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DFB-Pokal Berlin als Ansporn

Eintracht Frankfurt hat im Pokal auch in dieser Saison einiges vor.

Alex Meier
Nix war’s: Alex Meier (links), sauber frisiert, schießt über das von David Hohs gehütete Aachener Tor. Foto: imago

Für die Frankfurter Eintracht kann im fälligen Pokalspiel morgen Abend auf der Schwäbischen Alb zu Heidenheim eigentlich nicht viel schiefgehen. Okay, es wird frostig, der Boden tief und vielleicht sogar schneebedeckt sein, und natürlich ist der aufmüpfige Zweitligist von der Brenz ein unbequemer Widerpart, der von den zurückliegenden sieben Spielen vier gewonnen und nur eine Partie verloren hat.

Doch rein statistisch gesehen kann für die Hessen am Mittwochabend (20.45   Uhr) nicht viel anbrennen, in elf von zwölf Achtelfinal-Duellen gegen einen Zweitligisten setzte sich die Eintracht durch, erst in der vergangenen Saison mit 2:1 bei Hannover 96. Der Frankfurter Weg, man kann sich dunkel erinnern, führte dann bis zur Endstation Berlin, Olympiastadion. 

Einmal aber zog die Eintracht den Kürzeren, fast auf den Tag genau vor sieben Jahren. Damals erlebte sie ihr blaues Wunder und schied im Elfmeterschießen auf dem Aachener Tivoli aus. Ausgerechnet dem Fußballgott passierte im Schneeregen ein irdisches Missgeschick: Alexander Meier nahm zwei, drei Schritte Anlauf, geriet leicht in Rücklage und löffelte den Ball über die Querlatte. Das Aus für seinen Herzensklub. „Tut mir leid für die Jungs“, sagte der seinerzeit noch arg kurzgeschorene Meier kleinlaut. „Der war schlecht geschossen.“ Er fügte sich in die Rolle des Sündenbocks: „So ist das im Fußball, im Elfmeterschießen muss ja einer verschießen, das war jetzt ich.“ 

Das Ausscheiden kam für die Eintracht doch einigermaßen überraschend, weil sie nur wenige Tage zuvor Borussia Dortmund, seinerzeit die Übermannschaft der Liga und nach 17 Spieltagen als Spitzenreiter mit zehn Punkten Vorsprung auf den FSV Mainz 05 (!) das Maß aller Dinge, mit 1:0 bezwungen, 26 Punkte erspielt und sich auf Rang sieben in Schlagweite zu den Europapokalplätzen festgesetzt hatte. „Jetzt sehen wir, dass wir oben dran bleiben können. Mit 23 Punkten wäre doch klar gewesen, dass mehr als Mittelfeld nicht drin gewesen wäre“, sagte Kapitän Patrick Ochs. Das Ende ist bekannt: Die Eintracht setzte sich nicht oben fest und auch nicht in der Mitte, sie wurde nach der desaströsesten Rückserie, die je ein Bundesligisten fabriziert hat, bis Platz 17 durchgereicht. Der sinnloseste Abstieg aller Zeiten. 

Auch heute steht die Eintracht überraschend gut da, die Parallelen sind frappierend: Im Klassement wird sie auf Rang acht geführt, sie hat ebenfalls 26 Zähler beisammen und ein Torverhältnis von 20:18 (damals 24:21). Ein schlechtes Omen? 

Ein ähnlicher Absturz wie 2011 mit nur noch einem Sieg und acht errungenen Punkten in der zweiten Saisonhälfte ist nicht zu erwarten, auch wenn die Eintracht für diverse Einbrüche immer gut zu sein scheint: Auch in der zurückliegenden Spielzeit verspielten die Hessen ihre formidable Ausgangssituation und die Hoffnung auf Europa, holte nur noch 13 Punkte und stellte das schlechteste Team der Rückserie. Schnee von gestern. Die heutige Mannschaft hat mit der damaligen nicht mal die kleinste Gemeinsamkeit. 

Die Eintracht-Verantwortlichen sind überzeugt davon, dass das Team nicht noch einmal einen ähnlich kolossalen Sturz wie im Vorjahr erleben wird, dazu scheint das Ensemble in der Tat zu gefestigt. Allerdings gibt es immer einige Unwägbarkeiten: Leistungsträger sollten sich besser nicht schwerer verletzen. Schon jetzt hat man gesehen, wie sehr Vizekapitän David Abraham fehlt. „Wenn uns einer wie David wegbrechen würde, könnten wir ihn nicht ersetzen“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner. 

Abraham wird mit seiner aktuellen Blessur, einem Hämatom am Unterschenkel, sicherlich nicht langfristig ausfallen, am Mittwoch aber auf alle Fälle. Nach seiner Roten Karten in der ersten Runde gegen TuS Erndtebrück fehlt der Abwehrchef letztmalig gesperrt. Für ihn dürfte erneut Marco Russ den Mittelpart der Dreierkette geben, auch wenn der Routinier zuletzt nicht vollends überzeugen konnte. 

Für die Eintracht hat der Pokal eine sehr hohe Priorität, zum einen lässt sich eine Menge Geld verdienen, im Viertelfinale, das am 7. Januar ausgelost wird, winkt eine Prämie von 1,3 Millionen Euro. In der vergangenen Saison sackte der Klub im Wettbewerb knapp zehn Millionen Euro ein und konnte somit das Verspielen von drei Plätzen in der TV-Tabelle und den damit verbundenen Verlust von sechs Millionen Euro auffangen. 

Zum anderen sind die Frankfurter auf den Geschmack gekommen, die Lustreise nach Berlin im Mai war ein absolutes Glanzlicht. Die Eintracht präsentierte sich auf dem Platz gut, abseits des Feldes sogar herausragend gut, zeigte sich von ihrer Schokoladenseite. Sie gewann an Renommee und zumindest kurzfristig ein bisschen Strahlkraft. Der Weg in die Kapitale ist noch weit, klar, aber die Erinnerung an das Highlight kann Ansporn sein, solche Festtage noch einmal erleben zu dürfen. „Man hat gesehen, was das für ein Image bringt und was es für den Verein bedeutet“, sagte Manager Hübner. 

Es ist keine niedrige Hürde, über die die Hessen in der nicht mal ausverkauften Heidenheimer Arena (Fassungsvermögen 15.000 Zuschauer) springen müssen. „Wenn wir denken, wir kommen mit 50 Prozent weiter, fliegen wir raus“, warnte Mittelfeldspieler Mijat Gacinovic. Und: Nach dem späten Niederschlag gegen Schalke wäre der Einzug ins Viertelfinale auch wichtig, um mit einem guten Gefühl und einigermaßen beschwingt in die kurzen Winterferien zu gehen. 

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