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Eintracht-Fans Einfach nur asozial

Ewige Einlasskontrollen am Stadion, Provokationen der Lazio-Anhänger. Und so weiter und so fort. Allein: Eine Rechtfertigung für Gewalt ist das nicht. Ein Kommentar.

Lazio Rom - Eintracht Frankfurt
Geht gar nicht, egal von wem und warum: Feuerwerkskörper Richtung Menschen. Foto: dpa

Aus fast 9000 Kehlen schallte es nach dem Abpfiff aus der Curva Sud. „Europas beste Mannschaft“ sangen die Fans, die Spieler von Eintracht Frankfurt, sie hüpften im Takt dazu. Wenn ein Bild das im Stadio Olimpico Geschehene am besten einfängt, dann dieses: Jubelnde Kicker auf dem Platz, feiernde Anhänger auf der Tribüne, dazwischen die römische Polizei in voller Montur. Es waren Minuten, die Gefühlswallungen aller Extreme hervorrief. Von purer Freude bis zu purem Frust. 

Die Jungs von Adi Hütter machten mit dem Erfolg in Rom, dem sechsten im sechsten Spiel, perfekt, was bisher keiner deutschen Mannschaft in der Europa League gelungen war – nur Siege. Chapeau! Und dennoch: „Das ist kein guter Tag für Eintracht Frankfurt“. Diese Worte stammen von Axel Hellmann, Vorstand der Eintracht, der sichtlich angefasst war, als er sie sprach. Er war frustriert, sauer, traurig, und das musste er sein. 

Wenn es vor, während und nach einem Spiel im Frankfurter Fanblock aufflackert, wenn Bengalos die Sicht vernebeln, dann haben sie sich bei der Eintracht schon ein bisschen damit abgefunden. Ob wie zuletzt in Berlin oder auch im Heimspiel gegen Marseille – nur zwei von vielen Beispielen, als während der 90 Minuten nahezu dauerhaft mindestens eine Fackel leuchtete-, die Eintracht lässt ihre Pyromanen gewähren. Sie duldet es, bezahlt die fälligen Geldstrafen ohne Murren und bekommt dafür im Gegenzug laute Unterstützung, hübsche Choreos, bundesweite Anerkennung. Die Eintracht hat in den vergangenen Wochen, Monaten, eigentlich seit zwei Jahren dem harten Kern der Anhänger die Hand gereicht, am Donnerstag packten einige den ganzen Arm und rissen die milde Vereinspolitik krachend zu Boden. 

Nun muss erwähnt werden, dass die Umstände in Rom für Adlerträger keine ganz angenehmen waren. Am Dienstag eine Prügelattacke von römischen Hooligans auf friedliche Frankfurter, dazu eine omnipräsente, nicht selten wohl auch überzogen arbeitende italienische Polizei. Ewige Einlasskontrollen am Stadion, Provokationen der Lazio-Anhänger. Und so weiter und so fort. Allein: Eine Rechtfertigung ist das nicht. Brennende Leuchtkörper auf Menschen zu schmeißen, und das mehrfach, dafür gibt es keine Entschuldigung. Das ist schlicht asozial. 

Beklatschte die Frankfurter Kurve die Pyroshow zu Beginn des Spiels noch fleißig, übrigens luden selbst Spieler in den sozialen Medien stolz Bilder davon hoch, grenzte sich der große Teil der Anhänger nach den Leuchtkörper-Attacken Mitte der zweiten Hälfte von den Übeltätern ab. Ein wichtiges Zeichen. 

Was also bleibt den Eintracht-Bossen nun? Sie müssen definitiv wieder härter durchgreifen, die Unverbesserlichen dingfest machen, auch manch unpopuläre Maßnahme treffen. Das ist zweifelsohne ein schmaler Grat, um den wichtigen Dialog mit den Vernünftigen nicht zu gefährden. Doch es bleibt wenig anderes übrig, Strafen drohen ohnehin, in der K.o.-Phase gar ein Geisterspiel.

So überwog trotz aller Freude über den Siegrekord der Frust. Der Frust über eine vorerst gescheiterte Vereinspolitik.

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