Schritt weiter, und sie haben Freude am Projekt Eintracht Frankfurt.“

Videoanalyst Zelichowski etwa sei dafür verantwortlich, eine einheitliche Strategie zu entwickeln und die Gegner genau zu sezieren. Die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Analysten Marcel Daum, den Trainer Niko Kovac sehr schätze und der sehr nah an der eigenen Mannschaft sein soll, sei fruchtbar. „Die beiden verstehen sich sensationell.“ Zu den kleineren Maßnahmen gehört auch der Videomitschnitt des täglichen Trainings, vermehrte Unterstützung von studentischen Fachkräften schließt Bobic nicht aus. „Sie sind begeisterungsfähig und können ihr Know-how einbringen.“

Bobic hat Spaß

Die Umgestaltung sei womöglich nicht abgeschlossen, eine Optimierung im medizinischen Bereich sei noch denkbar. „Wir lassen uns Optionen offen. Wir sind noch an ein, zwei Personalien dran.“ Trennungen von bisherigen Mitarbeitern solle es freilich nicht mehr geben.

Für Bobic ist diese Personalrochade fast schon alternativlos. „Wenn du keine Basis hast, kannst du keinen Erfolg haben“, lautet sein Credo. „Du kannst es nicht laufen lassen und hoffen, es läuft von selbst.“ Das funktioniere in der Bundesliga nicht. „Wenn du keine Menschen hast, die sich um die Jungs kümmern und ihnen sagen, was wir als Verein wollen, kannst du erzählen, was du willst, dann machen sie da unten, was sie wollen.“

Für Fredi Bobic könnte der Tag auch ein paar mehr als 24 Stunden haben, seine Anfangszeit in Frankfurt sei schon intensiver gewesen als erwartet. Doch er ist bereit, anzupacken. „Es macht absolut Spaß. Ich habe großen Bock darauf.“

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