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Eintracht Frankfurt Alexander Madlung, der Mann fürs Grobe

Eintracht-Wintertransfer Alexander Madlung entpuppt sich immer mehr als Volltreffer. Der Defensivspieler hält hinten dicht und trifft im Spiel gegen den Hamburger Sportverein vorne.

Bravo: Alexander Madlung beklatscht den Punkt. Foto: Hübner

Wer das Spiel nicht gesehen hat und nur den Statistikbogen der DFL in Händen hielt, kann trotzdem eine Menge über das Niveau dieser Partie erfahren. Darin steht zum Beispiel, dass ein Spieler von Eintracht Frankfurt zweimal aufs gegnerische Tor geschossen hat. Häufiger visierte kein Frankfurter das Gehäuse von Rene Adler an. Das sagt einiges aus. Und dieser Spieler war – Alexander Madlung, der zweite Innenverteidiger.
Es war der kantige Abwehrrecke, erst im Winter für eineinhalb Jahre verpflichtet, der sogar nach einer knappen halben Stunde die Frankfurter Führung erzielte. Und das nicht gerade auf typische Art und Weise. Typisch wäre gewesen: Im Luftkampf hochgestiegen, sich gegen zwei Gegner durchgesetzt und die Kugel mit dem Schädel im Tor versenkt. Auch deswegen, wegen seiner Kopfballstärke, hat ihn Armin Veh geholt. In Hamburg nun erzielte Madlung sein erstes Tor für die Eintracht auf ganz andere Weise. Mit rechts und fast quer in der Luft liegend, drosch er eine Kopfballverlängerung von Alexander Meier ins Tor. Adler war ohne Chance. Es war ein Tor aus heiterem Himmel, nichts hatte vorher darauf hingedeutet. Ein paar Minuten zuvor hatte ein Kopfball von ihm das Ziel weit verfehlt.

Hinterher ist der Hüne als einer der letzten in der Kabine angekommen. Er hatte schon längst eine schwarze Trainingsjacke übergezogen, der Interview-Marathon war lang, aber seine Statements waren von gewohnt karger Sachlichkeit. „Am Ende war es glücklich, die Hamburger haben hopp oder topp gespielt und wir haben uns hinten rein drängen lassen.“
Für die Eintracht aber entpuppt sich die Verpflichtung von Alexander Madlung immer mehr als Volltreffer. Inzwischen ist er eine feste Größe in der zentralen Verteidigung. Er hat sich als stabilisierendes Element erwiesen, auch wenn er nicht derjenige ist, der die direkten Zweikämpfe führt. Das übernimmt Carlos Zambrano, Madlung wacht kurz dahinter, räumt auf, was sein Partner begonnen hat. Madlung steht gut im Zentrum. In Hamburg gewann er im Grunde jedes Kopfball-Duell, zudem 80 Prozent seiner 20 Zweikämpfe. Das ist für einen Stopper ein guter Wert. In Hamburg blieb er sehr souverän, selbst in der Drangperiode der Hausherren verlor er nicht die Übersicht.

Bälle im Nirgendwo

Der gebürtige Braunschweiger hat sich relativ schnell in der Bundesliga zurückgemeldet. Im Sommer 2013 war er arbeitslos, hielt sich bei der Freien Turnerschaft Braunschweig fit, einem Klub der fünften Liga. Es war schon ein Risiko, den Kanten im Winter zu holen. Doch die Eintracht ging das Risiko, weil ihr Bamba Anderson als zu unsicherer Kantonist erschien. Oft kränkelte er, dazu hatte er zuweilen Probleme mit dem Knie. Aktuell laboriert Anderson an einem Syndesmoseband-Anriss, wann er wieder zurückkommt ist offen. Und: Die sportliche Leitung der Frankfurter traute ihrem Nachwuchsspieler Marc-Oliver Kempf nicht zu, sofort in der Bundesliga eine Rolle zu spielen. Über Ansätze kam der Abiturient nicht hinaus. Als sicher dürfte gelten: Hätte Kempf eingeschlagen, wäre Madlung nicht geholt worden. Schließlich wollten die Hessen sich nicht noch einmal dem Vorwurf aussetzen, in der Winterpause auf einen Ausfall eines Abwehrspielers nicht zu reagieren, wie seinerzeit in der Saison 2010/11, als sie abstiegen.

Madlung hat sich als solider Abwehrspieler herauskristallisiert. Er kam in allen Rückrundenspielen zum Einsatz, im DFB-Pokal, in der Europa League. Seine Schwäche, das ist bekannt, liegt in der Spieleröffnung. Da flogen etwa in Hamburg viele gut gemeinte lange Bälle irgendwo ins Nirgendwo. Aber fürs Filigrane ist der zweifache Nationalspieler nicht geholt worden. Er ist der Mann fürs Grobe, der dazwischen fegt und auch schon mal für einen gewissen Respekt beim Gegner sorgen soll. Das gelingt Alexander Madlung gut, zumal er jetzt sogar Tore schießt.

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