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Bundesliga-Auftakt Ein Pfeifkonzert für den Prince

Eintracht-Neuzugang Boateng bleibt dennoch ganz cool – Kollege Falette ist der verhinderte Held.

SC Freiburg - Eintracht Frankfurt
Konnte es kaum erwarten: Kevin Prince-Boateng vor seiner Einwechselung. Foto: dpa

Nach nicht mal einer Handvoll Trainingseinheiten mit den neuen Kollegen hätte Simon Falette schon zum Helden für einen Nachmittag werden können. Der Eintracht-Verteidiger hätte dazu nur den Ball mit dem Kopf ins Netz befördern müssen. Das war gar nicht so schwer. 

Die Flanke von Mijat Gacinovic kam butterweich hereingesegelt, sie wurde lang und länger und senkte sich hinter dem Freiburger Torwart Alexander Schwolow herunter und genau auf den Kopf von Simon Falette, so zwei, drei Meter vor dem Kasten. Gleich würde es im Freiburger Gehäuse klingeln, das war eigentlich allen im Schwarzwald-Stadion klar. „Ich habe den Ball fest im Blick und will ihn richtig drücken, damit der Torwart nicht mehr rankommt“, erzählte der 25-Jährige in der Rückschau. Doch dann, ja, dann „ist mir der Ball über die Stirn gerutscht“ – und rauschte doch tatsächlich am Pfosten vorbei. Unfassbar eigentlich. 

Dieser Fehlversuch des neuen Franzosen im Team der Eintracht wurmte ihn gar sehr. „Er hat sich unter der Dusche noch immer geärgert“, berichtete Torwart Lukas Hradecky. Simon Falette fasste sein Missgeschick mit süß-sauer Miene so zusammen: „Erstes Spiel, erstes Tor, das wäre natürlich super gewesen.“ Doch der Konjunktiv hat bislang noch kein Tor erzielt, auch dieses Mal im Breisgau nicht. „War halt nicht drin, kann man nix machen“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic lakonisch. 

Falette präsent

Falette hat seine Sache als einer von sechs Neuen in der Frankfurter Anfangsformation gut gemacht. Das Kraftpaket, erst am Donnerstag fest verpflichtet, war präsent im Zweikampf, ließ sich nichts gefallen. Doch er wird, auf Sicht gesehen, ein wenig aufpassen müssen, gerade in den Luftduellen. Da fuhr er so manches Mal den Ellenbogen aus, der Freiburger Angreifer Nils Petersen etwa trug eine Platzwunde davon. „Ich bin ein kräftiger Spieler, auch in der Luft“, sagte der Linksfuß. Er habe sich, weil er schon die Gelbe Karte nach einem Foul an Florian Niederlechner gesehen hatte, in der Folge jedoch zügeln müssen. „Ich musste auf die Bremse treten.“ Und an die Auslegung der deutschen Schiedsrichter müsse er sich schließlich auch noch gewöhnen. 

Trainer Niko Kovac wechselte den zentralen Deckungsspieler kurz vor Schluss vorsichtshalber aus und brachte für ihn Rechtsverteidiger Danny da Costa, für den Timothy Chandler in die Abwehrmitte rutschte. Dies war, mal am Rande, auch ein klares Zeichen für Routinier Marco Russ, den gelernten Innenverteidiger, der draußen bleiben musste. 

Einer aber stellte den Auftritt des Franzosen Falette locker in den Schatten, natürlich Kevin-Prince Boateng, der nach 67 Minuten eingewechselt wurde und gleich mal mit einem mächtigen Pfeifkonzert empfangen wurde. „Ich habe mich gefragt, warum die Fans pfeifen“, wunderte sich der 30-Jährige. „Vielleicht haben die Freiburger Fans ein Problem mit mir, ich habe keines mit ihnen.“ Sehr wahrscheinlich waren die Unmutsbekundungen einfach seinem Ruf als Skandalkicker geschuldet, eine Reizfigur polarisiert halt. 

Kevin-Prince Boateng hat in seinen ersten 25 Minuten im Eintracht-Dress angedeutet, dass er der Mannschaft eine Hilfe sein kann. „Er war gleich präsent“, lobte Sportdirektor Bruno Hübner. „Er hat den Ball beruhigt, gerade als es hektisch wurde.“ Der Deutsch -Ghanaer war in der Tat gleich da, kam in ein, zwei gute Situationen, die mit etwas Glück auch einen Torerfolg zur Folge hätten haben können.  

„Ich habe versucht, alles reinzuwerfen“, sagt Boateng

Natürlich klappte nicht alles, wie hätte das auch gehen sollen? Ein Schuss mit Vollspann ging etwa 15 Meter übers Tor und verhedderte sich im Freiburger Fangnetz, einmal ging ein Hackentrick schief und ein Freiburger auf und davon – Boateng sprintete nach dem Ballverlust im Vollsprint hinterher, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber bei Boateng achtet man halt darauf. Ansonsten gab er sich zurückhaltend und bescheiden. „Ich habe versucht, in den paar Minuten präsent zu sein und alles reinzuwerfen“, sagte er nach dem Duschen. „Aber es ist nicht leicht, wenn du nur einmal mit der Mannschaft trainiert hast.“ Er müsse die neuen Kollegen erst kennenlernen. „Deshalb freue ich mich auf die Trainingswoche.“ Insgesamt habe er sich sehr gefreut, die Bundesligabühne wieder betreten zu haben. „Das war sehr positiv. Und ich bin dankbar, dass ich die ersten Minuten schon bekommen habe.“ 

Den Auftritt seines neuen Ensembles bewertete der Routinier rundweg positiv. „Die Freiburger hätten sich nicht beklagen können, wenn wir drei Punkte mitgenommen hätten“, befand er. „Wir standen hinten gut und hatten vorne zwei Hundertprozentige.“ An der Treffsicherheit werde man im Training arbeiten. „Und wenn wir unsere Chancen nutzen, können wir viel erreichen.“ 

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