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Dragoslav Stepanovic Dragoslav Stepanovic wird 70

Für Dragoslav Stepanovic ging das Leben immer weiter - jetzt ist er 70 und ein liebenswerter bunter Hund geblieben.

Dragoslav Stepanovic
Dragoslav Stepanovic ist 70 Jahre alt und dennoch kein bisschen weise. Foto: dpa

Eigentlich könnte jetzt einer mal den Ball rausholen und im Garten in Bergen-Enkheim kicken. Stepi wäre dabei, logo, Seit einiger Zeit hat Dragoslav Stepanovic, den alle Welt Stepi ruft, zwei neue Knie. „Herrlisch“, sagt der Stepi, der früher mal in der Weltauswahl kickte, und schießt den Ball in Gedanken in den Knick, dort, wo die Eule schläft. Die Operationen waren gelungen, die krummen Knie wieder gerade „un isch, musse ma sage, bin zwaa Zentimeter größer“.

Ach der Stepi. Er hat sich nicht groß verändert, gut, seit heute ist er 70. Aber das ist nur eine Zahl. Noch immer meint man ihn da sitzen zu sehen, in Rostock bei der Pressekonferenz, im feinen Zwirn, die Haare lang, der Schnauzer mächtig, und dann hört man den Satz, der zu seinem Markenzeichen und zum Titel seiner Biografie geworden ist: „Lebbe geht weider.“

Eigentlich ging das Leben gerade für alle Eintracht-Anhänger nicht mehr weiter, die Eintracht hatte mit der besten Mannschaft seit Jahrzehnten die sichere Meisterschaft vergeigt, 1:2 beim Absteiger Hansa Rostock verloren. Doch Stepi, diese kauziger, hemdsärmeliger Mann aus dem serbischen Rekovac, bewies in der Stunde der größten Niedergeschlagenheit eine bemerkenswerte Größe. Das alles ist viele, viele Jahre her, 1992 war es, doch Stepi ist im Grunde immer noch derselbe geblieben: Die Haare sind ein wenig kürzer, dafür fast weiß, der Schnauzbart zittert, er spricht immer noch sein lustiges Stepi-Serbokratisch-Hessisch. Der Zigarillo fehlt inzwischen, er hat das Rauchen aufgegeben vor ein paar Jahren.

Die Eintracht, wo er in den 70er Jahren einst linker Verteidiger spielte, hat ihn populär gemacht, seine unkomplizierte Art kam an in der Branche, Bernd Hölzenbein hatte ihn in einer Bauchentscheidung zum Trainer gemacht. Stepi passte perfekt zur Eintracht der 90er Jahre, divenhaft, abgezockt, liebenswürdig und ein bisschen großmäulig. Er verpasste zwar die Meisterschaft, schenkte dem Klub aber den jungen, unbekannten Jay-Jay Okocha, den er „ma werfe musste“, und ihm zu einer Weltkarriere verhalf.

19 Klubs hat der bunte Hund in mehr als 30 Trainerjahren betreut, angefangen vom Frankfurter Stadtteilklub FV Progres, über Athletic Bilbao, AEK Athen, Bayer Leverkusen, wo er 1993 Pokalsieger wurde,  bis zum FC Radnicki Nis in Serbien, seiner Heimat. Er hat die Kickers trainiert, den FSV und Rot-Weiss Frankfurt, Oberhausen, Leipzig und Klubs in Spanien, China, Ägypten und in Serbien. Heute engagiert er sich viel auf dem sozialen Sektor, er ist ehrenamtlicher Trainer der Hessenauswahl für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung. Die Spieler haben einen IQ unter 75. Darüber hinaus ist er Hessens Botschafter für Flüchtlinge. 

Seinen 70. feiert er im kleinen Kreis, mit den Enkeln, mit Jelena seiner Frau, Ivanka seiner Tochter und Slobodon Komljenovic, seinem Schwiegersohn. Im nächsten Jahr soll die große Sause folgen. „Da werden dann 190 Jahre gefeiert. Meine Frau wird 70, ich bin 70, und wir sind dann 50 Jahre verheiratet.“ Klingt logisch.

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