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DFB-Pokal Eintracht Frankfurt trotz Unterzahl weiter

Trotz einer Roten Karte für Kapitän David Abraham lassen die Hessen dem Regionalligisten TuS Erndtebrück nur wenige Chancen und erreichen die zweite Runde des DFB-Pokals.

Timothy Chandler von Eintracht Frankfurt
Torschütze Timothy Chandler (rechts) jubelt über sein Tor für Eintracht Frankfurt im Spiel gegen TuS Erndtebrück. Foto: dpa

Yuki Nishiya, der quirlige, nur 1,66 Meter große Japaner des Regionalligisten TuS Erndtebrück, freute sich nach dem Spiel wie ein Schneekönig. Er hüpfte auf und ab, winkte ins Publikum, dabei war sein Team doch gerade aus dem Pokal ausgeschieden: 0:3 hatte Erndtebrück gegen den Bundesligisten Eintracht Frankfurt verloren, es war eine zutiefst unspektakuläre, weitgehend ereignislose Partie. Doch Yuki Nishiya hatte sich das Trikot von Makoto Hasebe ergattert. Hasebe ist der Kapitän der japanischen Nationalmannschaft, er gilt als der Beckenbauer Japans, er ist eine lebende Legende. Und dessen Trikot trägt nun Nishiya, ein 23-Jähriger Stürmer, neu in Erndtebrück; vorher hat er bei Hilal Bergheim gespielt.

Mit ein bisschen Fortune hätte Yuki Nishiya noch eine deutlich aktivere Rolle an diesem Nachmittag spielen können. Er war es nämlich, dem sich die größte Chance des Außenseiters geboten hatte, in der 23. Minute schoss er den Ball vor Lukas Hradecky über die Latte. Unmittelbar zuvor hatte der Frankfurter Kapitän David Abraham den durchgebrochenen kleinen Japaner als letzter Mann festgehalten und prompt und folgerichtig die Rote Karte gesehen. Abraham räumte hinterher seinen Fehler ein: „Foul ist Foul. Das war eine Rote Karte, kein Thema.“ Er wird der Eintracht wahrscheinlich in den nächsten beiden Pokalrunden fehlen. Nach 22 Minuten musste die rundum erneuerte Eintracht also in Unterzahl spielen, was die Aufgabe nicht gerade erleichterte.

Auch diese Szene meinte Trainer Niko Kovac, als er später bei der Analyse sagte: „Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht.“ Denn die Hessen hatten kein gutes Spiel gemacht, sie taten sich schwer gegen den massiert stehenden Regionalligisten, ihnen fiel zudem nicht allzu viel ein. Sicher: Bis zum Platzverweis hatten die Frankfurter eine Reihe von Tormöglichkeiten, Sebastien Haller, Daichi Kamada und Abraham vergaben die guten Gelegenheiten. Immerhin, und das war wichtig, traf Timothy Chandler (37.) mit einem fulminanten Weitschuss zum beruhigenden 1:0. Gerade nach dem Platzverweis war die Eintracht ein wenig ins Schwimmen geraten. Chandler wurde übrigens von Zuschauern mittels DFB-App zum „Man of the match“ gewählt.

Die Eintracht tat in diesem Pokalspiel nur das nötigste. Sie bekleckerte sich wahrlich nicht mit Ruhm. „Wir haben noch ein paar Sachen zum Aufarbeiten“, sagte Chandler selbstkritisch. Auch Kovac sah noch Punkte, die es zu verbessern gilt. „Mit einigen Sachen war ich zufrieden, mit einigen nicht“, sagte er: Nicht zufrieden war er mit dem Ballbesitzverhalten seiner Elf, sie war nicht schnell und aktiv genug zum Ball gegangen, zudem hätte sie wieder zu viele Möglichkeiten ausgelassen. Andererseits habe, zumindest im Schlussdrittel, das Umschaltspiel gut geklappt. Insgesamt aber lief es noch nicht wirklich rund im Eintracht-Gefüge, das Spiel wirkte behäbig, uninspiriert. Es harmonierte noch nicht. Einzig Mijat Gacinovic war ein Aktivposten, flink, spritzig. Er war der einzige, der einen rundum guten Eindruck hinterließ, der einzige, für den die Bundesligasaison schon beginnen könnte. Es war deshalb auch kein Wunder, dass er es war, der für die Entscheidung mit seinem Treffer zum 2:0 (72.) sorgte. „Er hat ein absolutes Herz“, lobte Trainer Kovac den jungen Serben, „ihn muss man eher bremsen im Training.“ Aber ansonsten war es sehr dünn, was die Frankfurter Spieler da bei ungemütlichem Wetter im Siegener Leinbachstadion zu Wege brachten. Auch Sebastien Haller blieb dann doch weit hinter den Erwartungen zurück, selbst wenn er endlich seine Torflaute beendete und in der 77. Minute nach guter Vorarbeit des eingewechselten Jetro Willems das 3:0 markierte. „Ein Tor tut immer gut“, sagte der Sieben-Millionen-Mann nach einer mehr als durchwachsenen Partie. Kovac indes war erstaunlicherweise äußerst angetan vom Franzosen. „Ich bin mit seiner Leistung sehr, sehr zufrieden.“  

Dass es bis zum Bundesligastart gegen den SC Freiburg noch einiges zu tun gibt, ist allen bewusst. Womöglich stehen für diese Begegnung auch Jonathan des Guzman und Carlos Salcedo wieder zur Verfügung. Sie dürften dem Team gut tun. Immerhin war Eintracht Frankfurt der Auftakt in diese Saison mit dem Weiterkommen im Pokal gelungen. Und das war ja das Wichtigste.

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