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DFB-Pokal 1988 Den Ball weggeschossen

Manfred Binz erinnert sich an den letzten Pokal-Triumph von Eintracht Frankfurt - der liegt schon 30 Jahre zurück.

Pokalfinale 1988
Ohne Trikot, dafür mit Trainingsjacke und Pott: Manfred Binz beim letzten Frankfurter Pokalsieg. Foto: Imago

Letzte Woche hatte „Manni der Libero“ wieder fast ein Tor geschossen. Es ging im Spiel der Traditionsmannschaft von Eintracht Frankfurt um einen guten Zweck, doch der „Manni“ köpfte erst drüber, später schoss er vorbei. Das hat ihm nicht gefallen, er ist ja immer noch ehrgeizig, noch kritischer ist aber Sam mit ihm ins Gericht gegangen. „Du bist ja kaum an den Ball gekommen“, sagte Sam gnadenlos. Sam ist acht Jahre alt, Stürmer in der E-Jugend des SV Blau-Gelb Frankfurt – und der Filius von Manfred Binz.

Vor 30 Jahren hat Manfred Binz auch kein Tor geschossen, aber er war richtig gut. „Ich glaube, ich war einer der Besseren“, sagt er jetzt, in der Sonntagszeitung hatte er die Note 2 erhalten. Vor 30 Jahren, am 28. Mai 1988, stand Binz mit der Eintracht im Pokalfinale gegen den VfL Bochum. Binz kann sich noch haargenau an den akkurat geschnittenen Rasen erinnern, „ein super Platz, astrein, auf so solch einem gepflegten Rasen spielte man damals selten“. Es war kein wirklich gutes Spiel, zwei mittelmäßige Teams standen sich da gegenüber, „die Bochumer waren in der ersten Halbzeit besser“, erinnert sich der Libero, Uwe Leifeld hatte für die Westdeutschen sogar ein Tor geschossen, knapp im Abseits soll er gestanden haben. „Wir waren in der zweiten Halbzeit stärker.“ 

Bei der Eintracht hatten in der Saison zuvor Ralf Falkenmayer, Thomas Berthold und Jürgen Pahl den Klub gewechselt, im Finale spielten Thomas Klepper, Michael Kostner, Dietmar Schlindwein, Holger Friz oder Janusz Turowski, nicht gerade Edeltechniker. Viel, eigentlich alles, hing mit der Tagesform der wenigen Leistungsträger zusammen, Uli Stein, Karl-Heinz Körbel, Lajos Detari, auch Binz – oder ob Frank Schulz, der Schleicher, wieder ein Tor aus dem Nichts würde schießen können. Wie im Halbfinale bei Werder Bremen, als die Norddeutschen praktisch ununterbrochen das Frankfurter Tor belagerten, aber an Tausendsassa Stein unter der Latte scheiterten. „Ich glaube, die Bremer hatten eine Torschuss-Bilanz von 28:3“, erinnert sich Binz. Und irgendwann traf Frank Schulz zum 1:0.

Eintracht im Umbruch

Es war eine bleierne Zeit, die seinerzeit auf der Eintracht lastete. Der Klub hatte hohe Schulden, sportlich lavierte man sich unansehnlich durch die Liga, das Team befand sich in einem Umbruch, die Saison hatten die Hessen auf Platz neun abgeschlossen. Der Pokalsieg übertünchte vieles. Und das entscheidende Tor konnte natürlich nur der schießen, der den Unterschied machte – Lajos Detari, genannt Döme. „Als Freistoß gepfiffen wurde, dachte ich, dass dies genau die Situation ist, die Lajos liebte“, sagt Binz. Der feine Techniker aus Ungarn, der kurz vor dem Strafraum vom späteren Eintracht-Spieler Thomas Epp gefoult worden war, galt als Spezialist für die ruhenden Bälle, er pflegte die Kugel regelrecht ins Tor zu streicheln. Und Frank Schulz hat unmittelbar vor der Ausführung des Freistoßes geraunt, „wir gehen dann schon mal zurück“ – so sicher war er sich, dass Detari diesen Freistoß aus 20 Metern versenken würde. Und so kam es in dieser 81. Minute auch. Es war das siegbringende Tor, den Rest der Spielzeit verteidigte die Eintracht den Vorsprung.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Pokalfinale

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