Lade Inhalte...

DFB-Pokal Titsch-Riveros besonderes Spiel

Marcel Titsch-Rivero ist bei der Eintracht groß geworden, jetzt will er sie mit Heidenheim ärgern.

Marcel Titsch-Rivero
In der zweiten Liga gereift: Marcel Titsch-Rivero (vorne), einst Eintracht Frankfurt. Foto: imago

Wer sich mit Marcel Titsch-Rivero unterhält, den defensiven Mittelfeldspieler des 1. FC Heidenheim, der kommt um eine Geschichte natürlich nicht herum. „Ich weiß schon: Die Rote Karte“, sagt der mittlerweile auch schon 28-Jährige. Klar. Und es war ja nicht nur einfach eine Rote Karte: Es war die schnellste Rote Karte in der langen Geschichte der Fußball-Bundesliga. Ganze 43 Sekunden nach seiner Einwechslung im Spiel gegen Borussia Dortmund musste der seinerzeit blutjunge Profi von Eintracht Frankfurt wieder vom Platz, nach einer angeblichen Notbremse gegen Marcel Schmelzer und ohne einen Ball berührt zu haben. Es war überhaupt erst sein zweiter Einsatz in der Bundesliga, und es war das letzte Spiel im Mai 2011. Danach und einem 1:3 beim BVB stieg Eintracht Frankfurt ab.

Heute, sagt Titsch-Rivero, „lache ich darüber“. Dass er immer mal wieder darauf angesprochen wird, dass in allen Statistiken dieser Rekord vermerkt ist, den keiner haben möchte, hat er längst akzeptiert. „Das gehört zu meiner Biografie.“ Aber damals hat es ihn so manche schlaflose Nacht gekostet. Und danach hat er nie mehr in der ersten Liga gekickt.

Aber das ist lange her. Mittlerweile macht Marcel Titsch-Rivero – Motto „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen“ – ganz andere Schlagzeilen. Er hat sich beim 1. FC Heidenheim, dem heutigen Gegner der Frankfurter Eintracht im Achtelfinale des DFB-Pokals (20.45 Uhr), zu einem sehr respektablen Zweitligaspieler entwickelt, der für den Klub von der schwäbischen Alb seit 2012 auch schon 157 Spiele bestritten hat. Der Mann mit der Nummer 26, in Frankfurt geboren und in Neu-Isenburg groß geworden, ist Stammspieler in Heidenheim, und er hat jetzt für den Pokal-Mittwoch einen Traum: „Nach umgekämpftem Spiel 2:1 gewinnen.“ Selbstverständlich ist es für Titsch-Rivero, dessen Großvater aus Spanien stammt, kein Spiel wie jedes andere auch, selbst wenn er die Eintracht mit der Zeit etwas aus den Augen verloren hat. In Frankfurt bei der Eintracht hat er sieben Jahre gekickt, mit 16 kam er von der SG Rosenhöhe an den Riederwald, hat in der B- und A-Jugend gespielt und in der zweiten Mannschaft.

Doch den Durchbruch in der Bundesliga hat er bei den Hessen nicht gepackt. Nach dem Abstieg spielte er bei den Amateuren in der Regionalliga, ehe er 2012 nach Heidenheim wechselte. „Ein richtiger und ein notwendiger Schritt“, sagt er. Im Nachhinein wäre es gar besser gewesen, schon früher zu gehen. „Es wäre ehrlicher gewesen, sich früher einzugestehen, dass man gehen muss“, sagt er heute. Er ging einen Schritt zurück, um zwei Schritte nach vorne machen zu können. Aus der Dritten Liga stiegen die Schwaben bald in die Zweite Liga auf, dort halten sie sich seit Jahren. In dieser Runde haben die Schwaben einen schlechten Start erwischt, die Umstellung von Trainer Frank Schmidt auf ein 4-1-4-1-System hat Zeit gebraucht, inzwischen aber „haben wir von den letzten sieben Spielen nur eines verloren“, aber Nürnberg (1:0), Berlin (4:3), Sandhausen (2;1) und Kaiserslautern (4:3) geschlagen, erzählt Titsch-Rivero, der in dieser Saison in 16 Spielen zwei Tore erzielt hat und dessen Vertrag im Sommer ausläuft.

„Absoluter Teamspirit“

Die Stärken seines Klubs lägen eindeutig in der Geschlossenheit der Mannschaft, „wir habe den absoluten Teamspirit“, und im Umschaltspiel. Dazu verfügen die Schwaben in der Lokalgröße Marc Schnatterer über einen verlässlichen Knipser, der in jeder Saison regelmäßig zweistellig trifft. Aktuell rangiert Heidenheim allerdings auf Tabellenplatz 15, nur drei Punkte vom Relegationsplatz entfernt, den Darmstadt 98 innehat. Zudem hat Heidenheim, obzwar schwer zu bespielen, aktuell die meisten Gegentore (33) aller Zweitligaklubs kassiert. Für den Klub ist der Klassenerhalt oberste Priorität, die Abstiegsgefahr ist ganz und gar noch nicht gebannt.

Aber natürlich wissen sie auch in der Provinz, wo Titsch-Rivero vor allem das Familiäre des Klubs zu schätzen gelernt hat, dass der Weg über den Pokal der schnellste zu lukrativen Wettbewerben ist. Und dass in einem Spiel immer alles möglich ist. „Unser Stadion wird voll sein“, verspricht der Linksfuß der Eintracht ein unbequemes Spiel.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum