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DFB-Pokal Eintracht will das Tempo hochhalten

Vor dem Pokalspiel gegen Erndtebrück gibt sich Eintracht-Trainer Kovac erwartbar zuversichtlich.

Jonathan de Guzman
Sicher am Ball, aber noch nicht ganz fit für den Pokal: Jonathan de Guzman (links) mit Athletik-Trainer Martin Spohrer. Foto: Jan Hübner

Zuweilen findet Niko Kovac, zweifelsfrei ein Kind der Bundesliga, das Fußballgeschäft ziemlich merkwürdig. Vor einem Jahr, nachdem die Eintracht in der Relegation den Kopf aus der Schlinge gezogen hatte, sei der Frankfurter Bundesligist als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt worden. „Dann sind wir Elfter geworden und ins Pokalfinale gekommen.“ Und trotzdem „sind wir jetzt wieder Abstiegskandidat Nummer eins“. Das will zumindest das Hamburger Unternehmen Goalimpact herausgefunden haben, das die Eintracht aufgrund eines diffusen Algorithmus’ als ersten Absteiger sieht. Nun ja. 

Niko Kovac sieht das naturgemäß etwas anders, wäre ja auch noch schöner. Er ist schließlich verantwortlich für die Mannschaft und grundsätzlich optimistisch. „Ich bin sehr zuversichtlich“, sagt er. „Wir haben gute Fußballer an Land gezogen, wir sind auf dem richtigen Weg. Davon bin ich überzeugt.“ Und doch wähnt der 45-Jährige sein Team vor dem ersten Pflichtspiel am Samstag (15.30 Uhr) in Siegen gegen TuS Erndtebrück vor einer schweren Saison. „Es wird nicht einfach.“ 

In erster Linie, weil wieder ein Totalumbruch hinter dem Klub liegt, kein anderer Bundesligist hat so viele neue Spieler geholt und integrieren müssen wie die Eintracht. „Man muss wieder von vorne anfangen“, bestätigt der Coach. Aber er ist der Überzeugung, dass seine Mannschaft das Niveau im Vergleich zur Vorsaison mindestens gehalten habe. „Wir haben Qualität verloren, aber auch dazu gewonnen“, betont er. 

Das gelte jedoch nicht für die Innenverteidigung. Die Abgänge der Leihspieler Jesus Vallejo und Michael Hector „konnten wir nicht ganz auffangen“. Zumal der mexikanische Neuzugang Carlos Salcedo nach seiner Schulteroperation noch zwei Wochen ausfallen wird. Erst dann geben die Ärzte grünes Licht. Auf der Innenverteidigerposition fahnden die Hessen noch nach einer externen Verstärkung. 

Eintracht schaut sich auf dem Transfermarkt um

Auch im offensiven Mittelfeld denken die Verantwortlichen darüber nach, noch einmal auf dem Transfermarkt zuzuschlagen, weil Spielmacher Marco Fabian mit Problemen an der Lendenwirbelsäule mindestens zwei Monate ausfallen wird. „Das ist schade“, sagt Kovac. „Wir schauen uns jetzt um, da müssen wir vielleicht was machen.“ Doch die Eintracht müsse genau abwägen, sich fragen: „Was kostet er, kann er uns sofort helfen?“

Kovac freut sich daher, dass zumindest Jonathan de Guzman in dieser Woche wieder ins Training einsteigen konnte. Der Fußballlehrer ist von den Fähigkeiten des niederländischen Mittelfeldspielers überzeugt. Doch er will den fast 30-Jährigen nach dessen Adduktorenzerrung nicht überfordern. Deshalb wird er heute im DFB-Pokal zunächst auf der Bank sitzen. „Wir wollen kein Risiko eingehen. Johnny soll beim ersten Bundesligaspiel in Freiburg voll dabei sein.“

Für den Viertligisten Erndtebrück, der in der Regionalliga West mit zwei Remis (beide Male 2:2) gestartet ist, sollte es auch ohne de Guzman langen. „Wir sind der Favorit, und das möchte ich auch sehen“, befindet der Trainer des Pokalfinalisten, der von mehr als 5000 Eintracht-Fans nach Siegen begleitet wird. 

Für die Frankfurter zählt natürlich nur der Einzug in die zweite Runde – alles andere ist keine Option, auch das liebgewonnene Duell aus elf Metern nicht. „Wir müssen das Tempo hochhalten, dann werden wir auch der klare Sieger sein“, orakelt Kovac. Sein Ensemble sei jedenfalls bereit. „Wir sind auf den Punkt vorbereitet, sind frisch in Kopf und Beinen.“ Dann kann ja nicht mehr viel schiefgehen. 

Im Angriff wird der Kroate sicherlich auf Neuzugang Sebastien Haller setzen, dem er eine gute Vorbereitung attestiert. „Mit ihm bin ich absolut zufrieden. Der Junge hat Qualitäten.“ Auch die stattliche Ablösesumme von sieben Millionen Euro sieht Kovac nicht als Bürde. „Was sind sieben Millionen im Vergleich zu zwei, zwei, zwei“, sagt er und spielt auf den Gaga-Transfer von Neymar zu Paris Saint Germain an. „Das sind doch Peanuts.“ Die Zeiten hätten sich geändert. „Früher waren 500.000 viel Geld, jetzt sind sieben Millionen wenig.“ Er findet das ein bisschen merkwürdig. Hat sich aber längst daran gewöhnt. 

„Merkwürdig“ findet er im Übrigen auch das fortwährende Theater von und mit Lukas Hradecky. Es vergeht fast kein Tag, ohne neue Wasserstandsmeldungen oder Zwischenstände rund um die Vertragsverhandlungen mit dem finnischen Torwart. Kovac hält sich da an die Fakten und das, was ihm der 27-Jährige in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt hat, nämlich, dass er in Frankfurt bleiben wird. „Ich weiß, was Lukas mir gesagt hat. Und da brauche ich keine Verträge. Ein Mann, ein Wort“, führt der Trainer aus. „So lebe ich seit fast 46 Jahren und so werde ich hoffentlich auch sterben.“ 

Kovac lobt in diesem Zusammenhang die geduldige Strategie von Sportvorstand Fredi Bobic und Manager Bruno Hübner. „Beide haben wirklich alles getan, es waren harte Gespräche.“ Er würde sich wünschen, dass Hradecky seinen Vertrag „um drei, vier Jahre“ verlängert. „Dann hätte jeder seinen Benefit. Er hätte einen guten Vertrag und die Eintracht einen sehr guten Torwart.“ Das einzige Hindernis scheint mittlerweile Hradeckys Vater zu sein, zugleich sein Berater, der einen Termin mit Bobic verstreichen ließ. Kovac zuckt die Achseln: „Ich habe mit seinem Vater nicht gesprochen.“

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